Gefangen im Urlaubsparadies: Junges Urlauberpaar aus dem Chiemgau sitzt auf Boracay fest

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Saskia Haumayer und ihr Freund Joseph Huber aus Marquartstein sitzen seit acht Tagen auf der philippinischen Insel Boracay fest. Sie wollten dort einen unbeschwerten Urlaub verbringen, doch die geplante Rundreise wurde zu einem wahren Albtraum – Ausgang offen. Jetzt erreichte eine Hilferuf der beiden die Heimat.

Wegen des weltweit grassierenden Coronavirus‘ sitzt ein junges Urlauberpaar aus dem Chiemgau mit unzähligen weiteren Touristen auf den Philippinen fest. Ihre Rundreise ist vorzeitig beendet und keiner weiß, wie es weitergeht.

von Markus Müller

Marquartstein –„Hier auf der Insel Boracay wird es für uns immer gefährlicher und wir fühlen uns nicht mehr sicher. Bitte tut uns den Gefallen und verbreitet dieses Video so oft wie ihr könnt“, schreiben die 24-jährige Saskia Haumayer aus Marquartstein (früher Grabenstätt) und ihr 28-jähriger Freund Joseph Huber aus Marquartstein mit sechs weiteren jungen deutschen Touristen in ihrer Not via Facebook.

Absolute Ausgangssperre auf den Inseln verhängt

Auf der kleinen, zentral gelegenen Urlaubsinsel, die für ihre malerischen Ferienanlagen und Strände bekannt ist, ist nämlich eine absolute Ausgangssperre verhängt worden. Das bedeutet, dass Urlauber ihr Hotel nicht mehr verlassen dürfen – falls sie überhaupt noch eines haben. Ihren eindringlichen Worten im ebenfalls geposteten Facebook-Video ist zu entnehmen, dass sie nur noch eines wollen: so schnell wie möglich den zum Albtraum gewordenen Urlaub beenden und nach Deutschland zurückkehren: „Wir sind hier gestrandet und wenden uns auf diesem Wege an euch, weil wir kein Land in Sicht haben, dass wir zeitnah von hier wegkommen“, so der flammende Appell eines jungen Mannes aus der Gruppe.

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Ihre Lage ist ernst, die ausgelassene Urlaubsstimmung in traumhafter Natur ist längst verflogen, die Ungewissheit nagt an den Nerven und auch die Verzweiflung nimmt zu. Begonnen habe das ganze Fiasko mit dem „Coronavirus-Lockdown“ am 15. März in der philippinischen Hauptstadt Manila, so der Mann. Damit verbunden gewesen sei die Streichung sämtlicher buchbarer Inlandsflüge. Alle Versuche, die Insel zu verlassen, sind gescheitert. Nicht nur Eintragungen in Online-Reiseagenturportale sind unbeantwortet geblieben. „Auch die Airlines, die die Flüge gecancelt haben, konnten wir seit über einer Woche nicht mehr erreichen, es gab überhaupt keine Rückmeldungen von denen“, so eine junge Urlauberin aus der Gruppe. Aus lauter Verzweiflung habe man irgendwelche Flüge gebucht, um von hier wegzukommen, doch diese seien dann ebenfalls gestrichen worden. „Eine Rückerstattung der Kohle gibt es auch keine“, so die junge Frau weiter.

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Von Mitreisenden, die es noch mit einem außerplanmäßigen Sonderflug nach Manila geschafft hätten, habe man gehört, dass „die 40 Stunden vor dem Flughafen nächtigen mussten, es ist auch dort eine absolute Katastrophe“, so Haumayer mit Verweis auf die erhaltenen WhatsApp-Nachrichten.

Auch im örtlichen Tourismusbüro ist man bisher nur vertröstet worden. Harsche Kritik übt Haumayer auch an der deutschen Botschaft: „Wenn wir versucht haben, die Botschaft zu erreichen, war das auch eine absolute Katastrophe, entweder ist man gar nicht durchgekommen und wenn doch mal, hat man verschiedene Informationen bekommen, auch Fehlinformationen, jeder hat dir was anderes gesagt und man konnte sich auf gar nichts mehr verlassen“. 

Derzeit ist für die auf Boracay gestrandeten Deutschen nicht einmal sicher, ob sie in ihrer Unterkunft bleiben können, da immer mehr Hotels schließen. Selbiges gilt für Restaurants. „Wir kriegen fast nirgendwo mehr was zu essen, weil alles zugemacht hat“, so Haumayer besorgt. Teilweise werden die Touristen schon aus ihren Hotels geschmissen und vom Militär zurückgeschickte Urlauber würden oft keine Unterkunft mehr finden.

Hilferuf zur Rückholung in die Heimat

Immer wieder heiße es, man solle auf eine bestimmte E-Mail warten, aber das tue man schon seit einer Woche und das bringe einen zur Verzweiflung, so Haumayer und Co. Sie hoffen nun, mit ihrem Hilferuf ihre Rückholung erzwingen zu können. Eines haben sie schon am eigenen Leib erlebt: Ohne diese besagte E-Mail werde man abgewiesen und kriege keinen Sonderflug nach Manila. Zu allem Überfluss soll nun vor Ort auch noch eine Frau unter Corona-Verdacht stehen. „Die Frau war in Manila und ist wohl Krankenschwester, sie zeigt Symptome, wir haben das vor einer Stunde erfahren“, erzählte Haumayer gestern auf Nachfrage per WhatsApp.

Hier gibt es Infos des Auswärtigen Amtes

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