Stark gegen Infekte

Corona, Grippe & Co: Was stärkt die Abwehrkräfte, was ist Unsinn? Wir haben Experten im Chiemgau gefragt

Nahrungsergänzungsmittel boomen, vor allem, wenn ihnen eine abwehrstärkende Wirkung nachgesagt wird. Besonders jetzt während der Corona-Pandemie kursieren viele Werbeversprechen. Allerdings, sagen Apotheker, sind manche Inhaltsstoffe gut erforscht und können, wie bestimmte Vitamine, vorbeugend gegen Infekte eingenommen werden.
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Nahrungsergänzungsmittel boomen, vor allem, wenn ihnen eine abwehrstärkende Wirkung nachgesagt wird. Besonders jetzt während der Corona-Pandemie kursieren viele Werbeversprechen. Allerdings, sagen Apotheker, sind manche Inhaltsstoffe gut erforscht und können, wie bestimmte Vitamine, vorbeugend gegen Infekte eingenommen werden.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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  • Heidi Geyer
    Heidi Geyer
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Von Wickeln bis Globuli haben viele Menschen ein Geheimrezept, das sie vor Infekten schützen soll. Die Chiemgau-Zeitung hat mit Ärzten und Apothekern aus der Region gesprochen. Warum manchmal auch kaltes Wasser hilfreich sein kann.

Bernau/Rimsting/Prien – Je stärker das eigene Immunsystem, desto schwerer haben es Krankheitserreger wie schädliche Viren oder Bakterien. Soweit die Faustregel. Auch unsere Zeitung hat schon Tipps veröffentlicht, die helfen sollen, sich gegen Infekte zu wappnen, gerade jetzt in Corona-Zeiten: Zum Beispiel gesunde Ernährung, ausreichender Schlaf, Bewegung und Sonnenlicht.

Vitamin C und Zink als unschlagbares Duo

Was ist aber mit den vielen, angeblich abwehrstärkenden Nahrungsergänzungsmitteln, die hier und da empfohlen werden? Ein paar Beispiele, die seit Beginn der Pandemie immer wieder in der Öffentlichkeit kursieren: Produkte mit Pflanzenextrakten wie Grüntee, Rosenwurz, Chili, Zistrose, Propolis, Kurkuma oder Apfelessig – um nur einige zu nennen.

Warnung der Verbraucherschützer

Die Verbraucherzentrale Bayern mahnt zur Vorsicht, wenn wenn Anbieter solche Nahrungsergänzungsmittel mit dem Hinweis „Schutz vor Viren“ oder „hilft gegen Corona“ bewerben würden. „Das heißt aber nicht, dass diese Inhaltsstoffe oder alle Hersteller unseriös wären“, heißt es weiter, „es gibt gut erforschte, apothekenpflichtige Arzneimittel zum Beispiel aus Rosenwurz, Zistrose oder Chili, die sicher und mit zugelassenen Indikationen versehen sind.“

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Dass solche die körpereigene Abwehr gegen alle möglichen Viren stärken können, sei es das Corona-, Rhino-, Noro- oder Enterovirus, davon ist Apothekerin Heidi Jungbeck überzeugt. Sie leitet die Apotheke im Bernauer Ärztezentrum, wo es derzeit täglich zahlreiche Anfragen gebe, ob dieses oder jenes Produkt helfe, gesund zu bleiben. „Viele haben von einem Mittel gehört oder kommen mit dem Rat eines Bekannten zu uns“, erzählt Jungbeck. Gehe es allgemein darum, die Abwehr zu stärken, so empfehle sie als Apothekerin Erwachsenen gern die Kombination aus Vitamin C und dem Spurenelement Zink. Sei schon ein Infekt im Anmarsch, sei eine gängige Dosierung die Gabe von mindestens 20 Milligramm Zink und zwei bis drei Gramm Vitamin C pro Tag.

Kapseln, Brausetabletten, Tropfen?

„Es kommt auch auf die Darreichungsform an“, gibt Jungbeck zu Bedenken. So sei es bei einem empfindlichen Magen eher empfehlenswert, Kapseln zu schlucken, als dreimal täglich eine Vitamin C-Brausetablette in Flüssigkeit zu trinken. Kindern gebe man statt hochdosierten Vitaminen besser ein Echinacea-Präparat: „Echinacea wirkt als starkes Immun-Stimulans, erhöht nachweislich die Zahl der weißen Blutkörperchen.“ Oder man greift zu Schüssler-Salz Nummer drei, Ferrum phosphoricum. Wie die Verbraucherzentrale sagt auch Jungbeck, nicht alle beworbenen Nahrungsergänzungsmittel seien mit Argwohn zu betrachten: „Die Zistrose zum Beispiel, auch Cistus genannt, erzielt relativ gute Ergebnisse bei Grippe.“

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Noch, sagt Jungbeck, sei die große Grippe- und Erkältungswelle aber noch nicht angerollt. „Die Leute kommen eher mit einem Schnupfen oder leichtem Halsweh zu uns.“ Die relativ niedrige Infektionsrate schreibt die Apothekerin dem Umstand zu, dass die Menschen durch Masken und Abstand zueinander eher vor einer Ansteckung geschützt sind, als es sonst im Herbst der Fall war.

„Viele haben sich auch im Frühjahr, als Corona losging, mit Medikamenten eingedeckt und zehren jetzt davon.“ Jahreszeitlich geht sie von mehr Erkältungen ab Januar aus. Aber bis dahin kann man ja noch jede Menge für seine Abwehr tun.

Obst und Wechselduschen

Dr. med. Otto Steiner, Allgemeinmediziner in Prien, rät ebenfalls zu Vitamin C und Zink. „Im Großen und Ganzen ist das über die Ernährung getan, wenn man Obst regelmäßig isst und Nahrungsergänzungsmittel sind nicht unbedingt nötig“, sagt Steiner.

Sein Geheimrezept ist ein anderes: „Ich favorisiere Wechselduschen am Morgen. Dann schüttet die Nebenniere Cortison aus und stärkt die Abwehrkräfte den ganzen Tag.“ Bei einer akuten Erkrankung seien Wechselduschen nicht sinnvoll. „Ein Effekt stellt sich ab drei Wochen täglicher Anwendung ein“, sagt Steiner.

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