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WENDELSTEINSTRAßE BLEIBT OFFEN

Anlieger protestieren gegen „Virus-Verteilzentrum“: Gemeinderat Prien lehnt Straßensperre für Events ab

Die Wendelsteinstraße (im Hintergrund) bleibt für den Verkehr offen. Dafür haben Mitarbeiter der gemeindlichen Gärtnerei (im Bild Dieter Hohndorf) den Wendelsteinplatz hergerichtet. Die befestigte Fläche für die Beachbar des Jugendrats im Sommer und andere Veranstaltungen hat eine andere Kiesschicht bekommen, damit dort auch Gras wachsen kann. Große Pflanztröge mit Grünpflanzen sind schon erste Anzeichen für die dritte Priener Kunstzeit, die Mitte Mai beginnt. Auch der Wendelsteinplatz soll dann ein wichtiger Standort für Kunstwerke sein.
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Die Wendelsteinstraße (im Hintergrund) bleibt für den Verkehr offen. Dafür haben Mitarbeiter der gemeindlichen Gärtnerei (im Bild Dieter Hohndorf) den Wendelsteinplatz hergerichtet. Die befestigte Fläche für die Beachbar des Jugendrats im Sommer und andere Veranstaltungen hat eine andere Kiesschicht bekommen, damit dort auch Gras wachsen kann. Große Pflanztröge mit Grünpflanzen sind schon erste Anzeichen für die dritte Priener Kunstzeit, die Mitte Mai beginnt. Auch der Wendelsteinplatz soll dann ein wichtiger Standort für Kunstwerke sein.
  • Dirk Breitfuß
    VonDirk Breitfuß
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Die Wendelsteinstraße im Zentrum Priens wird über die Sommermonate tagsüber nicht gesperrt, um dort Veranstaltungen abzuhalten. Die große Mehrheit des Marktgemeinderats hat einen Antrag auf Initiative der Grünen abgelehnt. Zahlreiche Anlieger hatten protestiert.

Prien – Die große Mehrheit des Marktgemeinderats hat am Mittwoch Abend im König Ludwig Saal eine tägliche Sperrung der Wendelsteinstraße in den Sommermonaten für Veranstaltungen abgelehnt. Ursprünglich hatten zehn von 24 Räten diesen Vorschlag der Grünen unterstützt. Einige rückten aber vor dem Eindruck teilweise heftiger Proteste von Anliegern wieder davon ab.

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Die Verwaltung hatte nach Eingang des Antrags im März knapp 60 Einzelhändler und Anwohner um Stellungnahme gebeten. 26 hatten nach Angaben von Martin Plenk, Leiter des Ordnungsamtes, geantwortet. 23 von ihnen hatten sich dagegen ausgesprochen, den östlichen Teil der Wendelsteinstraße täglich von 10 bis 23 Uhr für den Verkehr zu sperren, wie es im Antrag konkret formuliert war.

Anlieger: Vorhaben „eine einzige Farce“

Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) zitierte stellvertretend aus einem Schreiben, das mit „Dümmer gehts nimmer“ überschrieben war. Der namentlich nicht genannte Absender hatte unter anderem gewarnt, dass bei mehr Fläche mehr Menschen zusammenkämen und so ein „Virus-Verteilzentrum“ geschaffen würde. Das Vorhaben sei „eine einzige Farce“.

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Das Gemeindeoberhaupt gab zusätzlich zu bedenken, dass die Wendelsteinstraße eine wichtige Ost-West-Verbindung zwischen Bernauer- und Hochriesstraße im Priener Zentrum sei. Friedrich warnte auch vor dem personellen Aufwand, wenn jeden Tag Sperren auf- und nachts wieder abgebaut werden müssten. „Man könnte den Eindruck haben, dass die Antragsteller glauben, die Bauhofmitarbeiter drehen nur Däumchen.“ 

Keine Häftlinge als Helfer

Wegen der Corona-Pandemie stellt die Justizvollzugsanstalt (JVA) Bernau auf unabsehbare Zeit keine Arbeitstrupps für Kommunen zur Verfügung. In Prien werden die Häftlinge unter anderem zur Pflege der Wanderwege eingesetzt. Diese und andere Arbeiten muss die Bauhofmannschaft nun selbst zusätzlich bewältigen.

Friedrich forderte eine namentliche Abstimmung, denn „ich habe keine Lust, dass man mich als Dummkopf oder Totengräber des Einzelhandels beschimpft“. Die große Mehrheit stimmte dem zu.

Grüner „Traum“ von Aufenthaltsqualität

Ausführlich nahm Sonja Werner für die fünfköpfige Fraktion der Grünen Stellung, von denen die Initiative für den Antrag ausgegangen war. Die Grünen hätten einen Traum von einem Ortszentrum mit hoher Aufenthaltsqualität, „in dem Einheimische und Touristen entspannt einkaufen und bummeln können, befreit von Auto- und Lastwagenverkehr“.

Im ersten Jahr dieser Legislaturperiode sei in dieser Richtung wenig passiert, monierte Werner. Die Antragssteller wollten „einen konkreten Vorschlag für einen kleinen Schritt in diese Richtung machen“. Die Grünen teilten die Bedenken der Anlieger in der geäußerten Form nicht, die positiven Auswirkungen von Verkehrsberuhigung würden unterschätzt.

Verkehrsberuhigung ein Thema

Weil absehbar war, dass der Antrag abgelehnt wird, lud Werner am Ende ihrer Rede den Bürgermeister ein, die Initiative in Sachen Verkehrsberuhigung zu ergreifen. „Es wird Zeit, zu handeln“, so die Sprecherin der Grünen.

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CSU-Fraktionssprecherin Annette Resch sagte, dass es „natürlich schön wäre, wenn wir weniger Verkehr und schönere Radwege hätten“. Aber durch eine Sperrung würde der Verkehr nur verschoben, gab sie zu bedenken, und: „Das Wichtigste, was dagegen spricht, sind die Anlieger.“

Breites Rahmenprogramm für die Beachbar

Resch verwies auch darauf, dass der Wendelsteinpark ebenso wie die Bahnhofstraße als Veranstaltungsflächen zur Verfügung stünden. Für die Beachbar des Jugendrats, die sie als Jugendreferentin mit initiiert hatte, könnte man zum Beispiel ein noch breiteres Rahmenprogramm entwickeln, um für noch mehr Belebung zu sorgen.

Peter Fischer sprach sich für die ÜWG-Fraktion ebenfalls klar gegen den Antrag aus. „Der tägliche Auf- und Abbau entspräche ja fast einem Vollzeitarbeitsplatz.“ Fischer kritisierte, dass die Anlieger im Vorfeld nicht mit einbezogen worden wären. „Wir können nicht den Gewerbetreibenden die Lebensader abschneiden.“

Nicht alle Details im Vorfeld bekannt

Michael Voggenauer (Freie Wähler) dagegen zeigte sich vom vorgelegten Konzept überzeugt. Das fand auch Gabi Schelhas (SPD), die aber wegen der täglichen Sperrung dann doch gegen den Antrag war.

Dritter Bürgermeister Martin Aufenanger (Freie Priener) deutete in seiner Stellungnahme an, dass wohl nicht alle Räte, deren Namen unter dem Antrag standen, diesen vorab in allen Details zu Gesicht bekommen hatten. Auch er hatte sich ursprünglich hinter die Initiative zur Belebung des Zentrums gestellt, stimmte aber in Kenntnis aller Details dann dagegen.

Vor der Abstimmung machte Friedrich noch deutlich, dass die Wendelsteinstraße unabhängig von dieser Entscheidung auch künftig für zeitlich sehr befristete Anlässe zur Verfügung stünde.

Weiterhin Option für Großveranstaltungen

Gängige Praxis ist es zum Beispiel, in der Adventszeit, wenn der Marktplatz für den Christkindlmarkt gebraucht wird, den freitäglichen grünen Markt von dort für einige Wochen in die Wendelsteinstraße zu verlegen, die dann einmal wöchentlich für einen halben Tag für den Verkehr gesperrt wird.

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Auch für größere Veranstaltungen der Prien Marketing GmbH (PriMa), wie das Musikfestival Swinging Prien an einem Sommerwochenende, oder den Antikmarkt an einem Sonntag im Frühjahr wird die zusätzliche Fläche der Straße genutzt.

Bei der namentlichen Abstimmung votierten lediglich fünf von 23 anwesenden Marktgemeinderäten für die Sperrung der Wendelsteinstraße: Sonja Werner, Angela Kind, Ulrich Steiner, Leonhard Hinterholzer (alle Grüne und Michael Voggenauer Freie Wähler). Simone Hoffmann-Kuhnt (Grüne) und Johannes Seeliger (Bürger für Prien), die beide den ursprünglichen Antrag namentlich unterstützt hatten, fehlten entschuldigt. Alle anderen 18 anwesenden Räte lehnten die Sperrung ab.

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