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Interview mit Siegfied Walch

„Eher Trägheit statt Skepsis “ - Traunsteiner Landrat zur Corona-Impfsituation

Eine sogenannte Booster-Impfung von Biontech erhielt Landrat Walch kürzlich. Bei Personen, die eine Coronainfektion durchgemacht haben, kann bereits durch eine einmalige Auffrischungsimpfung („Booster) eine sehr gute Immunantwort erzeugt werden.
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Eine sogenannte Booster-Impfung von Biontech erhielt Landrat Walch kürzlich. Bei Personen, die eine Coronainfektion durchgemacht haben, kann bereits durch eine einmalige Auffrischungsimpfung („Booster) eine sehr gute Immunantwort erzeugt werden.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Traunstein – Die Herdenimmunität gegen Covid-19 wird aller Voraussicht nach nicht klappen, weil sich zu wenige Menschen impfen lassen. Die Chiemgau-Zeitung hat mit Landrat Siegfried Walch (CSU) gesprochen, wie er die Lage im Landkreis Traunstein einschätzt und was er von Impfverweigerern hält.

Herr Walch, wie beurteilen Sie den Impffortschritt im Landkreis?

Siegfried Walch: Durchweg positiv kommt derzeit der Impfbus des Landkreises bei den Menschen an, der besonders am Stadtplatz in Traunstein sehr gut funktioniert. Generell dort, wo viel Publikumsverkehr ist, haut es gut hin, zum Beispiel auch an der Strandbar in Übersee oder in der Traunpassage in Traunreut.

Wo hakt es dann?

Walch: Schade ist, dass weniger eine Skepsis vorherrscht vor der Impfung, sondern dass beispielsweise in den Impfzentren kurzfristig Termine abgesagt werden oder die Impfangebote einfach nicht wahrgenommen werden. Nach dem Motto: Das kann ich in zwei Wochen auch noch machen. Ich rechne damit, dass es im Herbst wieder einen Run auf die Impfungen geben wird, wenn die Inzidenzen steigen. Jetzt wäre der Impfstoff aber da. Jedem muss klar sein, dass wir nur als Kollektiv aus dieser Pandemie kommen und jeder einen kleinen Teil beitragen soll.

Sie gehen also von einer gewissen Trägheit aus und weniger von einer Skepsis vor den Folgen der Impfung oder deren Nutzen?

Walch: Ja, tatsächlich trifft es Trägheit. Da ist beispielsweise der Geburtstag von der Oma und dann verschiebt man den Impftermin, weil man nicht schlecht beinander sein will.

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Wobei man in der öffentlichen Diskussion schon den Eindruck bekommt, dass es eher an den Impfgegnern oder -skeptikern liegt.

Walch: Ich glaube, es sind weniger, als man glaubt. Wir sehen die Reaktionen ja sehr genau und aus meiner Sicht wird das überbewertet in der Berichterstattung. Die bundesweite Presse konzentriert sich immer stärker auf Gegenströmungen als auf die tatsächlichen Zahlen. Wir sehen anhand der Impfsoftware „BayIMCO“, dass die Zahl der Registrierungen höher ist, als die der Impfungen. Ich bin mir daher nicht so sicher, ob der Anteil der „echten“ Impfgegner so hoch ist, wie man ihn einschätzt. Es geht nicht darum, ob die Politik Erfolg hat, sondern letztlich, ob unser Land und wir gemeinsam Erfolg haben. Ich appelliere an alle, die Chance der Impfung jetzt zu nutzen.

Sie haben im Frühling eine Corona-Infektion gehabt – wie geht es Ihnen heute? Spüren Sie noch Auswirkungen?

Walch: Mein Verlauf war tatsächlich nicht so leicht, aber auch nicht sehr schwer. Eigenartigerweise hatte ich nach der Erkrankung zum ersten Mal einen Asthmaanfall und ich hatte noch nie Asthma. Ob es einen Zusammenhang mit Covid-19 gibt, ist unklar. Ich persönlich finde es nur eigenartig und hatte bislang eine sehr gute Lungenleistung. Vom Gefühl her hängt es irgendwie damit zusammen.

Sind Sie inzwischen geimpft?

Walch: Ja, das habe ich gleich gemacht, als es möglich war. Und Nebenwirkungen hatte ich keine.

Die Diskussion um Sanktionen für Nicht-Geimpfte…

Walch: Halte ich für einen Schmarrn. Es geht nicht um Sanktionen für Nicht-Geimpfte, sondern darum, dass Geimpfte wieder ihre normalen Freiheiten zurückerhalten. Das ist ein Unterschied.

Halten Sie es dann für sinnvoll, dass Geimpfte mehr dürfen als Nicht-Geimpfte?

Walch: Da muss man aufpassen. Als freie Bürger in einem demokratischen Staat haben wir diese Rechte. Man kann sie uns nur zum Schutz der Gesundheit der ganzen Gesellschaft für eine begrenzte Zeit einschränken. Ich halte es für irgendwann nicht mehr vertretbar, wenn jeder ein Impfangebot bekommen hat, dass die ganze Bevölkerung sich dann noch zurücknehmen muss, weil sich ein Teil nicht impfen lassen möchte. Irgendwann rechtfertigt die Situation nicht mehr eine kollektive Einschränkung.

Was heißt das für den Landkreis? Planen Sie konkret etwas?

Walch: Tatsächlich haben wir hier relativ wenig einigen eigenen Spielraum. Aber mich freut, dass sowohl der Bund als auch das RKI nun auf mein Öffnungskonzept, das sich am Impffortschritt orientiert, richten. Dass der Bund ein bissl längert braucht als Traunstein, ist auch normal (lacht). Nein aber im Ernst, wir müssen schauen, dass wir gemeinsam rauskommen aus der Situation.

-Wie sehen Sie als Aufsichtsrat der Kliniken Südostbayern (KSOB) das Thema Impfpflicht bei medizinischem Personal, wie es etwa Frankreich? Wie ist denn überhaupt die Impfquote bei den KSOB?

Walch: Bei den KSOB sind drei Viertel der Mitarbeiter bei den dortigen Betriebsärzten geimpft oder genesen. Es sind vermutlich noch mehr, denn es gibt ja auch welche, die sich im Impfzentrum oder beim Hausarzt haben impfen lassen. Eine Impfpflicht halte ich nicht für richtig. Klar ist aber, dass ein Ungeimpfter dann nicht überall arbeiten kann. Das Risiko kann man dem Patienten nicht zumuten. In dem Fall müssen die Kliniken entsprechend das Personal einteilen.

Markus Söder macht Druck auf die STIKO (Ständige Impfkommission) bei der Imfpung von Kindern. Wie sehen Sie das?

Walch: Ich halte politischen Druck für falsch. Das muss man ganz streng wissenschaftlich sehen und das müssen Experten beurteilen.

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