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Interview: Ein Jahr im Amt

Corona, das Nachtleben und seine Rolle als Papa: Traunsteins OB Hümmer im Interview

Dr. Christian Hümmer am Traunsteiner Stadtplatz, der jede Woche Schauplatz von Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen ist.
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Dr. Christian Hümmer am Traunsteiner Stadtplatz, der jede Woche Schauplatz von Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen ist.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Traunstein – Im vergangenen Jahr kamen Amtsinhaber Christian Kegel (SPD) und Dr. Christian Hümmer (CSU/UW) in die Stichwahl. Der Herausforderer setzte sich mit 60,1 Prozent der Stimmen durch. Die Chiemgau-Zeitung hat mit dem 39-Jährigen über seine persönliche Bilanz nach dem ersten Jahr im Amt gesprochen.

Herr Hümmer, wie ist das, wenn man in der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg Oberbürgermeister wird?

Dr. Christian Hümmer: Spannend und herausfordernd. Aber es nimmt mir nicht den Optimismus. Das Thema schwebt eigentlich über allem und macht je nach Phase viele Abläufe kurzfristiger. Das geht von Gesprächen mit dem Einzelhandel bis zum kurzfristigen Aufbau von sechs Testzentren. Ich bereue die Entscheidung nicht und ich sehe es auch nicht so, dass ich halt jetzt Pech gehabt hab. Jede Zeit hat ihre speziellen Herausforderungen. Ich bedaure lediglich, dass wir in den vergangenen guten Jahren als Stadt finanziell nicht besser vorgesorgt haben. Das müssen wir halt jetzt nehmen wie das Wetter.

Gibt‘s auch andere Sachen, über die sie sich ärgern?

Hümmer: Manchmal über die Darstellung in den Medien (lacht). Nein im Ernst, das läuft sehr fair. Hausintern bin ich manchmal etwas ungeduldig, weil ich finde, dass etwas schneller und leichter gehen muss.

Langfristige Perspektive wichtig

Aktuell wird ihnen vorgeworfen, dass der neue Kulturreferent nicht in Erscheinung trete.

Hümmer: Dahinter steckt, dass der vorherige Stadtrat sich für die Schaffung so einer Stelle ausgesprochen hatte. Mir geht es zudem um eine langfristige Perspektive und Aufstellung in allen Bereichen. Das Thema Kultur gehört für mich ganz dringend ins Stadtmarketing, das wir neu aufstellen wollen. Noch liegt deren Fokus auf der Wirtschaft, das ist historisch gewachsen.

Die Stelle besetzen wir daher momentan noch nicht extern. Herr Spiegelsberger hat die Aufgabe übernommen und schon im vergangenen Jahr einen runden Tisch mit den Kulturschaffenenden gemacht und sind im Austausch. Insofern kann nicht die Rede davon sein, dass hier nichts passiert.

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Für viele Diskussionen hatte auch das Heimatkreuz gesorgt, sogar als undemokratische Entscheidung wurde das bezeichnet.

Hümmer: Undemokratisch ist daran gar nichts, ich hab mich strikt an die neue Geschäftsordnung gehalten. Undemokratisch wäre gewesen, wenn ich den Stadtrat nicht beteiligt hätte, obwohl ich dies hätte tun müssen. Wir hatten ein marodes Kreuz, das ausgetauscht werden musste. Am Ende des Tages hat die Stadt keinen Cent für das neue Kreuz gezahlt, der Künstler hat es gestiftet. Nur der Bauhof hat beim Aufstellen geholfen. Aus meiner Sicht war das die beste Lösung für die Stadt. Gleichwohl werde ich künftig den Stadtrat bei ähnlichen Themen informieren. Das war vielleicht nicht so optimal.

Feuerwehr-Übung für mögliche Bombenfunde

Zwei Evakuierungen wegen Blindgängern gab es schon in ihrer Amtszeit, rund um den Bahnhof werden noch mehr vermutet. Ausgerechnet dorthin wird der Campus Chiemgau kommen.

Hümmer: Wir müssen ganz stark damit rechnen, nachdem der Bahnhof am stärksten bombardiert worden ist. Deshalb werden wir uns mit allen Sicherheitskräften zusammen setzen im Vorfeld. Die Feuerwehr wird auch in einer Übung so einen Einsatz simulieren, damit wir darauf eingestellt sind. Wobei man auch sagen muss, dass man es nicht hundertprozentig üben kann.

Um 23 Uhr tut man sich in Traunstein zu normalen Zeiten sehr schwer, wenn man einen Gin Tonic trinken will. Wird der Campus Chiemgau die Stadt verjüngen und auch ein Nachtleben schaffen?

Hümmer: Ich denke schon. Wenn wir mehrere hundert Studenten oder sogar tausend bei uns in der Stadt haben, dann wird sich das auswirken. Das begrüße ich ausdrücklich, weil wir da schon noch Aufholpotenzial haben.

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Wie kriegen Sie das eigentlich als zweifacher Vater mit berufstätiger Frau und Oberbürgermeisterjob unter einen Hut?

Hümmer: Da will ich ehrlich sein, ich bring den Kleinen in den Kindergarten und lern vielleicht mal mit dem Großen abends Vokabeln. Aber den Großteil macht schon meine Frau. Und wir haben das Glück, dass beide Großeltern vor Ort sind.

Sorge um schulische Entwicklung des Sohnes

Wie ging’s Ihnen als Papa im Lockdown?

Hümmer: Das war schwierig. Da haben die Kinder schon einen kleinen Nachteil, weil ich als OB nicht einfach mal ein Auge zudrücken kann und dann sind halt einfach mal drei oder vier Freunde da. Obwohl gerade mein 6-Jähriger sich das sehr wünscht.

Für unseren elf-jährigen Sohn ist es wie lange Ferien mit lästigen Vormittagen. Wir machen uns Sorgen um die schulische Entwicklung, da bleiben definitiv Dinge auf der Strecke. Ganz so leicht hat er es aber nicht, da seine Mutter und seine Oma Lehrerinnen sind.

Ich denke sehr viel an die Leute, die nicht so gute Umstände und Voraussetzungen haben wie wir.

Sie befürworten das Konzept von Landrat Walch. Steht dessen Strategie nicht im Widerspruch zu dem jetzigen Kurs Ihres Parteivorsitzenden?

Hümmer: Nein, der Unterschied liegt nur in der Systematik: Impfzahlen statt Infektionszahlen. Die Vorsicht bleibt. Ich persönlich halte die derzeitige Fixierung auf den Inzidenzwert für falsch.

Söder war „der deutlich stärkere Kandidat“

Markus Söder wurde nun doch nicht der Kanzlerkandidat. Unterstützen Sie Laschet?

Hümmer: Selbstverständlich werde ich mich für den Erfolg der CSU bei der Bundestagswahl einsetzen. Strauß hat gesagt, es sei ihm egal, wer unter der CSU Kanzler ist. (lacht) Für mich war Söder der deutlich stärkere Kandidat und alles hat für ihn gesprochen. Mich stört an der Entscheidung der CDU diese Funktionärslogik. Das halte ich nicht für zielführend. Da hat der Herr Laschet noch viel Arbeit vor sich.

Wo werden wir denn den Herrn Hümmer in zehn oder zwanzig Jahren sehen?

Hümmer: (lacht) In 20 Jahren bin ich ja fast schon 60.

Das beste Alter für eine Kanzlerkandidatur...

Hümmer: Nein, im Ernst, mich zieht es nicht nach Berlin. Wir haben eine Verwaltung mit 350 Mitarbeitern, bewegen 80 Millionen Euro. Da kann ich täglich mitgestalten. Das würde mir als Abgeordneter fehlen. Es gibt für mich als geborenen Traunsteiner nichts Schöneres, als für meine Heimatstadt tätig sein zu dürfen. Wie lange, das dürfen die Wählerinnen und Wähler entscheiden.

Interview: Heidi Geyer

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