Corona bringt Seminarbetrieb zum erliegen – Schwerer Schlag für Kloster Frauenchiemsee

Die Pforte zum Klosterauf der Fraueninsel bleibt wegen der Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie derzeit für Seminargäste geschlossen. Archiv Thümmler

Das Corona-Virus hat auch den Seminarbetrieb des Klosters der Benediktinerinnen Frauenchiemsee schwer getroffen. Mitte März wurde der Betrieb eingestellt. Wann er wieder eröffnet wird, liege allein an den politischen Vorgaben, sagte die Leiterin, Schwester Scholastica McQueen dem OVB.

Frauenchiemsee – Normalerweise gibt es im Kloster der Benediktinerinnen Frauenchiemseeim Jahr fast 600 Seminare mit rund 20 000 Gästen. „Wir lassen aber den Kopf nicht hängen und erwarten eine baldige Wiedereröffnung“, so die Ordensschwester. Nicht nur, dass die Belegung der Zimmer mit Gästen im Ostflügel nicht mehr erfolgen könne. Auch der Klosterwirt, der die Gäste bewirte, sowie viele Seminarleiter müssten mit finanziellen Einbußen rechnen. Viele davon seien selbstständig, so die Leiterin. So erfolgen die Anmeldungen zu den einzelnen Veranstaltungen ausschließlich bei der entsprechenden Kursleitung.

Starke Einbußen für Seminarleiter und den Wirt

Trotz der Corona-Krise werde es übrigens den Mitarbeitern der Verwaltung des Klosters nicht langweilig, wie die Ordensschwester betonte. Es werde schon wieder an den Angeboten für die kommenden Jahre gearbeitet. So umfasse die Seminarübersicht für 2020 allein fast 50 Seiten. Allerdings sei die Fraueninsel, als Eiland im Chiemsee, von den Einschränkungen wegen der Krise nicht so sehr betroffen. So habe ihr erst kürzlich eine Insulanerin erklärt: „Wir leben auf der Fraueninsel doch schon lange sozusagen in einer ‚Edelquarantäne‘ und sind trotzdem – dank auch des Inselladens und der Schiffsfahrten nach Gstadt und Prien-Stock – gut versorgt“.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Die Ausfälle von Seminaren schmerzten das Kloster, besonders auch in der Zeit von Ostern bis Ende Juli, da sie nicht nachgeholt werden können, so die Leiterin. Sie hofft aber, dass die „Löcher“ mit anderen Kursen bei Wiedereröffnung wieder gefüllt werden können. So sei der große Andrang von Besuchern der Veranstaltungen in der Erwachsenenbildung in der Vergangenheit ungebrochen gewesen. Unter dem Slogan „Die Tür ist für alle offen“ eröffnete die vorherige Äbtissin Domitilla Veith vor 25 Jahren den Seminarbetrieb im Kloster. Es war eine mutige Entscheidung des Konvents, nach Schließung der Klosterschulen einen solchen Betrieb im Kloster einzurichten. Aber keiner der damaligen Entscheidungsträger habe ahnen können, wie wichtig und richtungsweisend dieser Entschluss sein sollte, erinnert sich Schwester Scholastika. „Dass das wunderbare Ambiente der Insel allein keinen Umsatz bringe würde, wussten wir“.

Lesen Sie auch: Der Corona-Ticker – Aktuelle Entwicklungen zu Covid-19 in der Region, Bayern und der Welt

Einem eingeschworenen Team gelang es im Lauf der Zeit, das Haus so attraktiv zu gestalten, dass wir uns um die Auslastung mittlerweile keine Sorgen mehr zu machen brauchten“. Die Teilnehmer, die aus unterschiedlichen Lebenswelten kommen, schätzen vor allem die Internationalität und die religiöse Toleranz. Es habe sich buchstäblich eine Art „Seminarkalender“ entwickelt, aus dem der Ablauf eines Jahres abgelesen werden könne. „Das bringt uns viel Abwechslung und öffnet das Kloster zahlreichen interessanten und einflussreichen Menschen aus allen Ecken der Welt.“ So kämen nicht selten Professoren vieler Universitäten, die schon als Studenten hier ihre ersten Kurse absolviert hätten und jetzt ihre eigenen Studenten mitbrächten.

Bald verfügt das Kloster über schnelles Internet

Äbtissin M. Johanna Mayer OSB vertrat zur Öffnung des Klosters für die Erwachsenenbildung die Meinung, dass dabei an dem zentralen Grundsatz des benediktischen Lebens festgehalten werde, „der bereitwilligen Aufnahme von stets willkommenen Gästen“.

Betrübt sind die Betreuer allerdings darüber, dass das Kloster ausgerechnet jetzt an das schnelle Internet angeschlossen werden soll, da es geschlossen bleiben muss. Viele Jahre habe das Kloster mit der Gemeinde darum gekämpft. Jetzt stehe die Versorgung des Klosters mit sechs Anschlüssen durch die Verlegung der modernen Glasfaserkabel unmittelbar bevor.

Mehr zum Thema

Kommentare