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Corona bremst auch Umgehungsstraße: Baubeginn in Prien-Prutdorf verzögert sich

Seit Jahrzehnten zwängen sich die Fahrzeuge durch die enge Ortsdurchfahrt von Prutdorf. Die Bürger warten sehnlichst auf den Bau der Umgehungsstraße.
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Seit Jahrzehnten zwängen sich die Fahrzeuge durch die enge Ortsdurchfahrt von Prutdorf. Die Bürger warten sehnlichst auf den Bau der Umgehungsstraße.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Die Menschen in Prutdorf sind das Warten gewohnt. Seit Jahrzehnten wird über den Bau einer Umgehungsstraße diskutiert, weil sich Pkw, Busse und Brummis durch die enge Ortsdurchfahrt zwängen müssen. Die Umgehung rückt näher, aber nur sehr langsam. Und jetzt bremst Corona die Vorbereitungen.

Prien/Rosenheim/München – Die Regierung von Oberbayern hatte auf Antrag der Marktgemeinde Prien ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet. Entlang der Trasse für die 1,2 Kilometer lange Umfahrung östlich von Prutdorf und den rund einen Kilometer langen weiteren Ausbau der Staatsstraße 2093 bis zum Ortseingang von Bachham sind über 20 Grundeigentümer betroffen.

Kommunalpolitik und Verwaltung glaubten nach unzähligen Verhandlungsgesprächen in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr daran, mit allen gütliche Einigungen zu erzielen und beantragten deshalb die Planfeststellung durch die Regierung.

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Erste Pläne des Straßenbauamtes im März 2019

Das staatliche Bauamt Rosenheim entwickelte dann in deren Auftrag Ausbaupläne und veröffentlichte sie im März 2019. Behörden und Bürger durften sich dann dazu äußern, ihre Bedenken und Anregungen zu Protokoll geben.

Anfang Juli 2020 hatte die Rosenheimer Behörde die eingegangenen Einwände abgearbeitet und eine Tektur zusammengestellt, in der unter anderem ein Viehdurchlass, eine Zufahrt, das Höhenprofil der Straße und der sogenannte landschaftspflegerische Begleitplan überarbeitet worden waren.

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Keinen nennenswerten Handlungsbedarf gab es beim Lärmschutz, berichtet Bernhard Bauer, Projektleiter im Straßenbauamt, im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Zwar hätten sich nach einer dreiwöchigen Zählung im Februar neue Prognosezahlen für die Verkehrsbelastung ergeben, aber ein lärmmindernder Belag würde dies wieder ausgleichen, sodass keine weiteren Lärmschutzmaßnahmen nötig seien, erläutert Bauer.

Für das Jahr 2030 haben Gutachter im Auftrag des Straßenbauamtes für die Staatsstraße zwischen Bachham und Wildenwart ein durchschnittliches Verkehrsaufkommen von 4000 Fahrzeugen innerhalb von 24 Stunden vorhergesagt, davon 150 schwere Lkw.

2015 waren noch 2900 Fahrzeuge im Tagesschnitt gezählt worden, heuer im Februar schon 3700. Der sprunghafte Anstieg hängt vermutlich mit dem Ausbau des Abschnitts der Staatsstraße zwischen Wildenwart und Frasdorf zur A8 vor einigen Jahren zusammen.

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In die Tektur der Pläne sind auch auf einer Länge von rund 200 Metern neue Höhenprofile eingearbeitet, was sich Bauer zufolge auf den nötigen Grunderwerb auswirkt. Im Verfahren hatte sich herausgestellt, dass vor 40 Jahren Daten falsch in die Unterlagen übertragen worden waren. Diese Fehler sind nun korrigiert worden.

„Die Arbeit ist gemacht, es ist Zug im Kamin“, beschreibt der Projektleiter den Fortgang des Verfahrens. Allerdings seien noch nicht alle Details mit allen Betroffenen ausgeräumt. Mit einem Eigentümer ist nach Bauers Einschätzung „keine Einigung erkennbar“. Ursprünglich hatten acht Anlieger anwaltschaftliche Hilfe in Anspruch genommen, um ihre Interessen zu vertreten.

Im Planfeststellungsverfahren wäre als nächster Schritt ein gemeinsamer Erörterungstermin mit allen Beteiligten vorgesehen. „An einem Erörterungstermin wären circa 50 private Einwender sowie Vertreter von 15 Trägern öffentlicher Belange (Gemeinden, Behörden, öffentliche Versorgungsunternehmen), des Staatlichen Bauamts Rosenheim und der Regierung von Oberbayern als Planfeststellungsbehörde beteiligt. Derzeit ist ein Erörterungstermin wegen der Pandemie-bedingten Gefahren und Beschränkungen noch nicht angesetzt“, teilt Wolfgang Rupp, Pressesprecher der Regierung von Oberbayern, auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung mit.

„Es gibt nur wenige Ausnahmen“ im Verfahren

Eine Hürde wie Corona, die eine Versammlung mit vielen Teilnehmern auf längere Sicht unmöglich macht, sehen die Gesetze und Richtlinien nicht vor. Die Regierung sucht deshalb einen Weg, diese Hürde zu umgehen. „Es gibt nur wenige gesetzliche Ausnahmen, die es ermöglichen, auf die Durchführung eines Erörterungstermins zu verzichten. Dies kommt in Betracht, wenn einem Antrag im Einvernehmen mit allen Beteiligten in vollem Umfang entsprochen wird oder alle Beteiligten darauf verzichtet haben.

Derzeit haben wir allen Verfahrensbeteiligten die Antwort des Staatlichen Bauamtes Rosenheim zugeleitet und um Auskunft gebeten, ob ein Erörterungstermin aus deren Sicht noch für erforderlich gehalten wird oder darauf verzichtet werden kann“, erläutert Rupp den aktuelle Stand der Dinge.

4000 Fahrzeuge täglich im Jahr 2030

Für das Jahr 2030 haben Gutachter im Auftrag des Straßenbauamtes für die Staatsstraße zwischen Bachham und Wil denwart ein durchschnittliches Verkehrsaufkommen von 4000 Fahrzeugen innerhalb von 24 Stunden vorhergesagt, davon 150 schwere Lkw.

2015 waren noch 2900 Fahrzeuge im Tagesschnitt gezählt worden, heuer im Februar schon 3700. Der sprunghafte Anstieg hängt vermutlich mit dem Ausbau des Abschnitts der Staatsstraße zwischen Wildenwart und Frasdorf zur A8 vor einigen Jahren zusammen.

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