Durchhaltevermögen in der Krise

Corona-Belohnung an Priener Mittelschule: Buchgutscheine für alle 420 Mädchen und Buben

Symbolisch überreicht Schulverbandsvorsitzender Andreas Friedrich (Zweiter von rechts) im Beisein von Rektor Marcus Hübl (hinten) Buchgutscheine an die drei Schülersprecher (von links) Vinzenz Wörndl, Katharina Wörndl und Kristina Kirchlechner. Berger
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Symbolisch überreicht Schulverbandsvorsitzender Andreas Friedrich (Zweiter von rechts) im Beisein von Rektor Marcus Hübl (hinten) Buchgutscheine an die drei Schülersprecher (von links) Vinzenz Wörndl, Katharina Wörndl und Kristina Kirchlechner. Berger
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Am letzten gemeinsamen Schultag des Jahres gab es für 420 Schüler der Franziska-Hager-Mittelschule ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Für ihr Durchhaltevermögen und ihr „vorbildliches Verhalten“ in Corona-Zeiten bekamen alle Mädchen und Buben vom Mittelschulverband Buchgutscheine.

Prien – Priens Bürgermeister Andreas Friedrich, der auch Vorsitzender des Mittelschulverbands ist, war ein bisschen aufgeregt am Dienstag um 8.40 Uhr. Er kann sich noch aus eigener Erfahrung aus einer Zeit in der Priener Mittelschule erinnern, dass Lautsprecherdurchsagen meist nichts Gutes zu bedeuten hatten, erzählte er schmunzelnd, bevor er ans Mikrofon trat und die frohe Botschaft von den Buchgutscheinen verbreitete.

Mittelschüler als Vorbild für Erwachsene

Maske tragen im Unterricht und Distanz halten sogar in den getrennten Pausen mache sicher keinen Spaß. Weil aber alle vorbildlich die Regeln einhielten, habe der Mittelschulverband in einer Sitzung eine Woche zuvor spontan das Geld für die Gutscheine freigegeben – in der Summe 7000 Euro. Am Verhalten der Schüler könnte sich „mancher Erwachsene eine Scheibe abschneiden“, ergänzte Rektor Marcus Hübl, der im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung voll des Lobes für die Schüler, aber auch für sein Kollegium war. Alle hätten die vielen Veränderungen seit März, die oft äußerst kurzfristig umgesetzt werden mussten, ohne großes Murren mitgetragen.

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Für die Schüler scheinen Masken, Abstand und Homeschooling offenbar inzwischen weitgehend zum Alltag zu gehören. „Am Anfang war es nicht so einfach, aber man hat sich dran gewöhnt“, sagte Vinzenz Wörndl, einer der drei Schülersprecher. Seine Cousine Katharina Wörndl und Kristina Kirchlechner, die beiden anderen Schülersprecherinnen, bestätigten das. „Es ist zum Aushalten“, sagte Katharina. „Blöd“ sei Wechsel- oder Distanzunterricht aber gerade für die Abschlussklassen mit Blick auf die geplanten Prüfungstermine im Frühsommer. Alle drei Schülersprecher gehen in die zehnte Klasse im sogenannten M-Zug und wollen ihre Mittlere Reife machen. „Zaach“, also zäh sei es manchmal, aber „wir haben das schon beim Quali gut hinbekommen“, ist Kristina für die Abschlussprüfungen optimistisch. Vor der Mittleren Reife stand für die jetzige zehnte Klasse im ersten Shutdown schon die Quali-Prüfung an.

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Auch die Klassenkameraden des Schülersprecher-Trios berichten im Interview mit der Redaktion von einer Eingewöhnungsphase im Frühjahr, scheinen sich aber längst mit den Umständen arrangiert zu haben. „Irgendwann ignoriert man die Maske einfach und macht seine Arbeit“, bringt es Maurice Zinner auf den Punkt. Ans Atmen hinter dem Stück Stoff jeden Schultag lang habe man sich nach Anfangsproblemen gewöhnt, ergänzt Noah Kobberger. Die Maske vor Mund und Nase wird Yasmin Stuffer inzwischen oft erst bewusst, wenn sie das Stück Stoff mal abnehmen darf – zum Beispiel in der Pause, wenn der Abstand zueinander gewahrt ist. „Da merkt man erst, wie schön es ohne Maske ist“, sagte Yasmin.

Ans Maske tragen und regelmäßiges Lüften hat sich die zehnte Klasse längst gewöhnt, sagen (von links) Maurice Zinner, Yasmin Stuffer und Noah Kobberger. Berger

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Seit März bis jetzt haben nicht nur alle Schüler, sondern auch deren Eltern „klaglos“ alle Änderungen und Einschränkungen hingenommen „und tragen das mit“, ist Rektor Hübl froh um die Unterstützung. Die Lehrer werden bis Weihnachten alle mit ihren Klassen in Kontakt bleiben, kündigte er an. „Ob das Distanzlernen oder Distanzunterricht heißt, ist mir egal“, kommentierte Hübl, was für ihn und sein Kollegium im Vordergrund steht. Im Zweifelsfall sollen die Lehrer auch lieber mal auf die ein oder andere Probe verzichten.

„Wir haben das bisher ja auch gut hinbekommen“

Der Rektor rechnet nicht damit, dass bis zum 10. Januar, dem aktuellen Enddatum des von der Politik beschlossenen Shutdowns, gleich wieder halbwegs normaler Unterricht erlaubt und möglich sein wird. Aber mit Blick auf die Erfahrungen seit dem ersten Shutdown im März ist er trotzdem optimistisch, das Schuljahr 2020/21 zu einem guten Ende für alle Beteiligten zu bringen. „Wir haben das bisher ja auch gut hinbekommen.“

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