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Im Gespräch mit einer Ermittlerin

Bei Anruf: Quarantäne – die Kontaktnachverfolgung bei Corona im Gesundheitsamt Traunstein

Dr. Wolfgang Krämer.
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Dr. Wolfgang Krämer.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Bei einem Corona-Ausbruch könnte der Erkrankte die Tage zuvor noch eine Reihe von Menschen angesteckt haben. Wann die gefährlichsten Tage sind und wie das Gesundheitsamt Traunstein reagiert, um Infektionen zu verhindern, das erklärt Leiter Dr. Wolfgang Krämer. Ihre Erfahrungen schildert Ermittlerin Claudia Siemers.

Traunstein – Die Coronazahlen steigen, damit ist das Team des Gesundheitsamtes Traunstein wieder verstärkt gefordert. Der Mitarbeiterstab um Chef Dr. Wolfgang Krämer ist mit der Pandemie von 30 auf bis zu 80 Mitarbeiter angewachsen. Ein Teil davon ist das etwa 30-köpfige Ermittlerteam, das an sieben Tagen die Woche die Kontaktpersonen von neuen Erkrankten ermittelt, das ist die Kontaktverfolgung (Contact Tracing). Eine von ihnen ist Claudia Siemers aus Übersee.

Claudia Siemers.

Nach Infektion rasches Handeln nötig

Seit Anfang April ist Siemers Ermittlerin. Wird ein neuer Coronafall beim Gesundheitsamt bekannt, ist laut Dr. Krämer rasches Handeln geboten, um eine unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern und Infektionsketten zu unterbrechen. Sobald das Risiko besteht, es könnte sich im Umfeld der erkrankten Person jemand angesteckt haben, wird er in Quarantäne geschickt.

Dr. Krämer erklärt: „Die größte Gefahr der Ansteckung besteht ein bis zwei Tage vor Ausbruch der Symptome.“ Das heißt: Personen merken selbst noch nichts, sind aber bereits ansteckend. Das macht den Coronavirus zum lautlos anschleichenden Gegner und schwer berechenbar. Ansteckungen zuvorzukommen, ist das Ziel der Arbeit von Ermittlern wie Claudia Siemers. Ihre Arbeit fordert durchaus Fingerspitzengefühl, wie sie erzählt. „Manche Leute sind geschockt, wenn es sie erwischt hat“, erzählt sie im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Das betreffe Alt wie Jung.

Die meisten erwarten den Anruf ungeduldig

Sobald sie die Daten von einer an Corona erkrankten Person vom Gesundheitsamt erhält, ruft sie dort an. „99,9 Prozent sitzen schon auf Kohlen und erwarten unseren Anruf“, so Siemers. Die Betreffenden wissen durch ihren Testbefund bereits Bescheid. Der aufgewühlten Gefühlslage ihrer Gesprächspartner bewusst, beginne sie das Gespräch mit umsichtigen Worten. „Ich frage dann auch, ob es gerade passt und da hab ich noch nie ein Nein gehört“, so die Überseeerin. Sie frage persönliche Daten, Krankheitsgeschichten und Impfstatus ab. Und das Wichtigste: Wo könnte sich die oder der Erkrankte angesteckt und wem die Krankheit weitergegeben haben.

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„Es ist für die Menschen oft schwer, sich noch genau an die vergangenen zehn bis zwölf Tage zu erinnern“, weiß Dr. Krämer. Das Robert-Koch-Institut (RKI) habe genau definiert, was im Zusammenhang mit Corona als enger Kontakt anzusehen sei, etwa Gespräche ohne Maske oder gemeinsamer Aufenthalt auf engem Raum. Der Freistaat Bayern habe zeitweise sogar noch strengere Vorgaben gemacht, als das RKI. Wer als Kontaktperson gilt, der müsse sich in 14-tägige Quarantäne begeben, dürfe das Haus also nur für dringende Arzttermine nach telefonischer Abstimmung verlassen. Das Ende muss mit einem negativen Coronatest belegt werden.

Am Ende der Quarantäne müssen Betroffene einen negativen PCR- oder Antigentest vorlegen, bevor sie sich wieder frei bewegen dürfen.

Einschränkung der Grundrechte erfordert saubere Ermittlungen

„Das ist natürlich eine starke Einschränkung der Grundrechte, deshalb muss das sauber ermittelt werden“, erklärt der Gesundheitsamtsleiter. Bei Zweifeln könnten die Ermittler immer einen Arzt oder ihn selbst erreichen. „Seit Coronabeginn habe ich das Handy immer neben mir liegen“, so Dr. Krämer.

Vereinzeltes Unverständnis für die Qurantänemaßnahmen bekam auch Claudia Siemers schon zu spüren. „Ein oder zwei Mal wurde ich beschimpft“, erzählt sie. Ein Mal habe sie einen unwilligen Jugendlichen am Telefon gehabt: „Ich habe lange mit ihm geredet und ihm erklärt, dass wir verhindern wollen, dass wir alle wieder in einen Lockdown müssen. Am Ende hat er sich entschuldigt.“

Dr. Krämer ergänzt: „Gott sei Dank herrscht im persönlichen Austausch noch eine gewisse Hemmschwelle, schriftlich und anonym zeigen uns aufgebrachte Leute oft wenig Anstand und Benehmen.“

Bei Unverständnis Folgen klar machen

Es komme natürlich aber auch darauf an, wie die Behörde auf die Menschen zugehe: „Wir werben um Verständnis für die Maßnahmen und machen klar, was passieren kann, wenn man jemanden ansteckt, anstatt in Quarantäne zu gehen.“ Die Folgen könnten weit schlimmer sein.

Am Ende wirbt er: „ Die Impfung ist die kraftvollste und effektivste Maßnahme, dieses Virus soweit unter Kontrolle zu bekommen, dass die Betroffenheit schrumpft. Wer geimpft ist, besitzt ein Schutzschild gegen das Virus. In unseren Auswertungen sieht man ganz klar, dass die aktuellen Infektionen vor allem die Ungeimpften betreffen.“ In den zurückliegenden vier Wochen sei die Anzahl der Impfdurchbrüche im Landkreis Traunstein bei knapp vier Prozent aller Neuinfektionen gelegen, gut 96 Prozent dagegen seien nicht oder nicht ausreichend geimpft gewesen.

Bußgeld wird im Einzelfall entschieden:

Was passiert eigentlich mit jenen Kontaktpersonen, die nachweislich gegen geltende Corona-Auflagen verstoßen haben? Dazu der Traunsteiner Gesundheitsamtschef Dr. Wolfgang Krämer: „Das geben wir an die zuständige Abteilung im Landratsamt weiter, die für den rechtlichen Vollzug der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung zuständig ist.“ Die Personen würden angehört und im Einzelfall entschieden, ob und in welcher Höhe ein Bußgeld verhängt werde. Lediglich in Ausnahmefällen müsse die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft übergeben werden, so Dr. Krämer. Eine Straftat stehe im Raum, wenn beispielsweise vorsätzlich gegen eine Quarantäne-Anordnung verstoßen und damit nachweislich die Krankheit Covid-19 verbreitet werde. Das Verfahren nennt der Gesundheitsamtsleiter aufwändig, es würden etwa finanzielle Verhältnisse geprüft, oder gar, ob der Betreffende einfach die aktuellen Vorgaben nicht gekannt habe, die ständig wechselten.

Quarantäne ist einzuhalten:

Rechtlich hinterlegt ist die Anordnung zur Quarantäne in der Allgemeinverfügung des Landkreises. Diese wiederum bezieht sich auf das Infektionsschutzgesetz des Bundes. „Wenn eine Quarantäne angeordnet ist, ist die Person verpflichtet, diese einzuhalten“, so Dr. Wolfgang Krämer, Leiter des Gesundheitsamtes Traunstein. Wer sich nicht daran halte, müsse mit einem Bußgeld von mehreren hundert Euro bis zu 25 000 Euro rechnen. Zwar könne gegen die Anordnung gerichtlich vorgegangen werden, eine Klage habe jedoch keine aufschiebende Wirkung, sprich, die Quarantäne sei für den Moment einzuhalten. Eine Dunkelziffer an bewusst nicht genannten Kontaktpersonen könne er nicht nennen, erklärt Dr. Krämer, er wolle aber nicht ausschließen, dass es vorkomme, dass sich jemand vor Verwandte oder Freunde stelle. Die vom Gesundheitsamt erfassten Daten würden anonymisiert an das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und anschließend ans RKI übermittelt.

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