Zahlreiche Infektionen

Corona-Ausbruch in Pflegeheimen in Siegsdorf und Inzell: 36 Bewohner und 20 Mitarbeiter betroffen

Das Alten- und Pflegeheim Siegsdorf hatte im ersten Lockdown keine infizierten Bewohner.
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Das Alten- und Pflegeheim Siegsdorf hatte im ersten Lockdown keine infizierten Bewohner.
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
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Nun ist es auch in Inzell und SIegsdorf passiert: Zahlreiche Senioren und Mitarbeiter haben sich in zwei Altersheimen mit Corona infiziert. So sieht die Lage vor Ort aus.

Siegsdorf / Inzell – In zwei Alten- und Pflegeheimen im Landkreis Traunstein ist es zu einem Corona-Ausbruch gekommen. Betroffen sind das Heim Kardinal-Faulhaber in Siegsdorf mit 20 Senioren und 10 Mitarbeitern und das Chiemgau-Stift in Inzell, in dem sich 16 Bewohner und zehn Mitarbeiter mit Covid-19 infiziert haben.

Noch vor zwei Wochen zeigte sich Monika Sandbichler, Leiterin des Heims in Siegsdorf, erleichtert, dass ihr Haus bislang von Corona verschont worden sei. Nun hat es auch das Siegsdorfer Heim erwischt, in dem 110 Menschen leben. Wie das Virus dorthin gelangt ist, ist bislang weder für das Gesundheitsamt noch die Heimleitung nachzuvollziehen.

Positive Tests in der vergangenen Woche

„Ein positives Testergebnis wurde am Dienstag in der vergangenen Woche bekannt. Die betreffende Person war am vorhergehenden Freitag zuletzt in der Einrichtung“, sagt Sandbichler. Sämtliche Mitarbeiter nahmen am Dienstag an einem Routinetest teil, am Mittwoch seien weitere positive Testergebnisse bekannt geworden. „So schnell als möglich wurden alle Bewohner getestet“, berichtet Sandbichler. Es ließe sich aber kein spezieller Infektionsherd oder Zusammenhang erkennen, außerdem habe man sehr konsequent auf die Infektionsschutzbestimmungen geachtet.

Nächste Reihentestung steht an

In Siegsdorf steht am Donnerstag die nächste Reihentestung an, die Ergebnisse werden vermutlich am Wochenende vorliegen. Den Bewohnern gehe es den Umständen entsprechend gut, sagt Sandbichler. Sie sei ständig in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und der Heimaufsicht. „Die Betreuung ist gewährleistet. Mein Dank gilt meinen Mitarbeitern, die großartig zusammenhalten und -helfen“, sagt die Heimleiterin. Derzeit erarbeite sie auch ein Besuchs- und Kontaktkonzept für Weihnachten.

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Im Inzeller Chiemgau-Stift der Diakonie ist ebenfalls nicht klar, woher genau die Infektionen mit Covid-19 rühren. „Es gibt einige recht mobile Bewohner, die das Haus auch verlassen. Wir haben keinen Einfluss darauf, mit wem Sie Kontakt haben“, sagt Fachbereichs- und Einrichtungsleiter Kurt Schmoll. Ob es daran liegen könnte, sei aber unklar. Am Wochenende erhielten die Verantwortlichen die Ergebnisse einer Reihentestung, die kurz zuvor durchgeführt worden war. 58 Bewohner leben im Chiemgau-Stift, 16 von ihnen haben sich infiziert.

Meist leichte oder keine Symptome

„Diesen Bewohnern geht es relativ gut“, sagt Schmoll. Er und seine Mitarbeiter seien im ständigen Kontakt mit den Hausärzten und dem Gesundheitsamt. Die betroffenen Senioren seien zwischen 85 und 87 Jahre alt. Ein Patient sei in der vergangenen Woche ins Krankenhaus gekommen. „Er ist derzeit stabil und wir rechnen damit, dass er bald wieder zu uns kommt“, sagt der Heimleiter. Sorge macht ihm die angespannte Personalsituation: „Wir haben einen kleinen Stamm von Mitarbeitern und der Tagesablauf ist entsprechend organisiert. In dieser Woche bekommen wir auch Unterstützung von außerhalb.“ Dennoch sei es sehr aufwendig, dies alles zu organisieren.

Wie wird Weihnachten?

Für Weihnachten habe man im Chiemgau-Stift erste Planungen, derzeit sei aber noch nicht klar, ob sie umsetzbar seien. „Wir sind aber positiv gestimmt, dass wir den Wunsch vieler Bewohner und Angehörigen ermöglichen können, sich an Weihnachten zu sehen.“ Auch für Schmoll ist die Situation keine leichte: „Man steht unter sehr hohem Druck, um die Versorgung sicherzustellen und die weiteren Tests zu organisieren.“

Sechs Todesfälle in Alzinger Heim

Welche Folgen ein Corona-Ausbruch in einem Altenheim haben kann, zeigt sich ebenfalls in Siegsdorf. Im Altenheim St. Hildegard im Ortsteil Alzing sind Angehörige von Ordensgemeinschaften und einige Priester untergebracht. Dort hatte sich im November ein Großteil der Bewohner mit Covid-19 infiziert. Sechs Senioren seien verstorben, sagt Claus Peter Scheucher, Generalökonom der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul, der das Heim gehört. Inzwischen seien die Senioren nicht mehr in Quarantäne, wobei drei Bewohner und auch einige Mitarbeiter „noch nicht wieder fit“ seien.

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Menschlich und auch wegen des formellen Aufwands rund um die Infektionen sei das Heim enorm gefordert gewesen. „Das geht an die Grenzen der Belastbarkeit“, sagt Scheucher. „Ich kann nur davor warnen, Corona zu unterschätzen.“

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