Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Bürgermeister übt scharfe Kritik - ein Selbsttest vor jedem Laden

Corona-Testpflicht bringt Priener Händler zum Verzweifeln

Blicken sorgenvoll auf die neuen Regelungen für den Handel: Wolfgang Sedlmeir, Sabine Westermeyr und Dr. Herbert Reuther vom Gewerbeverein Prien Partner.
+
Blicken sorgenvoll auf die neuen Regelungen für den Handel: Wolfgang Sedlmeir, Sabine Westermeyr und Dr. Herbert Reuther vom Gewerbeverein Prien Partner.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
    schließen

Auch in Prien dürfen Kunden nur noch mit negativem Corona-Test in viele Läden kommen. Priens Bürgermeister Andreas Friedrich spricht angesichts der knappen öffentlichen Test-Kapazitäten von einer erneuten „de-facto-Schließung“ des Einzelhandels und kritisiert die Vorgehensweise scharf.

Prien – Der Selbsttest muss bei jedem Geschäft neu gemacht werden, während die bescheinigten Ergebnisse von medizinischem Personal in Testzentren, von Ärzten oder in Apotheken zwischen 24 und 48 Stunden gelten. Dr. Herbert Reuther, Vorsitzender des Gewerbevereins Prien Partner, ist um Optimismus bemüht. „Wir planen für den Herbst Aktionen“, sagt er gegenüber der Chiemgau-Zeitung: „Wir lassen uns nicht unterkriegen.“

„Der Tod des ganzen Systems“

Dennoch kann er die momentane Situation für den Handel kaum schönreden – bei aller Notwendigkeit von Regelungen wegen der Pandemie. „Das ist der Tod des ganzen Systems“, sagt er zu den verpflichtenden Tests bei click&meet, also wenn Kunden mit Anmeldung ins Geschäft kommen möchten.

Reuther spricht damit die Tatsache an, dass Kunden einen Selbsttest vor jedem neuen Laden wiederholen müssen. Das könnte sie vom Einkauf abhalten. Außerdem machten die Prien Partner zwischenzeitlich große Unsicherheit bei den Kunden aus, was aktuell erlaubt ist, gilt und was nicht.

Selbsttest brechen kleineren Läden das Genick

Die stellvertretenden Prien-Partner-Vorsitzende Sabine Westermeyr spricht bei einigen Händlern im Ort inzwischen von einer „riesigen Verzweiflung“. Auch sie befürchtet: „Die Leute gehen nicht groß einkaufen, wenn sie jetzt auch noch einen Negativtest mitbringen müssen.“ Wie Reuther befürchtet sie noch mehr Verlagerung in den Online-Handel und in die Supermärkte: „Wer einen Spitzer braucht, wird nicht in den Schreibwarenladen gehen, sondern ihn im Kaufhaus mitnehmen.“

Westermeyr und Beirat Wolfgang Sedlmeir sprechen davon, dass es „hanebüchen“ sei, dass der Einzelhandel mit seinen größtenteils inhabergeführten und wesentlich übersichtlicheren, kleineren Läden trotz Hygienekonzepten nicht öffnen darf, während sich in den Supermärkten die Kunden vor der Kasse stauen. Alle drei sind sich einig: „Die Selbsttests brechen uns das Genick.“

Bürgermeister verhandelt mit privatem Test-Anbieter

Verständnis und Unterstützung haben sie von Priens Bürgermeister Andreas Friedrich. Der sagte im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung: „Ich habe beim Roten Kreuz versucht, eine zusätzliche Teststation für Prien zu bekommen, leider haben sie keine Kapazitäten.“ Bislang bieten vor Ort mehrere Ärzte und die Marien-Apotheke Schnelltests nach Anmeldung an. Auf der Internetseite der Marktgemeinde sind die Stellen aufgelistet.

Nachdem die Nachfrage wegen der neuen Auflagen im Handel steigen dürfte, verhandelt Friedrich, wie er schildert, nun mit einem privaten Anbieter für ein zusätzliches Schnelltest-Angebot in Prien. Dieser bemühe sich aktuell beim Rosenheimer Gesundheitsamt um eine Zulassung.

Sollte diese erfolgen, rechnet der Bürgermeister noch mit einer Woche Vorlaufzeit, bis die neue Teststation loslegen könnte. Der Vorteil gegenüber den Selbsttests ist, dass die Bescheinigung über ein negatives Ergebnis 24 Stunden lang gilt und nicht vor jedem Ladenbesuch erneuert werden muss. Ein negativer PCR-Test zählt sogar 48 Stunden ab Proben-Entnahme als Nachweis.

Friedrich verärgert über Regierung

Was die Selbsttests betrifft, ärgert sich Friedrich über kursierende Gedankenspiele, der Handel solle seinen Kunden welche kostenlos zur Verfügung stellen: „Das grenzt schon fast an Frechheit, wenn unsere Regierung sich ernsthaft hinstellt und das vom gebeutelten Handel verlangt. Wer das tut, hat den Bezug zur Realität verloren.“

Die Marktgemeinde bemühe sich aktuell, eine größere Zahl an Selbsttests „zu fairen Preisen“ einzukaufen. Allerdings sei der Markt im Moment abgeschöpft, befürchtet er. Sollte es dennoch gelingen, kann er sich vorstellen, kleinere Kontingente dem Handel und kirchlichen Arbeitgebern zum Selbstkostenpreis zur Verfügung zu stellen.

Als „Hohn“ und „grenzwertig“ bezeichnet er, dass die Vorgaben der Regierung kämen, ohne gleichzeitig jedem Bürger genügend Kapazitäten anbieten zu können.

Kommentare