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Verreisen mit dem Wohnmobil liegt im Trend

Faszination Freiheit: Cord Dayal aus Bergen stellt Reisemobil-Unikate her

Gemeinsam mit Schreiner David Kullack arbeitet Art-Gerecht-Gründer Cord Dayal (links) an der Elektroinstallation für ein neues Premium-Reisemobil.
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Gemeinsam mit Schreiner David Kullack arbeitet Art-Gerecht-Gründer Cord Dayal (links) an der Elektroinstallation für ein neues Premium-Reisemobil.
  • Axel Effner
    VonAxel Effner
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Die Lockdowns haben der Wohnmobil-Branche einen ungeahnten Boom beschert. Mit einer ganz eigenen Philosophie widmet sich der Grassauer Cord Dayal dem Thema. Er plant, designt und baut mit seinem Team der Bergener Fahrzeugmanufaktur „ArtGerecht“ Reisemobilunikate und Expeditionsfahrzeuge.

Bergen – Der Kunde ist von Anfang an intensiv in den Planungs- und Realisierungsprozess seines nach individuellen Anforderungen entworfenen Fahrzeugs eingebunden. Er kann sich beim Bau beteiligen, denn im Falle einer Panne im Ausland ist es nützlich, alle Details des Wagens zu kennen.

Die Idee hinter seinem Unternehmen erklärt Dayal so: „Ich bin selbst nach dem Abitur mit einem Freund in einem selbstausgebauten Reisemobil von meiner Heimatstadt Böblingen auf dem Landweg nach Indien gereist. Da lernt man, es zu schätzen, wenn man zeitweise eine geschützte Rückzugszone zum Wiederaufladen hat.“ Dieses „Stück Heimat in der Ferne“ so perfekt wie möglich zu gestalten, sei jetzt das Ziel.

Unterschiede bei langen Reisen

Der 43-Jährige betont, dass es einen Unterschied mache, ob man im Urlaub drei Wochen im Wohnmobil unterwegs ist. Oder ob man zwischen sechs und 18 Monate in fernen Ländern unterwegs ist, möglichst autark sein will und im Fahrzeug lebt. „Das sind komplett andere Voraussetzungen.“

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Dayal sagt, dass ihn selbst auf zahlreichen Fernreisen die Auseinandersetzung mit fremden Menschen und Kulturen fasziniert habe. Durch Kontakte in die Reiseszene und die in unterschiedlichen Jobs erworbenen Fähigkeiten als „Mach-es-selbst“-Handwerker und -Designer sei Schritt für Schritt die Idee gewachsen, ein eigenes Start-up-Unternehmen zu gründen.

Möbel bauen Schreiner passgenau ein

Wie der Grassauer erklärt, musste er selbst längere Zeit herumexperimentieren, bis er sämtliche Kniffe der Montage und Installation sowie die passende Einbettung des Kunden in den werkstattübergreifenden Arbeitsprozess optimiert hatte.

Blick in das Innere von der Seitenfront aus.

Dass er eine Ader für Technik hat, entdeckte er bereits beim technischen Abitur. Dabei standen Elektro- und Metalltechnik auf dem Lehrplan. Viele der gefragten Fähigkeiten habe er sich als Autodidakt bei der Hausrenovierung, beim Fahrzeugausbau oder als Mitbegründer eines Unternehmens für Lichttechnik beigebracht.

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Acht Fahrzeuge pro Jahr produziert

Rund 600 bis 700 Arbeitsstunden braucht es, bis die Edel-Vans und -Lkws fertig sind: von ersten intensiven Planungsgesprächen und Designskizzen mit dem Kunden über die Laserausmessung des Innenraums und das CNC-Fräsen der Einbauteile bis zum Finish vor der Auslieferung. Neben dem Fahrzeugpreis sind deshalb noch mal 80 000 bis 120 000 Euro zu investieren.

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Das Mobiliar wird passgenau gefertigt.

Etwa acht Fahrzeuge verlassen die Bergener Fahrzeugmanufaktur im Jahr. Bei der Realisierung der Fahrzeuge kann Dayal auf ein „exzellentes Netzwerk weiterer Spezialisten und Spezialwerkstätten“ zurückgreifen. Das dient unter anderem auch dazu, Kunden, die in abgelegenen Regionen der Welt eine Panne haben, effektiv weiterhelfen zu können.

Technik und Passgenauigkeit

Zusammen mit seinem Team aus drei Schreinern und einer Bürokraft betreibt der gebürtige Baden-Württemberger mit indischen Wurzeln seit zwei Jahren seine Reisemobil-Manufaktur in Bergen. Aktuell sucht er noch weitere Mitarbeiter. In seine Arbeit lässt er seine Erfahrungen mit Menschen, die er auf seinen vielen Reisen getroffen hat, miteinfließen. Unterwegs habe er sich immer mit der Kultur, Politik und Religion des jeweiligen Landes auseinandergesetzt. „Das bereichert einen wirklich.“

Wohnmobil-Boom hält weiter an:

Die durch Corona eingeschränkten Reisemöglichkeiten haben der Wohnmobil-Branche einen kräftigen Boom beschert. Individuell Reisen liegt im Trend. Im vergangenen Jahr hat der Caravaning Industrie Verband (CIVD) nach einem Bericht des ADAC 78055 Neuzulassungen verzeichnet. Das entspricht einem Plus von 44,8 Prozent. Damit wurden erstmals über 100000 Freizeitfahrzeuge, also Reisemobile und Caravans, zugelassen. Bei den Wohnwagen fiel der Zuwachs mit plus 8,2 Prozent geringer aus.

Auch für dieses Jahr erwartet der Verband eine weiterhin hohe Nachfrage. Individualreisen mit Wohnmobil und Caravan sei in Corona-Zeiten „eine besonders sichere Urlaubsform“, sagt CIVD-Präsident Hermann Pfaff. Speziell bei Millenials, also Menschen zwischen Mitte 20 und 30, sei auch das Thema Camping in Kastenwagen und Vans gefragt.

Von „aktuellen Lieferengpässen bei Wohnmobilen“ berichtet Barbara Bauregger, Leiterin Verkauf und Vermietung des Unternehmens „Caravanprofis“ in Traunstein. Wie sie erklärt, habe auch sie „übers Jahr gesehen eine gestiegene Nachfrage nach Wohnmobilen“ verzeichnet.

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