Vom Cockpit in die Amtsstube - So ging es dem Ruhpoldinger Bürgermeister in den ersten 100 Tagen

In der Amtsstube statt im Jet arbeitet Justus Pfeifer seit drei Monaten.
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In der Amtsstube statt im Jet arbeitet Justus Pfeifer seit drei Monaten.

Ruhpolding – Auch für Justus Pfeifer (CSU/VRB) ist die viel zitierte „politische Schonfrist“ abgelaufen. Der 30-jährige Offizier der Luftwaffehatte die Wahl im März klar gewonnen. Die Chiemgau-Zeitung sprach mit ihm über seine ersten 100 Tage im Amt.

Der Einstieg war angesichts Corona sicher nicht leicht. Wie haben Sie die Aufgabe mit Ihren Mitarbeitern gemeistert?

Justus Pfeifer: Uns war wichtig, die Verwaltung für die aktuelle Situation zu sensibilisieren und Maßnahmen zu ergreifen, die uns für alle möglichen Szenarien Handlungsoption offenlassen. Ein großes Lob möchte ich unserer Kämmerin Doris Wiser, Bauamtsleiter Hans Hechenbichler, sowie dem Leiter unserer neu gegründeten Technischen Bauabteilung Sepp Eder aussprechen. Zusammen konnten wir einen Weg erarbeiten, ohne einen Investitionsstau bei unserer Infrastruktur zu erleiden.

Einen Nachtragshaushalt werden wir aufgrund der Einbußen in allen Bereichen dennoch aufstellen müssen. Neben der Stundung der Gewerbesteuer, sowie des Kur- und Fremdenverkehrsbeitrags konnten wir auch unseren Gastwirten zusätzliche Flächen für die Außenbewirtung zur Verfügung stellen.

Was hat Sie zeitlich bisher mehr gebunden: die bereits laufenden Projekte oder die Vorhaben, die Sie sich vorgenommen haben?

Pfeifer: Die offenen Baustellen im Bezug der Kinderbetreuung beschäftigen uns in der Verwaltung beinahe täglich. Anfang Mai hatten über 20 Kinder keinen Kindergartenplatz und die Idee eines Waldkindergartens wurde mittlerweile aufgrund der kurzen Zeit bis September verworfen. Glücklicherweise haben wir aber bereits kurz nach der Amtsübergabe im Mai verschiedene Optionen erarbeitet und versuchen, diese nun umzusetzen.

Wir müssen uns schnellstmöglich Gedanken über die Struktur der Ruhpolding Tourismus GmbH sowie der Chiemgau Arena machen. In Bezug auf Kurhaus uns Schwimmbad stehen weitreichende Sanierungsaufgaben vor uns.

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Wann ist mit einem intelligenten Parkplatzleitsystem und der kostenfreien Dorfbuslinie zu rechnen?

Pfeifer: Wer in den letzten Wochen die Verkehrssituation an den Wander- und Ausflugsparkplätzen beobachtet hat, konnte erkennen, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Unsere Busse der Dorflinie konnten teilweise die Straße in die Urschlau nicht mehr befahren, geschweige denn wenden. Sogar ein Rettungseinsatz wurde behindert. Hier war für mich sofort klar, strikt und reglementierend eingreifen zu müssen. Das tun wir jetzt mit entsprechenden Gebühren mit Unterstützung aller Parteien. Momentan erarbeiten wir ein Konzept, das die Parksituation auf den Wanderparkplätzen verbessern und den Einzelhandel im Ortskern unterstützen soll.

Früher waren Sie mit Überschallgeschwindigkeit unterwegs. Ist es da nicht manchmal frustrierend, wie lange es dauert, Projekte umzusetzen?

Pfeifer: Ganz und gar nicht. Beispielsweise konnten wir seit Amtsübergabe die Nahwärmeversorgung in Teilen der Branderstraße realisieren und die Anschlussverträge mit den Grundstückseigentümern unterzeichnen. Wir sind froh, dass wir in kürzester Zeit die Verrohrung in die bestehende Baustelle der Branderstraße einbinden können und nicht im nächsten Jahr wieder alles aufreißen müssen.

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Bleibt Ihnen noch genügend Freizeit, um sich zu erholen?

Pfeifer: Die Zeit zum Ausgleich muss man sich bewusst nehmen, um unter der Woche mit vollem Tatendrang aktiv zu sein. Ich bin hier auch sehr strikt und achte zum Wohle meiner Frau und meiner Familie auf diesen Ausgleich.

Wenn ich jemandem auf meiner Joggingrunde begegne, haben die meisten auch Verständnis. Die privaten oder gemeindlichen Belange bespricht man besser im Rahmen eines Termins im Rathaus, als am Sonntagabend zwischen Knogei-Steinbruch und Taubensee. (lacht)

Interview: Ludwig Schick

Klarer Sieger im März:

Rund 5.300 Wahlberechtigte durften in Ruhpolding an der Kommunalwahl teilnehmen. Mit 66,1 Prozent setzte sich Justus Pfeifer (CSU/VRB) gleich im ersten Wahlgang gegen Amtsinhaber Claus Pichler von der SPD (27,9 Prozent) und Josef Hohlweger von den Grünen (6 Prozent) durch.

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