Circus Boldini: Große Unterstützung nach Horror-Unfall in Prien

Akrobatische Scheckübergabe: Peter Frank (links) und seine Schwester Nina (rechts hinten) nehmen auf dem Klettergerüst vor der Wildenwarter Schule den Scheck von (von links) Lehrerin Sonja Hinterleitner, Maria Riepertinger und Dr. Elena Wallner entgegen, die die Sammelaktion angestoßen hatten. Gerhard Sälzer vertritt den Lions Club Prien, der auch gespendet hat. Berger
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Akrobatische Scheckübergabe: Peter Frank (links) und seine Schwester Nina (rechts hinten) nehmen auf dem Klettergerüst vor der Wildenwarter Schule den Scheck von (von links) Lehrerin Sonja Hinterleitner, Maria Riepertinger und Dr. Elena Wallner entgegen, die die Sammelaktion angestoßen hatten. Gerhard Sälzer vertritt den Lions Club Prien, der auch gespendet hat. Berger
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Peter Franz kämpft immer noch mit den Folgen. Am 1. Juni war er mit einem Traktor des Circus Boldini über einen Abhang in die Prien gestürzt. Der Horror-Unfall hat den kleinen Familienzirkus auch finanziell hart getroffen. Aber er bekommt Hilfe.

Prien – Der Unfall verfolgt Peter Frank bis heute. Drei Monate ist es her, dass der 23-Jährige mit einem Traktor kopfüber einen steilen Abhang hinunterstürzte und in der Prien landete. Der Juniorchef des Circus Boldini rätselt bis heute, wie das passieren konnte. Wahrscheinlich war es ein technischer Defekt.

Peter Frank hatte einen Schutzengel. Er konnte mit kleineren Blessuren selbst aus dem Wrack klettern. Auch sein Vater, der am Steuer eines anderen Zirkus-Fahrzeugs saß und den Unfall im Rückspiegel mit ansehen musste, konnte das kaum glauben. Die Bergung des Traktors war äußerst schwierig. Sie dauerte mehrere Stunden und kostete, wie inzwischen feststeht, 12 700 Euro. Diese Summe und der Ausfall eines Zugfahrzeugs brachte den kleinen Familienzirkus, zu dem neun Personen gehören, in eine arge finanzielle Schieflage.

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Am Tag vor dem dramatischen Geschehen hatte das Boldini-Team noch begeisterten Applaus bekommen. Nach einer Projektwoche mit den Profis schlüpften die 80 Wildenwarter Grundschulkinder im Zelt auf der Wiese neben der Schule in die Rollen von Clowns, Artisten und Dompteuren. Und von Wildenwart ging dann auch sofort eine Welle der Hilfsbereitschaft aus.

Der Traktor mit Peter Frank am Steuer war am 1. Juni einen Abhang nahe beim Kreisel an der Priener Ortseinfahrt in die Prien gestürzt. Die Bergung gestaltete sich schwierig, dauerte Stunden und kostete den Circus Boldini 12 700 Euro. Feuerwehr

Dr. Elena Wallner und einige Helferinnen organisierten eine Spendensammlung. Und bis heute kamen fast 10 000 Euro zusammen. Geld kam nicht nur von Eltern von Wildenwarter Schulkindern. Die Berichterstattung, die sozialen Medien und ein Aufruf auf der Homepage des Circus sorgten dafür, dass Geld auch aus Gegenden überwiesen wurde, wo die Boldini-Truppe seit dem Unfall ihre Zelte aufgeschlagen hat.

Von Wildenwart ging es damals nach Taching, danach war der kleine Zirkus unter anderem in Wasserburg und Ampfing zu Gast. Derzeit gastiert er in Bad Aibling, am nächsten Wochenende in Rohrdorf. Nach Marquartstein verschlug es die Bodini-Truppe kurzfristig wegern des Wasserschadens in der Grassauer Schule. Denn den Kindern aus der Marktgemeinde war eine einwöchige Projektwoche versprochen, wie in Wildenwart. Acht- bis zehnmal im Jahr führt der Zirkus solche Projektwochen an Schulen durch, erzählt Nina Frank, die älteste von fünf Geschwistern, die zur Zirkus-Großfamilie gehören.

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Bruder Peter schleppt drei Monate nach dem Unfall noch eine Schleimbeutelentzündung in der rechten Schulter mit sich herum. Ein Orthopäde hat ihm eine Zeit von zwei Monaten vorausgesagt bis zur Heilung – wenn er die Schulter so lange ruhig stellt.

Aber das können sich Peter Frank und seine Familie nicht leisten. Sie leben von verkauften Eintrittskarten. Also muss der lädierte 23-Jährige mit zusammengebissenen Zähnen beim Zelt-Auf- und Abbau immer mit ran.

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In der Manege kann er aber nur ein Teilprogramm absolvieren: Jonglieren geht, aber an schwere Hebefiguren an den Strapaten (Bänder, die von der Decke hängen und an denen die Akrobaten Kunststücke machen) ist zurzeit nicht zu denken. Eigentlich eine Glanznummer von Peter Frank. In der Winterpause will er die Schulter in Ruhe auskurieren.

Die verwertbaren Reste des Traktor-Wracks hat die Familie Frank inzwischen über Ebay verkauft. Ein neuer Traktor als Ersatz ist in Aussicht. Aber noch steht die gebrauchte Zugmaschine nahe der Schweizer Grenze. Ob es mit dem Kauf klappt, wird sich zeigen. Seit dem Unfall konnte der Circus Boldini auch wegen des fehlenden Fahrzeugs auf breite Unterstützung bauen. Mal war es der örtliche Bauhof, mal ein Landwirt, der unbürokratisch ein Fahrzeug zur Verfügung stellte.

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