Pfarrer-Ehepaar

Christine und Karl-Friedrich Wackerbarth über Prien: „Wir wussten sofort: Das ist unsere Stelle“

Spannender Rückblick auf gemeinsame Arbeit: Christine und Karl-Friedrich Wackerbarth wirken seit zwei Jahrzehnten in Prien als evangelische Seelsorger.
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Spannender Rückblick auf gemeinsame Arbeit: Christine und Karl-Friedrich Wackerbarth wirken seit zwei Jahrzehnten in Prien als evangelische Seelsorger.

Das Pfarrer-Ehepaar Christine und Karl-Friedrich Wackerbarth arbeitet seit 20 Jahren in Prien. Im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung blicken die evangelischen Seelsorger auf die zwei Jahrzehnte zurück.

Prien – Seit 20 Jahren arbeiten Christine und Karl-Friedrich Wackerbarth als Pfarrer in der Marktgemeinde Prien. Das seelsorgerische Wirken des Pfarrer-Ehepaares hatte der Vorstand der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde kürzlich in einer Feierstunde nach einem Gottesdienst gewürdigt. Jetzt blickten die beiden im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung auf die zwei Jahrzehnte zurück.

Was war ausschlaggebend für Ihre Entscheidung, sich für Prien zu bewerben?

Christine Wackerbarth: Ein Urlaub in Aschau Pfingsten 1999, in denen es unserer Familie super-gut ging. In die Kirche und das Pfarrhaus haben wir uns gleich verliebt. Als wir im Frühjahr 2000 erfuhren, dass unser Vorgänger, Martin Hoffmann Leiter des Priesterseminars wird, haben wir beide gewusst, was Sache ist.

Das war vor 20 Jahren im November 2000: Das Pfarrer-Ehepaar Wackerbarth, gerade in Prien angekommen. Berger

Karl-Friedrich Wackerbarth:Zudem hatten wir nach zehn Jahren in Oberfranken das Gefühl, dass wir wechseln müssen; aber nicht nur drei Dörfer weiter, sondern eine neue Herausforderung suchen. Ich hatte allerdings sehr großen Respekt vor dem Wechsel, weil in Prien mit einem sehr viel intellektuelleren Gemeindeleben zu rechnen war.

Ging es Ihnen auch so, Frau Wackerbarth?

C.Wackerbarth: Ich wusste sofort, das ist unsere Stelle, das ist genau das, was wir wollten. Ich hatte auch das Gefühl, dass es von der Pfarrgemeinde genauso gesehen wurde. Eigentlich hatten wir Null Chancen, diese Stelle zu bekommen, denn wir wurden im Landeskirchenamt abgewiesen mit der Begründung, „weil Sie ein Paar sind“. Die zweite Priener Stelle teilten sich bereits Melanie und Matthias Striebeck, beide Pfarrer zur Anstellung. Letztlich hat es doch funktioniert, weil auch der Kirchenvorstand uns wollte. Wir haben uns dann – wie 20 Jahre zuvor – auch hier in Prien zunächst eine Pfarrerstelle geteilt.

Sie stammen beide aus Familien, aus denen über mehrere Generationen evangelische Pfarrer hervorgegangen sind. Gibt so etwas Sicherheit für die seelsorgerische Arbeit?

K.-F.Wackerbarth: Sicherlich war mir klar, dass ich ein unglaubliches Pfund habe, in einer Tradition großgeworden zu sein, die mir sehr vertraut ist. Dennoch ist es dann aufregend, solch ein Amt zu übernehmen. Nach Studium und Ausbildung ist die Unsicherheit groß, wie man bei den Menschen ankommt und die Gemeindearbeit funktioniert. Es ist ein Riesengeschenk zu kapieren, nicht Chef zu sein, nicht mehr zu wissen oder zu können als andere, sondern die Möglichkeit und Aufgabe haben, immer wieder Prozesse anzuregen oder mit den Gemeindemitgliedern auf den Weg zu bringen.

Hat Ihr familiärer Hintergrund auch dafür gesorgt, mehr gegenseitiges Verständnis füreinander aufzubringen? Im persönlichen Umgang wie auch im Beruf?

C.Wackerbarth: Ich denke, dass wir sehr viel Verständnis füreinander haben. Zum Beispiel in Situationen, wo einer von uns mehr arbeiten muss, als es familiär verträglich ist. Weil wir wissen, dass es oftmals schwer ist, Nein zu sagen, oder etwas umgesetzt werden muss, was zeitaufwändig ist.

K.-F.Wackerbarth: Da kommt noch mehr hinzu. Christine ist die deutlich geistlichere Persönlichkeit von uns beiden, sie hat sich schon immer mit entsprechenden Themen intensiver auseinandergesetzt. Da hab‘ ich unglaublich viel von ihr gelernt und als wahnsinnig bereichernd erlebt. Ich hätte vieles – weil ich wohl ein Kopf-Mensch bin – in der Vergangenheit abgelehnt oder kritisch gesehen. Christine hat mir viele Türen geöffnet. Zudem hat sie einige Bereiche der Gemeindearbeit abgedeckt, wo ich mich schwergetan hätte wie in den Teams für die gesamte Kinderarbeit.

C. Wackerbarth: Wir haben das Stellenteilen 20 Jahre bis 2008 lang gut hingekriegt und die Arbeit auch gut aufgeteilt. Viele unserer Freunde haben das solange nicht ausgehalten. Ich hätte nichts von den administrativen Arbeiten übernehmen wollen oder immer vorne dran stehen so wie Kalle – wunderbar, dass er’s gemacht hat! Auch ich habe dieses Teilen als unglaublich bereichernd empfunden. Ich hatte zunächst sehr viel Ausbildungsarbeit für junge Kollegen gemacht, auch im Dekanat Leitungsaufgaben übernommen, sodass ich eigene Bereich bearbeitet habe. Wir haben uns immer die Freiräume für die Interessen gegeben. Das habe ich sehr genossen. Die vielen Weiterbildungen habe ich auch sehr gut in meiner Klinikseelsorge verwenden können.

Stichwort Klinikseelsorge – wäre das bei Ihrer bekannten Empathie für Menschen nicht auch ein Arbeitsbereich für Sie gewesen, Herr Wackerbarth?

K.-F. Wackerbarth: Nein, absolut nicht. Ich bin heilfroh, dass Christine Bereiche übernommen hatte, wo ich mich nicht sehr kompetent fühlte wie Kinderarbeit, Familiengottesdienste, das gesamte Spirituelle, da bin ich viel zu unsicher.

Wer hat die Hosen an, wenn sich die öffentliche Tür des Pfarrhauses schließt?

C.Wackerbarth: Beide – wir haben uns die Hausarbeit wie auch die Kindererziehung geteilt.

K.-F. Wackerbarth: Meine Männlichkeit ist nicht so ausgeprägt, dass ich irgendwelche Führungssprüche davon ableiten könnte. Es gab ja immer noch zum Glück die Arbeit, wenn das Häusliche zu viel wurde… (zustimmendes Lachen von Christine Wackerbarth).

Hat sich die Familienplanung auch nach dieser Lebensphilosophie gerichtet?

K.-F.Wackerbarth: Ich wollte fünf Kinder, Christine aber nur dreimal schwanger werden. So kam das dritte Kind als Zwilling auf die Welt. Besser kann’s doch nicht sein.

Wie lautet Ihr Fazit nach 20 Jahren seelsorgerischer Arbeit in Prien?

(Zunächst Schweigen) K.-F. Wackerbarth: Ich kann nicht von schönsten Erlebnissen berichten. Wir bekommen so viele positive Rückmeldungen aus der Gemeinde, das hätte ich nicht für möglich gehalten. Das ist ein Geschenk hier in Prien.

C. Wackerbarth: Mit den Themen, die ich eingebracht habe, wurde ich gleich in der Gemeinschaft aufgenommen. Alles, was ich angeregt habe, fiel auf fruchtbaren Boden. Das ist einfach wunderbar.

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