Diese Expertin zeigt, wie viele Bäume Ihren persönlichen CO2-Ausstoß ausgleichen können

Susanne Mühlbacher-Kreuzer hat auf der Website der Chiemseeagenda einen Rechner installiert, mit dem jeder ganz einfach seinen CO2-Fußabdruck ausrechnen kann.
+
Susanne Mühlbacher-Kreuzer hat auf der Website der Chiemseeagenda einen Rechner installiert, mit dem jeder ganz einfach seinen CO2-Fußabdruck ausrechnen kann.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
    schließen

Im Jahr 2000 hat sich der Abwasserzweckverband Chiemsee umbenannt. Seitdem heißt er Abwasser- und Umweltverband. Der neue Fachbereich steht für den Ausbau des Chiemsee-Radwegs, für Vogelbeobachtungsstationen und den Chiemsee-Bürgerbus. Jetzt gibt es eine neue Mitarbeiterin mit neuen Ideen.

Chiemsee – Übers Wochenende mal schnell an den Gardasee und Sonne tanken? Um diesen Tripp CO2-neutral zu gestalten, bräuchte es neun ausgewachsene Bäume. „Hoppla, das ist ja gar nicht so ohne““, könnte sich da mancher Zeitgenosse denken. Auf diesen Effekt setzt Susanne Mühlbacher-Kreuzer. Sie ist die neue Umweltbeauftragte des Abwasser- und Umweltverbands (AUV) Chiemsee. Auf der Website der Chiemseeagenda hat sie einen Rechner installiert, mit dem jeder ganz simpel seinen CO2-Fußabdruck ermitteln kann.

Die Beispielrechnung geht von einer 800-Kilometer-Fahrt (hin und zurück) mit einem Benziner aus, der sechs Liter auf 100 Kilometer verbraucht. Dieser Wochenendtrip würde 111,84 Kilo Kohlendioxid verursachen. Für den Fußabdruck rechnet Mühlbacher-Kreuzer mit Buchen, die im Schnitt 12,5 Tonnen CO2 im Jahr binden. Wer über seine Abgase erschrocken ist, der kann auf der Website mit einem Link auch gleich „Bäume pflanzen“.

Klima-Quiz klärt spielerisch auf

Die Daten sind absolut authentisch, die Umweltbeauftragte hat für den CO2-Rechner auf Modelle des Umweltbundesamtes zurückgegriffen, betont sie im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Wen sein Fußabdruck ins Grübeln bringt, der kann bei einem Quiz auch gleich testen, ob er in Sachen Klima sattelfest ist. Erste Frage; Welchen Anteil menschengemachtes CO2 schlucken unsere Ozeane? Wer die richtige Antwort anklickt, kommt zur nächsten Frage. Wer falsch liegt, der lernt etwas dazu.

Lesen Sie auch Am Chiemsee: Großputz im Naturschutzgebiet Hirschauer Bucht

Der CO2-Rechner mit dem Quiz ist eines der Projekte, die Mühlbacher-Kreuzer in den ersten Monaten beim AUV entwickelt hat. Mit solchen öffentlichkeitswirksamen Aktionen möchte sie nicht nur die Menschen im Chiemgau für Umweltthemen sensibilisieren, sondern auch diesen wichtigen Aufgabenbereich des Verbands mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken, denn: „Die Leute haben das ,U‘ von AUV gar nicht auf dem Schirm“, hat die neue Fachkraft feststellen müssen.

Vor 20 Jahren das U in den Namen integriert

Dabei hat der einstige Abwasserzweckverband (AZV) Chiemsee, der seinerzeit zum Bau des Ringkanals gegründet worden war, schon vor 20 Jahren das U in seinem Programm und seinen Namen aufgenommen. Das Jubiläum sollte eigentlich heuer bei der Chiemsee-Konferenz, die im zweijährigen Turnus als eine Art Bestandsaufnahme einberufen wird, gefeiert werden. Corona hat das verhindert, die Konferenz ist auf 2021 verschoben.

Mit diesem Plakat veranschaulichen Experten für den AUV bei Vorträgen in Schulen rund um den Chiemsee das Plastikproblem.

Ein dickes Brett, das Mühlberger-Kreuzer bohren will, ist die Reduzierung des Plastikbergs, zumindest rund um den Chiemsee. Mit Martina Mitterer vom Naturpavillon Übersee und der Meeresbiologin Julia Hager aus Bad Feilnbach hat sie zwei sachkundige Referentinnen, die auf Anfrage zu Vorträgen in die Schulen gehen., Im Gepäck haben sie unter anderem ein anschauliches Plakat zum Plastikproblem und den neu entwickelten Flyer „Plastikfrei! Ich bin dabei!“ mit Tipps, wie jeder mit einfachen Mitteln Plastik vermeiden kann.

Lesen Sie auch Das „Bayerische Mikroplastik Meer“ - so schlimm steht es um den Chiemsee

Kampf der nächtlichen Beleuchtung

Wer etwas für die heimischen Insekten tun will, der kann dank des AUV jetzt Saatgutspenden geschenkt bekommen, die von den Bauhofmitarbeitern der zehn Mitgliedsgemeinden verteilt werden. Eine Tüte reicht für 50 Quadratmeter. Je nach Gestaltungs-Geschmack gibt es zwei Mischungen. „Wir schauen, ob es angenommen wird“, ist Mühlbacher-Kreuzer gespannt, wie die Menschen am Chiemsee auf das Angebit reagieren.

Ein viertes Projekt hat sie sich zu Beginn ihrer Amtszeit beim AUV auf die Fahnen geschrieben. Mit Manuel Philipp aus Rimsting, dem Gründer der Initiative „Paten der Nacht“, die sich gegen Lichtverschmutzung einsetzt, hat sie übermäßiger und unnötiger nächtlicher Beleuchtung den Kampf angesagt.

Ihre Vision ist eine „Musterstraße“ in einer der zehn Anliegergemeinden des Bayerischen Meeres, in der jeder mit eigenen Augen sehen kann, wie umweltschonende Beleuchtung aussehen und das Massensterben von Insekten nachts an Laternen verhindert werden kann.

Bald will Mühlbacher-Kreuzer bei den Bürgermeistern der zehn AUV-Gemeinden auf Werbetour für ihre Musterstraße gehen.

Kommentare