Chiemsees Alt-Bürgermeister Georg Huber zieht Bilanz nach 24 intensiven Jahren

24 Jahrewar er ehrenamtlicher Bürgermeister für die Gemeinde Chiemsee: Georg Huber. re
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24 Jahrewar er ehrenamtlicher Bürgermeister für die Gemeinde Chiemsee: Georg Huber. re

Chiemsee – Insel-Bürgermeister Georg Huber spricht über sein Amt, das er nach 24 Jahren an seinen Nachfolger Armin Krämmer abtritt. So manches Projekt, wie der Breitbandausbau, gestaltete sich langwierig, doch es gab auch schöne und lustige Momente.Gern hätte Huber noch gesehen, dass auch die Herreninsel von schnellem Internet profitiert.

24 bewegte Jahre hindurch lenkte Georg Huber ehrenamtlich die Geschicke der kleinsten politischen Gemeinde Bayerns, Chiemsee. Zur jüngsten Wahl war er nicht mehr angetreten. Mit dem Ende seiner Amtszeit am 30. April übernimmt Armin Krämmer das Ruder. Im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung resümiert der 58-jährige Huber, der zur Freien Wählergemeinschaft Chiemsee gehört, seine Amtszeit und spricht über seine Zukunftspläne.

Hand aufs Herz, als Sie vor 24 Jahren zum Bürgermeister gewählt wurden, hätten Sie sich da vorstellen können, dass Sie dieses Amt solange ausüben würden?

Georg Huber: Nein! Auf keinen Fall. Diese Frage hat sich für mich damals auch nicht gestellt.

Wenn Sie sich zurückerinnern: Wie war die erste Zeit im Amt?

Huber: Wie für jeden, der sich in einer neuen Position zurechtfinden und beweisen muss: sehr zeitintensiv und sehr lehrreich, auf jeden Fall höchst spannend.

Ist man denn als Bürgermeister öfter frustriert oder öfter zufrieden?

Huber:Auf die ersten 18 Jahre trifft uneingeschränkt zweiteres zu.

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Wie hat sich die Insel in den vergangenen 24 Jahren verändert?

Huber: In wirtschaftlicher Hinsicht für die meisten Insulanerinnen und Insulaner in jedem Fall positiv. Was aber beispielsweise Fragen zur Ökologie oder besonders des menschlichen Miteinanders betrifft, gibt es durchaus unterschiedliche Sichtweisen.

Die Bürgermeisterbürde – ein Amt mit doppeltem Boden! Was überwiegt: Ein Knochenjob mit Pflichten quasi rund um die Uhr? Oder die Lust am Gestalten?

Huber: Einen Knochenjob habe ich nie erkennen können. Da gibt es sehr viele, die wesentlich härter arbeiten müssen. Lust am Gestalten lässt sich andererseits aber auch nur mit einer stabilen Mehrheit im Ratsgremium ausleben.

Was war rückblickend die größte Herausforderung, die Sie in Ihrer Amtszeit stemmen mussten?

Huber: Da gibt es zwei: Die fünf Jahre währenden Bemühungen um eine Neuanschaffung der Lastenfähre und die Realisierung der Breitbanderschließung, bei der 15 Jahre ins Land gingen.

Viele Projekte wurden in dieser Zeit verwirklicht - Auf welche Leistungen Ihrer Amtszeit sind Sie stolz?

Huber: Stolz nach außen wäre nicht angemessen.

Gab es auch Bereiche, die aus Ihrer Sicht hätten besser laufen können?

Huber: Gerne hätte ich den Uferweg auf der Fraueninsel so weit ertüchtigt, dass mindestens unser Feuerwehrfahrzeug „TSF“ oder ähnlich große Rettungsfahrzeuge ohne Wendemanöver um die Insel hätten fahren können. Auch hätte ich den Breitbandausbau auf Herrenchiemsee sehr gerne gesehen.

Waren da Tage, an denen Sie hinschmeißen wollten?

Huber: Die hat es schon während meiner Bundeswehrzeit zur Genüge gegeben. Dagegen waren Auseinandersetzungen mit Naturschutz-, Landschaftsschutz-, Denkmalschutz- und anderen Behörden nur eine Randerscheinung.

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Als Bürgermeister wird man nie fertig! Gibt es etwas, das Sie gerne noch zu einem Abschluss gebracht hätten?

Huber: Unser neuer „Datenhighway“ ist zwar technisch fertig, aber in Betrieb gehen wird er wahrscheinlich erst in einigen Wochen.

Ziehen Sie für uns ein persönliches Fazit Ihrer Amtszeit? Was war das Schöne am Bürgermeisteramt und auf was hätten Sie gern verzichtet?

Huber: Das Schönste waren die Begegnungen mit besonderen Menschen, die alle ihren Platz in der bayerischen, deutschen, europäischen und auch der Weltgeschichte gefunden haben – und noch finden werden. In dieser Vielzahl und Intensität erleben das wahrscheinlich nur wenige. Gerne verzichtet hätte ich auf die, welche unsere einzigartig schöne Heimat regelmäßig skrupellos für ihre Eigeninteressen missbrauchen, so zum Beispiel gewisse Vertreter von Bürgerinitiativen, Interessengruppen, selbst ernannte Aktionskünstler und andere vermeintliche Inselschützer.

Eine kleine Selbstbetrachtung: Welche Fehler haben Sie gemacht? Hätte man hier rückblickend etwas anders machen können?

Huber: Meine Fehler aufzählen würde den Rahmen sprengen. Eine ständige Suche nach Konsens muss aber nicht zwangsläufig zielführend sein. Abhängig vom Einzelfall wäre ein stringentes Festhalten an der eigenen Überzeugung oftmals sicher besser gewesen, wie zum Beispiel das Projekt „Weststeg“.

Welche Dinge geben Sie Ihrem Nachfolger Armin Krämmer mit auf den Weg?

Huber: Keine! Er muss und wird den richtigen Weg selbst finden. Sollte er mich brauchen, werde ich da sein. Kommentieren oder viel schlimmer „dreinreden“ wird es mit mir nicht geben.

24 Jahre sind eine lange Zeit. Wie hat das Amt Sie verändert?

Huber: In einem Umfeld, wie dem der Gemeinde Chiemsee, in dem jeder Jeden kennt und somit beinahe täglich begegnet, gibt es so gut wie keine Rückzugsmöglichkeit. Jemand, der sich schlecht oder gar ungerecht behandelt fühlt – und sei es nur durch Unterstützung des Nachbarn – lässt einem das spüren.

Wenn wir das Rad zurückdrehen könnten. Welchen Tag in Ihrer Amtszeit würden Sie gern noch einmal erleben?

Da gibt es viele! Das würde hier wieder den Rahmen sprengen.

Huber:

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Welche Begegnung hat Sie besonders berührt oder was war der schönste Moment Ihrer Amtszeit?

Huber: „Schönste Momente“ hat es viele gegeben, aber natürlich völlig unbedeutend. Ich erinnere mich an eine Pferdekutschfahrt auf Herrenchiemsee mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dem damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Ich fragte beide, wer von ihnen beim Spiel „Bayern München gegen Borussia Dortmund“ am Vorabend mit Endstand 2:3 zu welcher Mannschaft gehalten habe. Steinmeier, ein Schalke-04-Fan, war für den „FC Bayern“, und Seehofer, Fan des TSV-1860-München, für „Borussia Dortmund“. Das war auf jeden Fall ein Moment, in dem jeder in der Kutsche allerbeste Laune hatte. Und ich besonders!

Welche Antwort würden Sie gerne hören, wenn die Bürger Ihre Amtszeit bewerten sollen?

Huber: „Ned g´schimpft is g´lobt gnua“!

Haben Sie sich je gefragt, wie Ihr Leben verlaufen wäre, wenn Sie vor 24 Jahren nicht gewählt worden wären?

Huber: Das habe ich. Mehrmals. In jedem Fall anders.

Wie fühlt es sich an, nach 24 Jahren nicht mehr als Insel-Bürgermeister im Dienst zu sein?

Huber: Wunderbar! Auf Grund der Corona-Umstände aber zu ruhig.

Was sind Ihre Pläne für die Zeit nach dem Bürgermeisteramt?

Huber: Was Pläne wert sind, zeigt uns allen im Moment ein Mikrolebewesen namens Covid-19. Erstens kommt es anders und zweitens….!

Interview von Karl Wastl

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