Chiemsee Yachtschule Prien zieht „Corona-Bilanz“: „Mit blauem Auge davon gekommen“

Einen Umsatzeinbruch von rund 650000 Euro muss heuer die DHH-Chiemsee-Yachtschule Prien laut Geschäftsführer Michael Wimmer hinnehmen. Corona-bedingt fiel der Unterricht für Schulklassen komplett aus.
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Einen Umsatzeinbruch von rund 650000 Euro muss heuer die DHH-Chiemsee-Yachtschule Prien laut Geschäftsführer Michael Wimmer hinnehmen. Corona-bedingt fiel der Unterricht für Schulklassen komplett aus.
  • Ulrich Nathen-Berger
    vonUlrich Nathen-Berger
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In „normalen“ Zeiten erlernen in der Chiemsee Yachtschule Prien an der Harrasser Straße in der Saison bis zu 3000 Jugendliche und Erwachsene den Segelsport – heuer lief es allerdings anders. Wie, das berichtet CYS-Geschäftsführer Michael Wimmer im Interview mit der Chiemgau-Zeitung.

Prien – Mit dem bundesweiten Lock-Down im März aufgrund der Corona-Pandemie stand auch der Betrieb in der Chiemsee Yachtschule (CYS) Prien an der Harrasser Straße neben der Romed-Klinik still. Eigentlich sollte Anfang April die Saison in der Segel-Ausbildungsstätte des Deutschen Hochseesportverbands Hansa (DHH, Sitz in Hamburg) beginnen, der Start konnte aber erst nach der Lockerung der Corona-Maßnahmen mit Beginn der Pfingstferien erfolgen. Ein Interview mit CYS-Geschäftsführer Michael Wimmer.

Was waren nach dem Lock-Down die ersten Konsequenzen für die Segelschule?

Michael Wimmer: Bis zum verspäteten Saisonstart an Pfingsten waren alle zwölf Mitarbeiter in Kurzarbeit, auch ich. Der Segelunterricht für Schulklassen ist heuer komplett ausgefallen, denn die Bayerische wie auch die Württembergische Regierung hatten beschlossen, dass es heuer aufgrund der Corona-Pandemie keine Klassenfahrten geben wird. In normalen Zeiten haben wir in der Saison von April bis Montag rund 1500 Schüler in der Segelausbildung.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Wimmer: Die Schulklassen konnten ihre Buchungen kostenfrei stornieren; aber auch den Einzelteilnehmern, die sich in den Monaten April und Mai angemeldet hatten, haben wir die Kurspreise zurückerstattet. Unser Katalog für das Jahr war damit natürlich hinfällig. Wir haben uns ein neues Konzept überlegt, wie wir Corona konform die Schule weiterführen können. Dazu haben wir unser Ausbildungsprogramm so umgebaut, dass wir mehrere neue Kurse parallel anbieten konnten, um möglichst attraktiv auch für Familien zu sein. Das hat uns im Nachhinein sozusagen gerettet,

Wie groß war denn der wirtschaftliche Einbruch?

Wimmer: Wir mussten große Einbußen hinnehmen und können heuer nur die Hälfte des Umsatzes eines normalen Jahres erwirtschaften. Der Wegfall der Schulklassen bringt ein Minus von rund 300 000 Euro. Zudem hatten wir etwa 40 Prozent weniger Einzelteilnehmer, nur noch etwa 650. Das führt dazu, dass wir heuer statt 1,3 Millionen Euro nur noch rund 650 000 Euro Umsatz verbuchen können.

Welche behördlichen Hygiene-Auflagen mussten Sie erfüllen, um den Schulungsbetrieb weiterzuführen?

Wimmer: In Absprache mit dem Staatlichen Gesundheitsamt mussten wir ein Hygienekonzept erstellen, das wir bis zum heutigen Tag beibehalten haben. Auch das Landratsamt Traunstein war involviert, weil die Behörde für die Schifffahrt auf dem Chiemsee zuständig ist. Die Eckpunkte: Die Gesamt-Teilnehmerzahl der Kurse ist auf maximal 80 Personen begrenzt. Es gilt die bayerische Beherbergungsregelung, wonach maximal zwei Personen aus zwei Hausständen in einem Zimmer untergebracht werden dürfen. Ein Corona-Test war vorab nicht erforderlich, es sei denn, ein Schulungsteilnehmer kommt aus einem Risikogebiet, dann gilt das Beherbergungsverbot, oder es müssten zwei Tests im Abstand von fünf Tagen gemacht werden, was natürlich unrealistisch ist. Wir haben die komplette Essensausgabe geändert: Es gibt kein Büfett mehr, jeder Teilnehmer bekommt ein fertiges Tablett mit seinen Speisen überreicht. In den Häusern besteht absolute Maskenpflicht, auch im Freien, wenn sich Leute entsprechend nahekommen. Die Besatzungen auf den Booten wurden reduziert, um den Abstand der Personen von 1,50 Meter einhalten zu können. Viele Ausbildungsblöcke haben wir auf See vom Motorboot aus durchgezogen, auch in den Unterrichtsräumen ist die Anzahl der Personen begrenzt.

Wie fällt die Bilanz unterm Strich aus?

Wimmer: Es war zunächst hart für uns hier in Prien, aber auch für den DHH-Verband eine schwere Zeit. Dennoch lief es dann besser als erwartet, denn wir hatten erst damit gerechnet, eine ordentliche Kreditsumme aufnehmen zu müssen, um diese Zeit zu überbrücken, Dank der zahlreichen Spenden, auch von DHH-Mitgliedern sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen, was die wirtschaftliche Situation betrifft. Spannend wird das kommende Jahr, aber unser Konzept dafür steht bereits: Wir wollen verstärkt Familien und auch Einzelteilnehmer ansprechen.

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