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Projekt Steersman

Chiemsee Yacht Club Prien: Neue Software soll Organisation von Segel-Regatten vereinfachen

Das Team des Chiemsee Yacht Clubs bei der Wettfahrt im Rahmen der Segelbundesliga 2019 in Travemünde: Christoph Glaser, Moritz Fricke, Florian Lautenschlager und Leopold Fricke.
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Das Team des Chiemsee Yacht Clubs bei der Wettfahrt im Rahmen der Segelbundesliga 2019 in Travemünde: Christoph Glaser, Moritz Fricke, Florian Lautenschlager und Leopold Fricke.
  • Axel Effner
    vonAxel Effner
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Ein Haufen Arbeit steckt hinter der Organisation einer Regatta für den Chiemsee Yacht Club Prien. Das soll künftig einfacher werden mittels der Software „Steersman“ – entwickelt von einem Informatiker, seinem Arbeitgeber und Studenten der TH Rosenheim.

Prien – Mit zunehmend wärmeren Temperaturen, steigender Impfquote und fallenden Inzidenzzahlen lockt auch der Chiemsee wieder mehr Sportler und Freizeitkapitäne zu rasanten Segeltörns aufs Wasser. Für den Chiemsee Yacht Club (CYC) in Prien keimt damit auch die Hoffnung, in absehbarer Zeit wieder Segelregatten veranstalten zu können.

Mit Hilfe einer neu entwickelten Software soll jetzt sogar die komplexe Abwicklung und Organisation der Wettbewerbe vereinfacht werden.

Wettkampfleiter brauchen Erfahrung

Informatiker und Projekt-Initiator Dr. Florian Lautenschlager.

Der Initiator und Informatiker Dr. Florian Lautenschlager, der für den CYC in der Segelbundesliga startet, ist damit der Lösung eines seit langem bestehenden Problems nähergekommen. „Die Rolle des Wettfahrtleiters bei Regatten ist eine komplexe Aufgabe und erfordert sehr viel Erfahrung. Man muss wissen, wie lange der Kurs bei welchen Wetterbedingungen und Bootsklassen zu legen ist und dabei auch das Leistungsniveau der Segler berücksichtigen.“

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Daneben muss der Leiter den Ablauf der Wettfahrt kennen und mit Regattateilnehmern und den Tonnenlegern beim Kursabstecken per Funk und Flaggensignal kommunizieren. Nicht zuletzt ist die Ausrichtung von Regatten übers Wochenende oder von Meisterschaften mit drei bis vier Tagen sehr zeitintensiv. „Das führt dazu, dass nur wenige die Rolle des Wettfahrtleiters übernehmen können und wollen, meist sind es ältere Clubmitglieder“, sagt Lautenschlager.

Nachwuchs gewinnen, aber wie?

Im Rahmen einer Anwerbeaktion des CYC von jüngeren Mitgliedern für die Wettfahrtleitung hatte der findige Informatiker und Segler aus Prien eine erhellende Idee: „Ich habe überlegt, wie wir die Einstiegshürden für neue oder noch unerfahrene Wettkampfleiter reduzieren können.“

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Es war klar, dass beim Zeitbedarf oder beim notwendigen Regattawissen keine großen Abstriche zu machen waren. „Aber wir können dabei helfen, indem wir die Erfahrungen anderer Wettfahrtleiter beim Legen eines Kurses in ein passendes Software-System gießen.“ Speziell die Berechnung des passenden Kurses anhand vorgegebener Parameter wäre eine große Hilfe, so die Idee.

Projekt Steuermann

Die Münchner Softwareschmiede QAware GmbH, bei der der Priener Informatiker arbeitet, war von der Idee so angetan, dass sie die Kosten übernahm. Durch persönliche Studienkontakte und enge Verbundenheit gelang es auch, den Fachbereich Informatik der Technischen Hochschule Rosenheim als Partner für das Projekt „Steersman“ (englisch: Steuermann) zu gewinnen.

Professor Dr. Florian Künzner war als Hobbysegler von der Idee sofort begeistert: Für die fünf Studierenden, die teilnehmen, hat dieses praxisnahe Projekt den Vorteil, dass sie sich für einen echten Kunden in eine fachfremde Materie, das Segeln, einarbeiten müssen.“

Präsident des Yacht Clubs begeistert

Pro Jahr werden rund 30 bis 40 Projekte im Bereich Informatik und Wirtschaftsinformatik im Innovationslabor der TH Rosenheim mit Hilfe von Unternehmen und regionalen Start Ups durchgeführt.

Ebenso begeistert von dem „Steersman“-Projekt und der Kooperation mit Experten war Hermann Wimmer, der Präsident des Chiemsee Yacht Clubs: „Als Pilotkunde teilen unsere erfahrenen Wettfahrtleiter ihr Wissen mit den Studierenden. Wir sind überzeugt, in Zukunft so neue Wettfahrtleiter schneller anlernen und die Fehlerquote rasch reduzieren zu können. Das sichert uns auch in Zukunft die Ausrichtung von Wettbewerben.“

So soll „Steersman“ funktionieren

Die Lösung der neuen Software „Steersman“ für die Erleichterung von Segelregatten, die aktuell in der Entwicklung ist, klingt verblüffend einfach: Man wählt eine Bootsklasse und einen Kurs aus, misst die Windgeschwindigkeit, definiert die Zielzeit und gibt die aktuelle GPS-Position an. Das Software-System errechnet dann den passenden Kurs für die aktuelle Position und gibt die GPS-Positionen der Markierungstonnen für die Regattakurs an, den die Segler passieren müssen. Die Tonnenleger wissen dadurch, wo genau im See sie die Markierungen positionieren müssen.

Das Projekt „Steersman“ soll als Kooperation des Chiemsee Yacht Clubs mit der TH Rosenheim und der Münchner Softwareschmiede QAware GmbH bis Juli laufen. Das Ergebnis wird Rahmen einer internen Projektmesse vorgestellt. In künftigen Versionen soll die Auswahl von mehr unterschiedlichen Kursen und Bootsklassen unterstützt werden sowie mehr Wetterparameter und Feedback-Funktionen integriert werden. Dadurch kann sich das System kontinuierlich selbst verbessern.

Auch andere Segelclubs können davon profitieren: „Wir sitzen ja sozusagen alle im gleichen Boot und wollen das Projekt nach dem gelungenen Start open-source stellen und mit einer Lizenz für die kostenfreie Nutzung versehen“, sagt Initiator Dr. Florian Lautenschlager.

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