Im Chiemsee liegt jetzt das „zweitwichtigste“ Seekabel der Welt

Alt-Bürgermeister Georg Huber (von links), sein Nachfolger Armin Krämmer, Staatsminister Albert Füracker, Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner und Joses Schierl, Konzernbevollmächtigter Süd der Telekom Deutschland, drücken gemeinsam den roten Knopf und nehmen das Breitbandnetz auf der Fraueninsel in Betrieb.
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Alt-Bürgermeister Georg Huber (von links), sein Nachfolger Armin Krämmer, Staatsminister Albert Füracker, Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner und Joses Schierl, Konzernbevollmächtigter Süd der Telekom Deutschland, drücken gemeinsam den roten Knopf und nehmen das Breitbandnetz auf der Fraueninsel in Betrieb.

Das freut die Äbtissin von Kloster Frauenwörth genauso wie die Gewerbetreibenden, Wirte und Bewohner der Fraueninsel: An sofort kommen auch sie in den Genuss von schnellem Internet. Finanzminister Albert Füracker drückte den Startknopf.

Von Anton Hötzelsperger

Frauenchiemse – Chiemsee, die kleinste Gemeinde Bayerns, hat für die Bewohner, Gewerbetreibenden und Gäste der Fraueninsel nach jahrelangen Planungen ein schnelles Internet bekommen. Bayerns Finanz- und Heimatminister Albert Füracker startete das Gigabitnetz persönlich. Insbesondere für Kloster Frauenwörth, das vor allem von Seminargästen aus aller Welt lebt, bedeutet die Freischaltung „einen weltlichen Segen“, wie sich Äbtissin Johanna Mayer, OSB, freute. Mit dem Start des Breitbandes gehe „eine sorgenvolle Zeit“ vorbei: „Vor allem für unsere Gäste, die trotz der gesuchten Insel-Ruhe mit der Welt draußen verbunden sein wollen oder dies für ihre Berufe brauchen“.

„Das längste und schwierigste Projekt“

Im Rahmen eines kleinen Festaktes direkt am Chiemsee-Ufer freute sich Inselbürgermeister Armin Krämmer, dass das schnelle Internet noch zur Sommersaison fertig gestellt worden ist. „Damit konnten wir eigentlich gar nicht rechnen, weil die Bauzeit mit drei Jahren veranschlagt gewesen war und diese jetzt doch ein Jahr früher vollendet werden konnte“.

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Immer wieder Rückschläge

Für Alt-Bürgermeister Georg Huber, in dessen Amtsteuit die Planungen und Verhandlungen über öffentliche Fördergelder fielen, war der Breitbandausbau in seiner 24-jährigen Amtszeit als Gemeindeoberhaupt nach eigener Einschätzung das längste und schwierigste Projekt. „In vielen Jahren haben wir uns herangetastet, es gab immer wieder Rückschläge, aber letztlich gab es durch das Förderprogramm doch noch einen Lösungsweg. Hier hat sich bewährt, dass steter Tropfen den Stein höhlt“, so Huber, der bereits beim Vor-Vor-Gänger von Finanzminister Füracker, bei Kurt Faltlhauser den Spitznamen „Der Räuber vom Chiemsee“ erhalten hatte, weil er unnachgiebig immer wieder vorstellig geworden sei.

Keine Mitversorgung für die Herreninsel

Wie Huber weiter erinnerte, waren am Zustandekommen der 1,2 Kilometer langen gigabitfähigen Glasfaser-Seekabel von Gstadt auf dem Grund des Bayerischen Meeres zur Fraueninsel unter anderem auch der vormalige Finanzminister Dr. Markus Söder, die heutige Landtagspräsidentin Ilse Aigner und nicht zuletzt Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner beteiligt. „Schade ist nur, dass die von der Gemeinde Chiemsee gewünschte Mitversorgung der Herreninsel nicht für notwendig erachtet wurde, aber das kann ja noch werden“, konnte sich der Alt-Bürgermeister abschließend nicht verkneifen, der politischen Prominenz noch eine Hausaufgabe mit auf den Weg zu geben.

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„Gut angelegtes Geld„

Füracker sprach dem Breitbandausbau in teils 25 Metern Seetiefe und dem Start „historische Bedeutung für die Insel“ zu. Nach der Verbindung Europa-Amerika gebe es nunmehr „ein zweites wichtiges Seekabel auf der Welt“. Die fast 225 000 investierten Euro seien gut angelegtes Geld, sein Dank ging an die Telekom.

Wirt Florian Ebner vom Gasthof „Zur Linde“ hofft, dass die Netzanbindung nun konstant stabil bleibt: „Besonders im Biergarten haben wir viel automatisiert, die Kellner arbeiten über EC-Geräte, was für die Gäste wichtig ist, weil es schnell geht“, erklärt er. „Probleme hatten wir damit immer, wenn viele Besucher da waren, aber kein Netz.“

Gäste erwarten stabiles Internet

Für Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner fand ebenfalls ein Marathon-Anliegen ein gutes Ende. „Die Sonder-Förderung für Kleinst-Gemeinden wurde lange nicht befürwortet, jetzt aber kann die Fraueninsel mit rund 20 000 Übernachtungen im Jahr allein im Kloster mithalten“, so Stöttner.

Wirt Michael Leiner vom Klosterwirt brachte es auf den Punkt: „Die Gäste von heute wollen stets mit dem Internet verbunden sein, das wird heute vorausgesetzt.“ Zudem erleichtere es den gesamten Arbeitsablauf und erspare enttäuschte Gäste: „Jetzt sind wir nicht mehr abseits, sondern auf der Insel wieder mitten im Geschehen.“

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