Chiemsee: Dass die Schiffe nur noch für Insulaner fahren, ärgert manche Spaziergänger

Ein Hinweisschild zu Beginn des Holzsteges am Hafen Stock in Prien weist darauf hin, dass die Passagierschifffahrt wegen des Corona-Katastrophenfalls bis auf Weiteres eingestellt ist. Lediglich für Insulaner besteht weiterhin eine Notfall-Verbindung zum Festland. Diese legt aber von einem anderen Steg aus ab. Binnen 24 Stunden wäre die Flotte – bei Aufhebung der Beschränkungen – wieder fahrbereit.
  • Silvia Mischi
    vonSilvia Mischi
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Es ist ruhig geworden am Priener Hafen. Die sonst typischen Menschenansammlungen dort: Fehlanzeige. Der Schiffsverkehr liegt aufgrund des Corona-Katastrophenfalls lahm. Es gibt nur einen Notfall-Fahrplan, um die Insulaner bedienen zu können sowie für das Personal, das dort arbeiten muss.

Prien– „Die Kunden kommen und meinen, sie können auf der Insel spazierengehen, weil das ja erlaubt sei“, schildert Michael Feßler, vertretungsberechtigte Gesellschafter. Aber das geht nicht. Das Personal hätte die ein oder andere Corona-Diskussion deswegen am Steg – vor allem wenn es kurz davor ist mit einem Inselbewohner in See zu stechen. Während die einen mit Verständnis darauf reagieren, dass die Schiffe nicht fahren, „müssen andere die Einsicht erst im Dialog vermittelt bekommen“, so Feßler. Mal mehr, mal weniger deutlich.

Die Flotte liegt bis auf ein Schiff nur im Hafen

Der Raddampfer beginnt seinen Dienst laut Michael Feßler immer erst zum Sommerfahrplan.

Zwar würde im Winterfahrplan generell nur eine dezimierte Flotte in See stechen, doch blute Feßler schon das Herz, wenn er die Schiffe am Steg liegen und den Insulaner-Shuttleservice nahezu leer fahren sehe. Um sowohl für seine Angestellten als auch die Insulaner und Arbeitnehmer auf der Insel größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten hat er überdies ein größerer Boot als eigentlich üblich eingesetzt. Warum? „Nicht jedes Schiff hat eine geschlossenen Kasse sowie einen geschlossenen Brückenbereich. Jetzt haben wir dies aber, damit auch alle Abstandsregelungen eingehalten werden können und keiner direkt am Bordpersonal vorbei muss“, schildert Feßler.

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Er blickt auf etwas schlechtere Jahresbilanz zurück als noch 2017. Es würde im zweiten Jahr in folge je um ein Prozent weniger. 2017 ließen sich noch 850 000 Menschen von einem der 13 Chiemsee-Schiffe zu den Inseln oder wieder zurück an Land bringen. „Unsere Zahlen sind aber auch sehr wetterabhängig. Regnet es viel, haben wir weniger Fahrgäste und ist es extrem heiß wie 2018 dann auch. Die Menschen gehen dann lieber baden, als dass sie auf die Inseln fahren“, weiß Feßler.

Er setzt hinsichtlich der Fahrgästezahlen auf die Landesausstellung 2021 als „Bringer“. Dies sei 2011 der Fall gewesen. „Jetzt kommt es darauf an, wie gut diese inhaltlich aufgezogen wird und begeistern kann.“ Die klassischen Bussreisezeiten seien von März bis Juni.

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„Hier brechen uns jetzt durch Corona nahe zwei Monate auf alle Fälle weg“, schildert der Fachmann.

Normalerweise würden jetzt bei frühlingshaften Temperaturen die Menschen in Strömen für einen Spaziergang auf die herren- oder Fraueninsel fahren. Wegen Corona ist der Schiffverkehr aber bis auf Weiteres eingestellt.

Denn in den Hochsommer könnten die Bustouren ihre Reisen nicht verlegen. Dann bekämen sie keine Betten mehr in der Region. Zum 175. Firmenjubiläum ereilt das Unternehmen der Katastrophenfall. Die interne Feier ist bereits abgesagt. „Jeder soll gut und gesund durch diese Phase kommen. Vielleicht holen wir das Fest in einem anderen Rahmen nach.“ Generell gelte: Wir können – sobald die Krise vorbei ist und von Regierungsseite wir grünes Licht erhalten, sofort unseren Fahrplan wieder aufnehmen. „Wir stehen Gewehr bei Fuß.“ Alle Schiffe bis auf den Raddampfer namens Ludwig Feßler. Dieser nimmt seine Schicht erst immer zum Sommerfahrplan auf. Der Raddampfer bekommt aktuell die Toiletten an Bord repariert und saniert.

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