Was auf dem Chiemsee in der Coronakrise erlaubt ist: Landratsämter geben Regeln raus

Regatten sind vorerst auf dem Chiemsee abgesagt. Diese sind in Zeiten von Corona – allein aufgrund der unterschiedlichen Besatzungen aus verschiedenen Haushalten – nicht möglich. berger
  • Silvia Mischi
    vonSilvia Mischi
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In Corona-Zeiten kehrt auch auf dem Chiemsee Ruhe ein. Der Schiffsverkehr ist eingestellt, dennoch sind immer wieder Segelboote auf dem Wasser zu sehen. Erlaubt oder nicht? Das Landratsamt Rosenheim hat jetzt die Anliegergemeinden über Regelungen informiert.

Prien/Chiemsee – Der Chiemsee, das Bayerische Meer, ist Ausflugsziel Nummer 1 in der Region. In Corona-Zeiten kehrt aber auch dort Ruhe ein. Die Wanderparkplätze sind gesperrt. Spaziergänge am Uferbereich sind – gemäß Beschränkungsregeln – erlaubt. Der Schiffsverkehrs ist bis auf die Verbindungen für die Insulaner eingestellt. Dennoch sieht man noch immer Segelbote und Co. auf dem See. Ist das erlaubt oder wo sind die Grenzen? Denn eigentlich begann die Wassersaison Anfang April. Doch von zum Wasser lassen der Schiffe fehlt jede Spur: Die Häfen und Werften sind aufgrund der Corona-Krise nach wie vor geschlossen.

Order der Landratsämter

Das Landratsamt Rosenheim hat im Hinblick auf die anstehende Wassersportsaison die Auslegung der Verordnung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Sport und Integration an die Gemeinden geschickt. Darin heißt es, dass der Schutzzweck, nämlich die Eindämmung der Ausbreitung des Virus generell im Vordergrund stehe. Der eigene Hausstand dürfe nicht ohne triftigen Grund verlassen werden (Einkaufen, Berufsausübung et cetera).

Sport nur gemäß den Richtlinien

Wie bekannt, darf Sport und Bewegung an der frischen Luft, allerdings ausschließlich alleine oder mit Angehörigen des eigenen Hausstandes und ohne jede sonstige Gruppenbildung, weiterhin ausgeübt werden. Für den Sport an und auf den Gewässern gilt: Sportboothäfen, Vereinsgelände, Trockenliegeplätze, Bootshallen und Ähnliches sind keine Einrichtungen, die den notwendigen Verrichtungen des täglichen Lebens dienen. „Sie dienen der Freizeitgestaltung, ein Betrieb ist damit ausgeschlossen“, heißt es vonseiten der Behörden aus Rosenheim und Traunstein gegenüber der Chiemgau-Zeitung.

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Außerdem: Der Kranbetrieb in Sportboothäfen sei nur in begründeten Notfällen wie Wassereinbruch in bereits im Wasser befindlichen Booten zulässig. Das Ein- und Auswassern von Booten für Arbeiten oder zum Beispiel das Arbeiten an Wasserfahrzeugen (Vorbereitung der Einwasserung, Streichen oder Schleifen) stelle aber keinen triftigen Grund zum Verlassen des eigenen Hausstands dar und muss als Ausübung eines Hobbys gesehen werden.

Segelsport ist erlaubt - mit Einschränkungen für die Besatzung

„Dies fällt in dieser Ausprägung nicht unter die Ausnahme für den Sport. Eine Ausnahme gibt es für Gewerbebetriebe (Reparaturfirmen)“, so Rosenheims Landratsamtsprecherin Ina Krug und ihr Traunsteiner Kollege Mathias Heinrichs. Zulässig sind Sport und Bewegung an der frischen Luft alleine oder mit Personen des eigenen Hausstands in Form von: Bootfahren mit Segel- oder Ruderbooten, Stand-up-Paddeln, Kitesurfen, Windsurfen und Ähnliches.

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Ausgeschlossen ist der Betrieb von maschinengetriebenen Sportbooten. Dieser fällt nicht unter „sportliche Betätigung“. Im Grundsatz bedarf es jedoch immer einer Beurteilung des Einzelfalls. Häfen, Vereinsanlagen, Trockenliegeplätze und sonstige Freizeitanlagen dürfen dabei nicht benutzt werden, da deren Betrieb untersagt ist. Ein Einwassern ist lediglich an öffentlich zugängigen Slipstellen zulässig.

Appell: Auf Wassersport verzichten und damit die Wasserwacht schonen

Angler dürften ebenfalls mit dem entsprechenden Abstand ihren Sport ausüben. Zudem weisen die Landratsämter darauf hin, dass es bei der Durchführung des Wassersports regelmäßig zu Rettungseinsätzen kommt, bei denen das Personal der Wasserwacht, der DLRG, der Feuerwehren, der Rettungsdienste eingebunden wird.

„Angler dürften ebenfalls mit dem entsprechenden Abstand ihren Sport ausüben“, so Heinrichs weiter. Parallel aber warnen Wasserwacht und BRK: „Wassersport und Aktivitäten am Wasser sollten zur Sicherheit aller unterlassen werden“, betont Pressesprecher Sohrab Taheri-Sohi gegenüber unserer Zeitung. Zur angespannten Personallage aufgrund der Corona-Krise sagt er: „Bei Einsätzen rund ums Wasser ist generell dann ein großes personelles Aufgebot der Fall mit Rettungswagen und Notarzt.“

Rettungskräfte stark gebunden

Bei aller Vorsicht der Sportler komme es bei Wassersportaktivitäten immer wieder zu Einsätzen, bei denen Wasserwacht und andere Rettungskräfte angefordert werden. „Die Kapazitäten stehen zurzeit aber auf Abruf für Einsätze aufgrund der Corona-Krisenlage“, so Taheri-Sohi. Verschärfend komme an den Seen und Uferbereichen hinzu, dass aufgrund der aktuellen Situation und der Winterruhe Wachstationen nicht besetzt seien oder werden könnten.

„Wer im Rahmen der Ausgangsbeschränkung zum Segeln, Standup-Paddling oder Kitesurfen geht, hat bei einem Unfall auch mit längeren Zeiten bis zum Eintreffen der Hilfskräfte zu rechnen“. Vor allem am größten bayerischen Gewässer, dem Chiemsee, könne bei Gewässertemperaturen von aktuell circa acht Grad Celsius ein Notfall tödlich enden.

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