Chieming: Vertrauen der Bürger ist ein Kompliment

Chiemings neuer Bürgermeister Stefan Reichelt im Obstanger seines Grundstücks, den er sich mit seinen Schwiegereltern teilt. Zandl

Chieming – Der Christ-Soziale Stefan Reichelt ist der neue Chef im Chieminger Rathaus. Darauf freut er sich „unbändig“. Eines seiner erklärten Ziele ist es, den Ortskern zu entlasten und dafür den Dialog zu den Bürgern zu suchen.

Chieming– Stefan Reichelt ist der neue Chef im Chieminger Rathaus. Mit der Chiemgau-Zeitung sprach er über seine Wahl, seine neue Aufgabe und seine Ziele. Er ist seit 24 Jahren CSU-Mitglied. Damals wurde er in den Gemeinderat gewählt und vor drei Jahren hat sich der Ortsverband entschieden, mich als Bürgermeisterkandidaten zu nominieren. Meine Vorbilder sind Alois Glück und Innenminister Joachim Hermann, den ich als Feuerwehr-Kreisbrandmeister persönlich kennenlernen durfte. Zur Bürgermeisterwahl habe ich Glückwünsche von Bundesabgeordneten Peter Ramsauer und Landtagsabgeordneten Klaus Steiner erhalten.

Herr Reichelt, haben Sie Ihr Leben schon auf Ihre neue Aufgabe als Chieminger Bürgermeister hin ausgerichtet?

Stefan Reichelt: Es war überraschend für mich, dass ich am 29. März die Stichwahl gewonnen habe. Damit war nicht unbedingt zu rechnen, zumal in der Woche vor der Wahl kein Wahlkampf mehr stattfand wegen der damals beginnenden Maßnahmen gegen die Pandemie. Aber es war richtig, den Wahlkampf auszusetzen, die Bürger hatten andere Sorgen. Momentan bin ich viel mit meinem Amtsvorgänger, Herrn Bürgermeister Graf, und Herrn Mayer, dem Verwaltungsleiter des Chieminger Rathauses, in Kontakt. Beide sind sehr kooperativ. Wir bereiten gerade die nächste Gemeinderatssitzung am 5. Mai vor, in der die Übergabe der Amtsgeschäfte auf mich und den neuen Gemeinderat erfolgen wird.

Freuen Sie sich auf Ihre neuen Aufgaben? Und haben Sie (eventuell) auch Ängste?

Reichelt: Ich freue mich unbändig, dass mir die Bürger ihr Vertrauen gegeben haben. Am meisten freue ich mich, dass ich für die Bürger der Gemeinde da sein kann. Ängste habe ich nicht. Ich möchte im Dialog mit den Leuten herausfinden, was wir in der Gemeinde auf den Weg bringen müssen. Dabei möchte ich allen Gesellschaftsschichten gleichermaßen gerecht werden, und mit dem Gemeinderat Ideen entwickeln, Konzepte ausarbeiten, darüber entscheiden, und sie umsetzen.

Lesen Sie auch: Das gab´s noch nie – Erstmals alle Städte im Landkreis Traunstein in CSU-Hand

Ihr erster Ausspruch nach Ihrer Wahl zum Bürgermeister war: „Geschafft!“ – Was haben Sie geschafft, und was wollen Sie schaffen?

Reichelt:Ich habe es geschafft, das Vertrauen der Bürger zu gewinnen, um Bürgermeister zu werden. Das ist ein Kompliment. Im Wahlkampf bin ich mit den Menschen der Gemeinde in einen Dialog gekommen, meine Bürgerbefragungen wurden sehr gut wahrgenommen und ich habe erfahren, was die beiden Hauptanliegen der Bürger sind: Ein bezahlbarer Wohnraum für junge Familien und für Senioren, der bei Bedarf barrierefrei ist. Und die Verkehrsproblematik: Wie schaffen wir es, den Ortskern zu entlasten? Es gibt bereits viele Ideen dazu, und nun geht es im Gemeinderat darum, im Dialog mit den Bürgern zu entscheiden, was wie umsetzbar ist. Weitere Schwerpunkte werden sich auf die Gewerbeentwicklung in der Gemeinde beziehen, auf Seniorenfragen und auf die Mobilität: Zwei Stichworte sind: Bürgertaxi und sozialer Fahrdienst. Das müssen wir behandeln. Sehr wichtig bei all diesen Problemlösungen ist mir das ehrliche Miteinander. Man muss sich nicht verstecken voreinander. Nur wenn unterschiedliche Meinungen vertreten werden, kann man einen Mittelweg finden. Ich bin sehr für Ehrlichkeit, Freude und gegenseitigen Respekt – das ist mir enorm wichtig.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Lesen Sie auch: 31 Einsäte für die Isinger Feuerwehr im vergangenen Jahr

Wie kommt Ihre Familie damit zurecht, nun die „Familie des Bürgermeisters“ zu sein? Ändern Sie nun etwas an Ihren Lebensgewohnheiten und Hobbies?

Reichelt:Meine Frau hat mich von Anfang an bei der Kandidatur zum Bürgermeister begleitet und voll unterstützt, und freut sich nun auch riesig, dass sie mich als Bürgermeister begleiten kann. Dasselbe trifft auf meine drei Kinder (11, 15 und 17) zu, die sich auch sehr mit mir freuen. An meinen Lebensgewohnheiten werde ich nichts ändern, außer dass ich das Amt des Kreisbrandmeisters aufgebe. Da ich in dieser Tätigkeit ständig erreichbar sein müsste, verträgt sich das nicht mit dem Amt des Bürgermeisters, wenn ich beispielsweise aus Terminen oder Sitzungen herausgerissen würde. Ich möchte jetzt ganz für die Kommune da sein und werde mich auch wieder bei der Chieminger Feuerwehr engagieren. Meinem Sport werde ich weiterhin nachgehen. Ich bin ja leidenschaftlicher Läufer und nehme gerne am Triathlon teil, werde weiterhin Ziach spielen, beim Männergesangsverein CMXV mitsingen und gerne als Lektor meinen Dienst in der Kirche tun.

Interview: Arno Zandl

Kommentare