Geschäftsidee "Almstriezel": Nicht nur im Chiemgau feiern Modebewusste nun Rock-Parties

Lieben Trachtenröcke in moderner Interpretation (von rechts): Die „Almstriezl“-Gründerinnen Nicole Praxenthaler und Bärbel Merten, hier mit Freundin Lisa Rock beim Fotoshooting auf der Alm.
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Lieben Trachtenröcke in moderner Interpretation (von rechts): Die „Almstriezl“-Gründerinnen Nicole Praxenthaler und Bärbel Merten, hier mit Freundin Lisa Rock beim Fotoshooting auf der Alm.
  • vonAxel Effner
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Zwei Jungunternehmerinnen aus Bergen und Traunstein wollen das Daheim-Shoppen zum Glücks-Event machen. Mit ihrer Firma „Almstriezl“ produzieren und verkaufen sie bunte Trachtenröcke. Der neue Online-Shop hilft über die Corona-Krise hinweg.

Bergen/Traunstein – An was denken Sie beim Begriff „Rockparty“? Harte Heavy Metal-Riffs, wilde Typen in Lederkluft sowie ohrenbetäubende Lautstärke? Nicole Praxenthaler (36) aus Traunstein und ihre Freundin Bärbel Merten (41) aus Bergen setzen bei ihren „Rockpartys“ für Frauen eher auf die leichte und heitere Muse. Absolut jugendfrei und kinderfreundlich.

Seit sie vor knapp vier Jahren mit ihrer originellen Geschäftsidee „Almstriezl“ gestartet sind, ging es nur bergauf: individuell genähte, luftige Trachtenröcke aus pfiffigen Stoffen, bunten Samtborten und Stickereien. Das kommt an.

Der Spaß kommt ganz von selbst

Mit ihrer Idee, die Auswahl der alltagstauglichen bunten Rockunikate zum Gesellschafts-Event zu machen, haben die beiden Nadelvirtuosinnen offenbar genau den Nerv der Zeit getroffen. Statt des inzwischen angestaubten Verkaufs von Plastikschüsseln setzen die Rockpartys von Nicole und Bärbel vor allem auf die kreativen Ideen der Teilnehmerinnen. Der Spaß kommt dann meist von selbst.

Bärbel Merten in ihrer professionell ausgestatteten Nähwerkstatt in Bergen.

Die jeweilige Gastgeberin lädt dazu Freundinnen, Verwandte und Nachbarinnen zu sich nach Hause ein. Nicole und Bärbel kommen dann mit ein paar Koffern, vollgepackt mit bunten Stoffmustern, Samtborten und Beispielröcken in unterschiedlichen Größen. Nach der ersten Kennenlernrunde startet das Spektakel, wenn sich ein knappes Dutzend Damen mit begeisterten Augen auf die mitgebrachten Stücke und Stoffe stürzen darf. 

Tastend, vergleichend und im Gespräch findet jede der Damen zwischen acht und 80 Jahren die passende Kombination für den individuellen Wunscherfüller.

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„Da kommen mitunter ganz lustige oder abenteuerliche Kombinationen zusammen“, erläutert Nicole. Manche Stücke ähneln eher schicker Tracht, andere – vor allem bei jungen Mädchen – sind modern in knallbunten Farben gestylt. „Zuweilen runzelt man die Stirn über die Kombinationen, merkt dann aber beim Zusammennähen, dass Muster und Stoffe ganz gut zum jeweiligen Typ passen“, ergänzt Bärbel. Nach der Anprobe und dem Maßnehmen für die Bestellungen beginnt dann zuhause die eigentliche Arbeit für die beiden Nähenthusiastinnen. Rund 40 bis 50 Rockunikate entstehen so jeden Monat.

Mit einem Baby-Trachtenrock fing alles an

Begonnen hat alles 2016 mit dem originellen Geschenk für das Baby einer Freundin, erzählt Nicole. „Von dem mitgebrachten Mini-Trachtenrock waren viele begeistert und wollten auch so etwas haben.“ Da die beiden Freundinnen „immer schon zusammen etwas Kreatives machen“ wollten, entstand die Idee mit dem Nähen von Rockunikaten. Auch die ersten Probeläufe mit einer großen Auswahl an Röcken auf regionalen Märkten wie dem Lindlsonntag in Traunstein oder dem Michaelimarkt in Inzell wurden unerwartet zum Erfolg: „Die Leute rissen uns die regional produzierte Ware förmlich aus den Händen.“

Passend zu ihren gewitzt-originellen Röcken haben die beiden Näherinnen auch den Namen „Almstriezl“ gewählt: „Das erinnert zum einen an unsere Herkunftsregion und greift zum anderen schelmisch den Begriff ,Striezi‘ auf.“

Stammkunden auch in Hamburg

Beim Fototermin in der Nähstube von Bärbel in Bernhaupten mit Blick auf den nahegelegenen Hochfelln kann man dieser Idee nur zustimmen. Rund 300 bis 400 Stoffe haben beide in ihrem Lager. Stammkunden gibt es inzwischen dank Onlineshop nicht nur zwischen Laufen und Rosenheim, sondern auch in Österreich und Hamburg. Genäht wird meist abends oder in der freien Zeit.

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Schließlich haben Nicole, die als Erzieherin gerade Babypause macht, und Bärbel, die als Medizinische Fachangestellte arbeitet, auch noch die Familien unter einen Hut zu bringen. Mit kreativen Einfällen wollen sie nach vorsichtiger Öffnung des Corona-„Lockdowns“ ihr Geschäft wieder beleben. „Erst haben wir die Ruhe genossen, danach Masken genäht, dann zog der Online-Shop wieder an und bald wird es wohl auch wieder Rockpartys geben“, erklärt Bärbel. „Die finden dann halt mit Mundschutz und unter freiem Himmel statt. Da fällt uns schon was ein.“

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