Im Gespräch mit Michael Inneberger

Chiemgauer Facebook-Gruppe startet Aktionen gegen Corona-Einsamkeit

Ehrenamtlich von daheim erledigt Michael Inneberger die Administratoren-Arbeit der großen Facebook-Gruppe „Chiemgau - Do bin i dahoam“.
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Ehrenamtlich von daheim erledigt Michael Inneberger die Administratoren-Arbeit der großen Facebook-Gruppe „Chiemgau - Do bin i dahoam“.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Chiemsee – Die Facebook-Gruppe „Chiemgau – Do bin i dahoam“ hat sich für die Lockdown- und Vorweihnachtszeit einiges überlegt, um die Menschen auf andere Gedanken zu bringen. Die Chiemgau-Zeitung hat mit dem Gründer und ehrenamtlichen Administrator Michael Inneberger gesprochen.

Was habt ihr euch überlegt, um die Menschen und die heimische Wirtschaft zu unterstützen?

Michael Inneberger: Wir veranstalten einen virtuellen Online-Christkindlmarkt vom 14. November bis 23. Dezember. Handgefertigte und Bio-Waren aus der Region sowie landwirtschaftliche Angebote dürfen vorgestellt werden mit Bildern und Adressen zur Abholung oder Links zum Online-Shop. Wir hoffen, hier ein klein wenig vorweihnachtliches Ambiente zu erzeugen, wenn auch nur online.

Außerdem freuen wir uns über viele eigene Gedichte oder Geschichten für eine vorweihnachtliche Stimmung. Zudem starten wir eine Fortsetzungsgeschichte, in der die Mitglieder zu Autoren werden. Jedes Mitglied kann die Geschichte in einem weiteren Satz fortschreiben. Gastwirten geben wir die Möglichkeit, ihre Speisekarten, ihr Essen ,ToGo‘ oder den Lieferservice vorzustellen.

Gibt es Regeln, die die Menschen beachten müssen, um sich einzubringen?

Inneberger: Die Gedichte und Geschichten müssen aus der eigenen Feder sein und mit eigenem Namen benannt. Fremde Texte können wir aus urheberrechtlichen Gründen nicht akzeptieren.

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Als Administrator haben Sie den Überblick, wie die Stimmung angesichts der Pandemie und des Lockdowns ist. Wie ist sie denn, die Stimmung?

Inneberger: In der Gesellschaft ist die Stimmung sicherlich differenziert zwischen Akzeptanz, Ignoranz und wirtschaftlichen Sorgen. In der Gruppe verstehen wir Admins die verschiedenen Ansichten. Leider werden solche Beiträge in der Gruppe sehr schnell, wie überall in den Sozialen Medien, mit Kommentaren „zerpflückt“. Wir haben uns deswegen dazu bewogen, nur noch für die Region relevant-wichtige Beiträge zu diesem Thema zu akzeptieren. Die Stimmung in der Gruppe hat dadurch einen positiveren Charakter.

Welche Erfahrungen haben Sie vom ersten Lockdown im Frühjahr mitgenommen?

Inneberger: In der Gruppe bemerkt man immer einen Anstieg der Teilnahme und ein Informationsbedürfnis, wenn wichtige Ereignisse auftreten. Wir haben oft bis zu 1000 Kommentare und bis zu 6000 Reaktionen am Tag, genannt „Likes“. Auch zur Schneekatastrophe im letzten Jahr war ein signifikanter Anstieg zu erkennen. Hilfe bieten wir in der Gruppe schon immer an, zum Beispiel in der Rubrik „Der Chiemgau hilft sich untereinander“. Es gibt immer tolle Ratschläge oder Hilfsangebote durch die Mitglieder.

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Wie weit ziehen Sie denn den thematischen Rahmen beim Stichwort Weihnachten?

Inneberger:Alles was einen weihnachtlichen Rahmen einhält, ist willkommen. Was nicht erlaubt ist sind die üblichen Ausnahmen, wie ethnische Ausgrenzungen oder rassistische Äußerungen.

Wie steuern Sie die Fortsetzungsgeschichte? Theoretisch könnten sich ja viele Handlungsstränge parallel entwickeln?

Inneberger: Da lasse ich mich überraschen. Das wird sicher spannend und die Chiemgauer haben da bestimmt die Phantasie dafür. Es kann sicher auch lustig werden, durch parallele Kommentare. Der Protagonist könnte in einem Kommentar einen Kuss bekommen und im nächsten schon wieder eine Ohrfeige. Die Fortsetzungsgeschichte ist eine gemeinsame Online-Aktion, wenn Kontakte im Leben eingeschränkt sind.

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Aus Ihrer Erfahrung heraus beurteilt: Sind die Chiemgauer sehr kreativ?

Inneberger: Der Chiemgau hat ein großes kreatives und kulturelles Herz. Viele Künstler leben und wirken im Chiemgau. Auch in unserer Gruppe haben sich viele Künstler und kreative Menschen mit Ideen zusammengefunden. Die Gruppe ist wie eine große Familie. Die Aktionen fördern immer den Gedanken der Gemeinsamkeit und des Zusammenhalts. Die Vernetzung in der Region erreicht hier ganz neue und tolle Möglichkeiten.

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