Chiemgau Tourismus: 100.000 Euro für Neustart nach der Krise

Die Glocke an der Rezeption wie diese in einem Hotel in Reit im Winkl steht derzeit in allen Übernachtungshäusern still. Die Chiemgauer Touristiker hoffen auf Staatshilfen und eine baldige Lockerung der Reisebeschränkungen, sofern gesundheitlich vertretbar. Denn vielen geht die Krise bereits an die Existenz. Chiemgau Tourismus
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Die Glocke an der Rezeption wie diese in einem Hotel in Reit im Winkl steht derzeit in allen Übernachtungshäusern still. Die Chiemgauer Touristiker hoffen auf Staatshilfen und eine baldige Lockerung der Reisebeschränkungen, sofern gesundheitlich vertretbar. Denn vielen geht die Krise bereits an die Existenz. Chiemgau Tourismus
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Chiemgau Tourismus-Chef Stephan Semmelmayr spricht über die Not der Gastgeber in der Corona-Krise. Vielen gehe das Reiseverbot an die Existenz, trotz Überbrückungshilfen. 

Traunstein – 100 000 Euro stellt der Verband Chiemgau Tourismus für außerordentliche Sofort-Maßnahmen zur Verfügung, um nach dem ersehnten Ende der Corona-Krise den lahmgelegten regionalen Tourismus wieder hochzufahren. Denn, so CT-Geschäftsführer Stephan Semmelmayr, spielen sich bei vielen regionalen Gastgebern im Moment regelrechte Dramen ab: „Einige Vermieter stehen vor dem Aus. Der Boom der letzten Jahre, vor allem für Luxus-Bauernhofurlaub, hat viele Gastgeber dazu animiert, richtig Geld in die Hand zu nehmen. Da müssen Kredite bedient werden und es kommt möglicherweise über Monate kein Geld rein.“ Diese Vermieter bräuchten ganz schnell Mittel und Sicherheiten. „Alles andere ist gerade zweitrangig.“

10.000 Arbeitsplätze sind betroffen

Laut Semmelmayr muss in der Tourismusregion Chiemgau mit einem Umsatzausfall von rund 40 bis 50 Millionen Euro pro Monat im Landkreis rechnen. „Das ist eine Horrorzahl.“ Der Verlust treffe auch den Einzelhandel und Dienstleister, bei denen Touristen einkaufen und die Gastgeber selbst, wenn Einnahmen fließen. „Etwa 10 000 Arbeitsplätze im Chiemgau hängen direkt oder indirekt vom Tourismus ab“, so der CT-Geschäftsführer.

Unterdessen ist man beim Verband nicht untätig. Gerade feilt man an Marketingmaßnahmen, die auch während der Krise greifen sollen und die den Gastgebern helfen, wie es Semmelmayr beschreibt: „Aktuell bereiten wir ein Webinar für Gastgeber vor, unter anderem mit den Themen `Wie gehe ich mit Stornos um?´ und `Wie halte ich meine Stammgäste?´“ Die Termine würden demnächst bekannt gegeben.

Mehrere Marketingaktivitäten stünden zudem in den Startlöchern und könnten ohne zeitlichen Vorlauf hochgefahren werden: Zum Beispiel die Kooperation mit einem regionalen Reisebusunternehmen und Kampagnen wie „Chiemgauer Porträts“, zu den Themen Radurlaub, Bergerlebnis und zu Heimatbrauereien.

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„Am touristischen Markt maximal sichtbar sein“

Sollte von offizieller Seite her das Reisen wieder uneingeschränkt erlaubt sein, würde der CT auch hierzu sofort Informationen herausgeben.

Der Chiemgauer Radlfrühling, geplant für Mai und Juni, sei startklar. „Wir werden Ende April die Lage bewerten und entscheiden, ob das Programm regulär durchgeführt werden kann.“ Das Programm für den Chiemgauer Wanderherbst im September und Oktober stehe, die Touren stünden demnächst auf der Website. Die dazugehörige Auftaktveranstaltung, der Chiemgauer Almumtrieb, sei für den 6. September geplant. In Umsetzung befänden sich außerdem die Leader-Projekte zu den Themen Rad-Infrastruktur, Handbike und Premium-Wanderprodukte. Was das zusätzliche Budget von 100 000 Euro angeht, so soll damit sichergestellt sein, „dass der Chiemgau am touristischen Markt maximal sichtbar und präsent ist“, betont Semmelmayr.

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Woher kommt das Geld? Zum Beispiel aus dem Budget für Marketing-Aktivitäten, die wegen der Pandemie gestoppt werden mussten. „Daraus werden Mittel frei, außerdem werden wir Reserven angreifen, was in dieser Situation auch angemessen ist.“

„Befinden uns in einer existenziellen Krise“

Die konkrete Verwendung werde in den folgenden Wochen mit den Partnern in Tourist-Infos, mit den weiteren Geschäftsfeldern sowie mit den Vermieterverbänden Urlaub auf dem Bauernhof, Private Gastgeber sowie Camping und Hotellerie abgestimmt werden. Beim CT spricht man von der „Tourismusfamilie im Chiemgau“. Der Geschäftsführer, derzeit selbst im Homeoffice aktiv, bekräftigt: „Wir befinden uns in einer existenziellen Krise, aber ich bin sicher, dass der Chiemgau danach eines der gefragtesten Ziele sein wird. Jetzt zählt, den Blick nach vorne zu richten und zusammenzuhalten  – mehr denn je.“ Er sei überzeugt, dass die Zeichen gut für die Chiemgauer Gastgeber stehen. Zumindest, was den Inlandstourismus angeht: „Wie schon Terrorangst und Klimawandel wird auch Corona dazu führen, dass Reisende eher im eigenen Land bleiben.“

Semmelmayr hat das Gefühl, „dass unsere Politiker gerade einen sehr guten und verantwortungsvollen Job machen.“ Dennoch: „Wenn ich einen Wunsch frei hätte, wäre es zuallererst Hilfe für die kleinen Vermieter. Ich habe Sorge, dass sie, was die Soforthilfen angeht, durch das Raster fallen.“

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