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Gemeinden in der Region betreiben eigene Werke – Alternative zu Gas und Öl gefragt

Wer kann sich das Heizen nächsten Winter noch leisten? Die Nachfrage nach Fernwärme steigt im Chiemgau

Geschäftsführer Wolfgang Wimmer hat gut lachen. Der Biomassehof Achental ist so ausgelegt, dass er den ganzen Ort Grassau mit Fernwärme versorgen könnte.
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Geschäftsführer Wolfgang Wimmer hat gut lachen. Der Biomassehof Achental ist so ausgelegt, dass er den ganzen Ort Grassau mit Fernwärme versorgen könnte.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Die immer weiter drehende Preisspirale bei Öl und Gas beschäftigt viele Menschen im Chiemgau. Sie suchen nach Alternativen. Eine davon ist Fernwärme.

Grassau/Marquartstein/Reit im Winkl/Rimsting – In der Region gibt es in einigen Gemeinden diese Möglichkeit, und tatsächlich ist dort angesichts der aktuellen Lage die Nachfrage gestiegen, wie Recherchen der OVB-Heimatzeitungen ergaben.

Marquartstein steckt mitten in den Planungen, was den Bau eines Werks zur Fernwärmeversorgung betrifft. Bürgermeister Andreas Scheck sagt, die Nachfrage nach Fernwärme sei aktuell „deutlich“ angestiegen. „Ich hätte mir gewünscht, dass wir das vor zwei Jahren schon gehabt hätten, dann hätten wir letztes Jahr bauen können, da hätten wir uns wesentlich leichter getan.“ Enorm gestiegene Baupreise und lange Lieferzeiten sorgten momentan für „nicht optimale“ Voraussetzungen.

„Wir sind aber immer noch guter Hoffnung“, betont Scheck. Zwar habe die Gemeinde bei der Kapazität des Werkes schon einen gewissen Puffer berücksichtigt, doch sei angesichts der Nachfragen tatsächlich angedacht, diese doch noch zu erhöhen.

Kosten momentan schwer abzuschätzen

Sebastian Stephan ist Vorstand der Wärmeversorgung Grassau, das ist ein kommunales Unternehmen (KU) der Marktgemeinde. Zurzeit läutet das Telefon öfter als sonst. Interessenten erkundigen sich nach einem Kostenangebot für den Anschluss an die Fernwärmeversorgung.

Ein solches Angebot gibt die KU momentan gar nicht mehr ab, so Stephan. Die Gemeinde bezieht die Fernwärme vom Biomassehof Achental, ist selbst aber für das 19 Kilometer lange Leitungsnetz in Grassau zuständig. Dort, wo sich Haushalte neu anschließen lassen wollen, muss in der Regel eine neue Leitung gebaut werden. Und da beginnen die Probleme. „Die Preise für das Material verändern sich ständig“, so Stephan. Unabhängig vom Preis sind die ummantelten Stahlrohre wegen des Ukrainekrieges auch noch schwer zu bekommen, ergänzt Grassaus Bürgermeister Stefan Kattari.

In Rottau entsteht ein zweites Werk

Wenn alles gut läuft, soll in der Gemeinde noch heuer mit dem Bau eines zweiten Fernwärme-Heizwerkes begonnen werden und zwar im Ortsteil Rottau. Die Gemeinde plant dort mit einem sieben Kilometer langen Leitungsnetz für die 150 Abnehmer.

Der Preis für die Fernwärme errechnet sich laut Kattari aus einem Preisindex. Die Preise würden jährlich angepasst, doch sei davon auszugehen, dass Fernwärme nicht im gleichen Maß teuerer werde wie Gas und Öl. Vor allem auch deshalb, weil das kommunale Unternehmen nicht gewinnorientiert arbeite. Allerdings müssten die Kosten gedeckt sein.

In einer Straße müssen sich genügend Abnehmer finden

Die Nachfrage nach Fernwärme sei jedenfalls schon vor den jüngsten Entwicklungen groß gewesen, wenngleich sie auch jetzt noch einmal spürbar zugenommen habe. Kattari dazu: „Nachverdichtung ist immer eine Frage, ob sich in einem Straßenzug genug Abnehmer finden.“ Seine Empfehlung: „Redet mit euren Nachbarn.“ Die Kapazität im Biomassehof Achental sei da.

Das bestätigt Geschäftsführer Wolfgang Wimmer. Die Gemeinde habe den Bau des Biomassehofs so geplant, dass der ganze Ort Grassau versorgt werden könnte. In den zwölf Jahren des Betriebs sei das Leitungsnetz ständig erweitert worden.

Für ihn sind Strom und Wärme Angelegenheiten, die sowieso in kommunale Hand gehörten, genauso wie die Wasserversorgung, wie er sagt. „Wohin uns die Liberalisierung geführt hat, wird uns seit einiger Zeit schmerzhaft bewusst.“

Rimstings Bürgermeister Andreas Fenzl macht ebenfalls eine höhere Nachfrage nach der Nahwärmeversorgung aus. Allerdings sei das Interesse bereits vor dem Ausbruch des Ukraine-Krieges bemerkbar gewesen. Die Gemeinde lasse daher aktuell die Kesselleistung und die Netzabdeckung in Rimsting prüfen, ebenso ob es Erweiterungsmöglichkeiten gibt. Fenzl erwartet in Kürze die Ergebnisse. Er hoffe, dass die Gemeinde dann verbindlich sagen könne, wo sie noch Haushalte anschließen kann.

Reit im Winkl versorgt sich nahezu autark und kann entspannt bleiben:

Was die aktuellen Diskussionen um alternative Wärmeerzeugung betrifft, gibt es im Chiemgau eine Gemeinde, die sich – wie es der Bürgermeister ausdrückt – „nicht stressen“ muss. Reit im Winkl betreibt seit gut 20 Jahren ein Naturwärme-Werk. Laut Bürgermeister Matthias Schlechter sei es damals aus einer Notlage entstanden. Wegen der Kessellage habe die Luftqualität im Ort gelitten, und ein zentrales Heizwerk sollte anstelle der vielen einzelnen Öfen in den Privathaushalten Verbesserung bringen. „Der damalige Gemeinderat und der Bürgermeister waren schneidig und haben ein Hackschnitzelheizwerk geplant, das war Pionierarbeit.“90 Prozent des erschließbaren Ortsgebiets würden versorgt, das seien 550 Häuser beziehungsweise eine Anschlussquote von 90 Prozent. „Das ist wahrscheinlich deutschlandweit einzigartig“, so Schlechter. Die Gemeinde habe einen Gesellschafteranteil von rund 15 Prozent, den Rest hielten etwa rund 100 Privatleute, das bedeute, das Werke gehöre größtenteils den Reit im Winklern. Angesichts der aktuellen Situation zeigt sich Schlechter „überglücklich“, dass die Gemeinde größtenteils energieautark ist. Abgesehen davon tue dieses Werk dem Luftkurort gut.

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