Stellungnahme im Traunsteiner Kreistag

Tourismus im Chiemgau mit „blauem Auge“ durch die Corona-Pandemie gekommen

Mehr Übernachtungsgäste als im Vorjahr registrierten die Chiemgauer Touristiker in diesem August, etwa, wie im Bild, der Sonnhof in Reit im Winkl.
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Mehr Übernachtungsgäste als im Vorjahr registrierten die Chiemgauer Touristiker in diesem August, etwa, wie im Bild, der Sonnhof in Reit im Winkl.

Der Tourismus im Chiemgau ist während der Corona-Pandemie mit einem „kleinstmöglichen blauen Auge“ davongekommen. Das berichtete Verbandsgeschäftsführer Stephan Semmelmayr dem Kreistag. Das Gremium segnete bei einer Gegenstimme die seit 2009 übliche „Tourismus-Million“ als jährlichen Kreiszuschuss ab.

Traunstein – Im August registrierte der Verband Chiemgau Tourismus um 0,7 Prozent mehr Gäste und 10,9 Prozent mehr Übernachtungen als im Vergleichsmonat des Vorjahres, berichtete Verbandsgeschäftsführer Stephan Semmelmayr in der jüngsten Sitzung des Traunsteiner Kreistags. Von Januar bis August sei die Zahl der Übernachtungen in Bayern um 38,5 Prozent gesunken, im Verbandsgebiet lediglich um 15,9 Prozent, konkretisierte Semmelmayr die Zahlen.

Diskussion über einen Zuschuss

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer habe 4,5 Tage gegenüber 2,9 Tagen im Freistaat betragen. Im August seien die 119 000 Gäste im Schnitt 4,8 Tage geblieben, bayernweit nur 3,1 Tage.„Wir haben Glück gehabt“, so das Fazit. Seit September laufe die Kampagne „ChiemNow“ auf der Homepage des Verbands mit einem Gesamtvolumen von mehr als 200 000 Euro mit dem Ziel, die Saison zu verlängern. Erste positive Anzeichen zeigten die 2,5-mal mehr Seitenaufrufe als normal, aber auch die aktuelle Buchungssituation.

Kreisräte sprachen sich für den Zuschuss aus

Der Verband finanziert seine Arbeit – die die Kreistagsmitglieder ausdrücklich lobten – über die Million vom Landkreis, etwa 500 000 Euro von den 35 Kommunen, konkret 12,5 Cent je Übernachtung, sowie Mitteln aus Kooperationen. Für 2021 rechnet der Verband mit Marketingerlösen und Fördermitteln in Höhe von gut 370 000 Euro. Die Finanzspritzen stammen zum Beispiel von Wirtschaftspartnern in der Region und aus Projekten wie „Best for Handbike“, „Rad-Begleitinfrastruktur“ und „Premium-Wanderregion Phase II“ mit Förderquoten verschiedener Herkunft von bis zu 75 Prozent. Diese zusätzlichen Mittel lagen im Jahr 2009 noch bei 187 000 Euro und haben sich somit seither verdoppelt.

Kreisräte aller Fraktionen sprachen sich für den Zuschuss aus. Einzig Dr. Michael Hüller (Bündnis 90/Die Grünen) votierte dagegen – weil eine „freiwillige Leistung“ zeitlich begrenzt sein solle.

Kommunen finanziell mehr heranziehen

Der Zuschuss solle über einen Zeitraum von zehn Jahren abgebaut, die Kommunen finanziell mehr herangezogen werden. Fraktionskollegin Marianne Penn forderte, Dinge immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. Vize-Landrat Sepp Konhäuser (SPD) argumentierte, die Inflation seit 2009 sei bereits eine „Abschmelzung“.

Das Modell der Grundfinanzierung des Verbands Chiemgau Tourismus.

In der Aussprache streiften die Beiträge viele Themen. Josef Mayer (CSU) forderte, der Umsatzeinbruch solle einstellig bleiben. Zu eventuellen Hilfen für die heimische Gastronomie betonte Landrat Walch, es sei schon viel geschehen.

Erinnern an eine „extreme Saison“

Johann Schild (SPDplus) signalisierte Zustimmung zu der Zuschuss-Million – wegen des wirtschaftlichen Gesichtspunkts und der Steigerung der Lebensqualität in der ganzen Region: „Jeder Bürger hat Vorteile, wenn wir Radwege, Wanderwege, Bergbahnen, Freizeiteinrichtungen und Loipen haben. Das ist dem Tourismus zu verdanken.“ Die Produktentwicklung habe den Kreis „unheimlich weitergebracht“, unterstrich Manfred Kösterke (FW/UW).

Man sei auf einem nachhaltigen Weg mit sanftem, verträglichem Tourismus. Die Radwege seien eine Freude für Gäste wie Einheimische, freute sich Dr. Michael Hüller (Grüne).

Die Saison spürbar verlängern

Dem nördlichen Landkreis, der auch einiges zu bieten habe, wünschte Johann Schild, „mehr Beachtung“. Eine spürbare Saisonverlängerung wünschte sich Christoph Treiner (Junge Liste). Dr. Ute Künkele (ÖDP) verwies auf ihre anfängliche Skepsis, eine so große Summe in den Chiemgau-Tourismus zu stecken.

Inzwischen sei sie anderer Meinung. Eine Saisonverlängerung könne durch Rad- und Wanderwegkonzepte erreicht werden. Von einer „extremen Situation“ sprach Heinz Wallner (Bayernpartei): „Erst war alles fast tot. Dann kamen sehr viele Touristen und zusätzlich noch Tagesausflügler aus Starnberg. Manche Gäste wollten bei uns Ballermann veranstalten. Das war sehr grenzwertig.“

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