Chiemgau: Garten Eden unter dem Hammer - „Jesus vom Monopteros“ darf vorerst bleiben

Ein verwunschenes Dornröschenschlossoder eine Müllhalde oder Beides. Das versteigerte Anwesen, welches in den 50er Jahren der berühmte Chiemseemaler Rudolf Sieck bewohnt hat und das der „Verschenk-Visionär“ Karl Heinz Danguillier demnächst wird räumen müssen. Auer
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Ein verwunschenes Dornröschenschloss oder eine Müllhalde? Das versteigerte Anwesen, welches in den 50er Jahren der berühmte Chiemseemaler Rudolf Sieck bewohnt hat und das der „Verschenk-Visionär“ Karl Heinz Danguillier demnächst wird räumen müssen.
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Ein seltsamer „Heiliger“ saß im Gerichtssaal 112 im Rosenheimer Amtsgericht. Grauer Bart und Haupthaar und eine orangefarbene Fleece Hose komplettierten die Aufmachung von Karl Danguillier. Seine Bleibe wurde zwangsversteigert. Der neue Besitzer lässt ihn aber bis auf Weiteres in Meisham wohnen.

Chiemgau/Maisham – Karl Heinz Danguillier hat ein bewegtes Leben mit wohl etlichen Offenbarungen hinter sich. Als erfolgreicher Medien-Unternehmer produzierte er in den 80er-Jahren Musikvideos mit der Pop-Band Alphaville. Er war einer der ersten Werbeproduzenten für McDonald in Deutschland.

Zufällig in Eggstätt gelandet

Angeblich verschenkte er 1989 an die zwei Millionen Mark an Freunde und Kinder und zog danach mit seiner Habe auf einem Sackkarren durch Oberbayern. In München war er bekannt als der „Jesus vom Monopteros“. Er hat sogar in dem Film das „Weiße Rauschen“ Jesus dargestellt. Auf seinen Wanderungen durch den Chiemgau traf er auf die Besitzerin des Anwesens bei Eggstätt, die er als Anhängerin gewann und die ihm dort eine dauerhafte Bleibe bot.

Bekannt war das Haus geworden, weil der berühmte Chiemseemaler Rudolf Sieck in den 50er-Jahren bis zu seinem Tode dort lebte. Danach hatte die Erblasserin das Grundstück erworben. Als diese nun 2015 verstarb vermachte sie das Anwesen zu gleichen Teilen an den von ihr verehrten Danguillier (64) und an die langjährige Freundin Gräfin Lambsdorf.

Ein Schuldner im "Garten Eden"

Im April 2016 bot die Miterbin dem Sonnenanbeter und „Verschenk-Visionär“ an, ihren Anteil zu erwerben. Bei einem Schätzwert von etwa 700.000 Euro einigte man sich auf eine Summe von 345.000 Euro. Im Gegensatz zu Danguillier hielt sie nichts vom Verschenken. Weil ihr Miterbe aber bis dato nicht einen Cent bezahlt hatte kam es nun zur Zwangsversteigerung. Mit großer Geste erklärte der säumige Schuldner, dass es hier um den Garten Eden gehe und dass dieser mit derart schnödem Mammon nicht erworben werden könne.

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Der Gerichtssaal platzte schier aus den Nähten. Kaufinteressenten und Neugierige saßen dicht gedrängt und die Türen mussten offenbleiben, weil etliche Zuschauer im Saal keinen Platz mehr gefunden hatten.

Danguillier will gegen die Zwangsversteigerung vorgehen

Rechtspfleger Staudenhöchtl eröffnete die Versteigerung mit den notwendigen Erläuterungen. Wobei Danguillier nochmals mit großer Deklamation einwendete, dass er gegen diese Versteigerung Rechtsmittel einlegen werde. „Der Garten Eden kann unmöglich das Opfer einer solch profanen Veranstaltung werden.“

Im August 2019 war Danguillier noch davon ausgegangen, die Zwangsversteigerung sei abgewendet (Video)

Zurück zur Zwangsversteigerung: Der „Garten Eden“ macht zwischenzeitlich einen derart verwahrlosten Eindruck, dass der frühere Wert kaum noch würde erzielt werden können. Nachdem ihn der Rechtspfleger auf die spätere Möglichkeit der Beschwerde hingewiesen hatte nahm die Versteigerung ihren Lauf.

Letztes Gebot für den "Garten Eden": mehr als eine halbe Million Euro

Mindestgebot war die Summe von 193.900 Euro, welche als Anfangsgebot schnellstens obsolet geworden war. Binnen einer Stunde boten von anfänglich 15 Bietern zunächst noch vier Bewerber und schließlich noch zwei Ehepaare, bis das letzte Gebot bei 521.000 Euro Bestand hatte.

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Dass daraus sich noch ein zähes Ringen entwickeln würde, musste den erfolgreichen Bietern klar sein. Nicht nur dass Danguillier mit seiner Beschwerde den Ablauf zunächst bremsen kann, auch sind noch zwei Mieter in dem Anwesen gemeldet, deren man sich auch noch entledigen muss. Mittlerweile hat das Areal einen neuen Eigentümer. Der Außenbereich wurde „entwildert“ und der Garten gepflegt.

Danguillier darf vorerst bleiben

Danguillier hatte nach der Versteigerung gegen diese Beschwerde eingelegt. Er nahm sie allerdings zurück. Denn die neuen Besitzer haben ihm dem Vernehmen nach bis auf Weiteres erlaubt, Haus und Garten zu nutzen.

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