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Chiemgau-Chor Traunstein: „Das Singen fehlt den Menschen sehr“

Eine Aufführung des Chiemgau-Chors aus früheren Tagen mit Michael Felsenstein als Dirigent. War das ursprüngliche Repertoire eher geistlich geprägt, ist es heute breit und vielfältig angelegt.
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Eine Aufführung des Chiemgau-Chors aus früheren Tagen mit Michael Felsenstein als Dirigent. War das ursprüngliche Repertoire eher geistlich geprägt, ist es heute breit und vielfältig angelegt.
  • vonChristiane Giesen
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Seit Monaten gibt es weder Proben noch Konzerte. Ein Gespräch mit dem Vereinsvorsitzenden Rudi Obermaier.

Traunstein – „Unser Chor hat nicht nur ein musikalisches Ziel, sondern auch ein soziales“, betont Rudi Obermaier, denn für viele der 54 Chormitglieder seien bislang die Proben Höhepunkt der Woche gewesen. Das bestätigt auch Sepp Jaud, stellvertretender Vorsitzender. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer liege bei 65 Jahren, viele von ihnen seien allein stehend und im Chor hätten sich viele freundschaftliche Beziehungen gebildet.

Stille statt Operetten und Oratorien

Mit 23 Sopranstimmen, 20 Alt-, sechs Tenor- und fünf Bassstimmen ist der Chiemgau-Chor gut bestückt. Das Repertoire reicht von Operetten, Opernarien, Oratorien und Liedern bis zu englischen Songs. Für den Sommer steht zum Beispiel Johann Strauß´ „Zigeunerbaron“ auf dem Programm. Im jüngsten Advent sollte das Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saens gesungen werden. Solch anspruchsvolle Werke sind möglich, weil im Amateur-Chor auch herausragend gute Sänger zu finden sind, die die solistischen Beiträge sehr gut bewältigen können.

Gute Solisten und langjährige Erfahrung beim Chiemgau-Chor in Traunstein

Bei den Damen ist das zum Beispiel Christa Huber, die seit vielen Jahren Soli singt, bei den Herren unter anderem Hans Schuster, Richard Eschlbeck oder die beiden Vorsitzenden, die ihre Stimmen auch bei Chorleiter Michael Felsenstein ausbilden lassen. Dieser ist mit einer Unterbrechung seit 2001 Leiter des Chors. Vor ihm waren dies Augustin Spiel, Helma Tschofen und Irmgard Belser. Felsenstein hat langjährige Erfahrung als Sänger, Regisseur und Komponist. Unter anderem unterrichtet er Musik am Heilpädagogischen Zentrum in Ruhpolding und bildet Gesangsschüler aus. Das Repertoire richtet sich nach dem Geschmack von Publikum und Sängern, aber auch nach den Vorlieben des Chorleiters.

Bis zu 1800 Zuhörer beim Adventssingen

Der Chiemgau-Chor ist der älteste und einzige noch aktive Laienchor der Großen Kreisstadt. Gegründet 1911 als jüngster von vier Männerchören in Traunstein, kamen neun Jahre später auch Frauen dazu. In der Nazizeit kam das erzwungene Aus des Vereins, 1947 nahm er unter dem Namen „Gesangverein 1911“ seine Arbeit wieder auf. Vor Jahrzehnten wurde viel alpenländisches Liedgut gesungen, und der Chiemgau-Chor war damals vor allem durch sein Alpenländisches Adventsingen in der Chiemgauhalle mit bis zu 1800 Zuhörern bekannt. Es war das größte seiner Art zwischen München und Salzburg. Während vormals mehr geistliches Liedgut gesungen wurde, legt Felsenstein den Schwerpunkt auf Operettenmelodien, aber auch moderne Chorliteratur, manchmal einen Beatle- oder Goysern-Song.

Neue Stimmen sind willkommen

Trotz der normalerweise vielen Veranstaltungen ist die finanzielle Lage des Vereins nicht einfach. Die Mitglieder bezahlen einen geringen Jahresbetrag, wovon wieder einiges an den Bayerischen Sängerbund abgeführt werden muss. Chorleiter, Notenmaterial, Saalmieten, Solisten, GEMA-Gebühren und vieles mehr müssen bezahlt werden.

Mit Blick auf die Zukunft sagen die Vorsitzenden, dass der Chor neue Stimmen sucht. „Am liebsten ist es uns, wenn jemand jung kommt und bei uns alt wird. Aber wir freuen uns über jeden“, sagt Rudi Obermaier. Wenn wieder geprobt wird, können Interessierte unverbindlich teilnehmen, oder sich an Obermaier, Telefon 08661/8066 oder Jaud, 0861/23485980 wenden.

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