Außergewöhnliches Jubiläum

Burgi Hillebrand arbeitet seit 60 Jahren für die Ruhpoldinger „Post“

Seit rekordverdächtigen 60 Jahren ist Burgi Hillebrand (Mitte) im Hotel „Zur Post“ in Ruhpolding beschäftigt. Ihre Chefs Agnes und Rudi Rechl wissen, was sie an ihrem „Diamanten“ haben.
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Seit rekordverdächtigen 60 Jahren ist Burgi Hillebrand (Mitte) im Hotel „Zur Post“ in Ruhpolding beschäftigt. Ihre Chefs Agnes und Rudi Rechl wissen, was sie an ihrem „Diamanten“ haben.

Wenn ein Paar diamantene Hochzeit feiert, ist das schon etwas besonderes. Burgi Hillebrand aus Ruhpolding erweist ihrem Arbeitgeber bereits seit 60 Jahren die Treue – das ist ihre Geschichte.

von Ludwig Schick

Ruhpolding – Das macht ihr so schnell niemand nach: Seit 60 Jahren, also seit dem 16. Oktober 1960, hält Frau Burgi Hillebrand dem Hotel „Zur Post“ im Herzen der Tourismusgemeinde Ruhpolding die Treue. Die engagierte Buchhalterin und Bürokraft für alle Lagen dürfte damit zu den wenigen gehören, die diesen außergewöhnlichen Rekord geschafft hat. Jetzt wurde Burgi Hillebrand von ihren Chefs, dem Hoteliers-Ehepaar Rudi und Agnes Rechl und im Beisein eines kleinen Kollegenkreises, darunter auch ihr Nachfolger Richard Christofori, gebührend für die jahrzehntelange Loyalität und Unterstützung geehrt.

Eine Ehrenurkunde für die „rechte Hand“

Die „rechte Hand“ der Rechls, wie ihre Chefin sie bezeichnete, nahm sichtlich bewegt in der Hotel-Lounge nicht nur die vielen Glückwünsche, sondern auch die offizielle Ehrenurkunde der Industrie- und Handelskammer aus der Landeshauptstadt entgegen.

Von Krumau nach Bergen

Als wichtige Bezugs- und Vertrauensperson unverzichtbar, immer zur Stelle, wenn man sie braucht, allseits beliebt und geschätzt bei Gästen und Kollegen – so charakterisierte Agi Rechl einige Wesenszüge der langgedienten Mitarbeiterin. Über die sechs Jahrzehnte hinweg hatte sich nach und nach ein besonderes, freundschaftliches Verhältnis mit der gesamten Familie Rechl entwickelt, das bis in die heutige dritte Generation ungebrochen anhält.

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Burgi Hillebrand kann sich noch gut an ihren ersten Arbeitstag im Oktober 1960 beim „Posthalter“ erinnern. Alles war neu für sie. Ihre Familie stammte aus dem Kreis Krumau. Als Heimatvertriebene hatten sie den Böhmerwald verlassen müssen, landeten auf der Flucht über mehrere Stationen zuerst in Landshut, ehe sie in Bergen eine neue Bleibe fanden.

„Eine große Familie“

Nach dem Besuch der Dr. Kalscheuer-Handelsschule in Traunstein holte sie sich ihr berufliches Rüstzeug in der Auto-Firma Kainz in der Wasserburger Straße. Zu den Rechls kam sie über die Vermittlung einer Schulfreundin. Bis zu ihrer Heirat 1975 wurde die „Post“ ihr Lebensmittelpunkt, wo sie, wie damals üblich, Kost und Logis an der neuen Arbeitsstelle erhielt. „Wir mussten damals viel arbeiten, aber man hat das gerne gemacht“, denkt Burgi Hillebrand zurück.

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Sie fühlte sich vom ersten Tag an gut aufgenommen im Betrieb. Wie in einer großen Familie. „Unsere Chefin war eine Seele von Mensch, das tat dem Betriebsklima unwahrscheinlich gut“, schwärmt sie im Rückblick über die soziale Einstellung, für die Elisabeth und Rudi Rechl sen. bekannt waren.

Konzerte und Home Office

Mit Elisabeth Rechl teilte sie auch ihre Vorliebe für Kunst und Musik, und so konnten beide durch die gemeinsamen Konzertausflüge in die Umgebung, nach Salzburg oder zu den Seefestspielen nach Mörbisch wieder Kraft tanken für den beruflichen Alltag. Der ließ sie selbst dann nicht los, als sich zwei Mal Nachwuchs ankündigte.

Ehe die junge Mutter lange überlegen konnte, stand das nötige Equipment bei ihr zu Hause im Büro. „Home-Office“ gab’s also in Ruhpolding auch damals schon! Somit konnte Burgi Hillebrand Beruf, Familie und Haushalt ideal miteinander verbinden.

Ein E-Bike zum Jubiläum

Auch persönliche Schicksalsschläge meisterte man zusammen. Als Burgis Ehemann Josef viel zu früh mit 66 Jahren starb, waren die Rechls an ihrer Seite. Als es um die Gesundheit von Seniorchefin Elisabeth Rechl nicht mehr zum Besten bestellt war, äußerte diese die Bitte: „Gell Burgi, bleiben’s fei da, solange ich leb.“ Denn „gesiezt“ hat man sich bis zuletzt – trotz aller gemeinsamen Interessen und Vertrautheit. Das Versprechen hat Burgi Hillebrand im vergangenen Jahr einlösen müssen: Elisabeth Rechl verstarb im Alter von 86 Jahren.

Sportlich kann die eifrige Dienstags-Turnerin nun in Zukunft noch eins draufsetzen: Mit dem flotten E-Bike der Marke „Diamant“, das sie zu ihrem rekordverdächtigen Betriebsjubiläum geschenkt bekam. Sicher haben die Rechls beim Kauf daran gedacht, welchen Diamant sie mit Burgi Hillebrand in ihrem Betrieb beschäftigen.

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