Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Bundestagswahl 2021 – Wahlkreis Traunstein (225)

Die Direktkandidaten im großen OVB-Check: Dr. Bärbel Kofler (SPD)

Bundestagswahl 2021: Bärbel Kofler tritt für die SPD als Direktkandidatin im Wahlkreis Traunstein an.
+
Bundestagswahl 2021: Bärbel Kofler tritt für die SPD als Direktkandidatin im Wahlkreis Traunstein an.

Am 26. September ist Bundestagswahl. Im Wahlkreis Traunstein, zu dem auch das Berchtesgadener Land zählt, treten 13 Kandidaten für das Direktmandat an. Hier stellen sie sich den Menschen in der Region vor, nehmen zu aktuellen politischen Themen Stellung und beantworten persönliche Fragen. An dieser Stelle: Dr. Bärbel Kofler (SPD).

Hinweis in eigener Sache: Unsere Redaktion hat allen Kandidaten die gleichen Fragen gesendet. Wir haben es den Kandidaten überlassen, auf welche Fragen sie wie ausführlich antworten. Wir veröffentlichen die Antworten ungekürzt. Sprache und Inhalt liegen ausschließlich in Verantwortung der Kandidaten. Die Redaktion macht sich keine der Aussagen zu eigen.

Steckbrief Dr. Bärbel Kofler

  • Partei: SPD
  • Alter: 54 Jahre
  • Wohnort: Traunstein
  • Beruf: promovierte Sprachwissenschaftlerin, Touristikerin, seit 2004 im Bundestag
  • Familienstand: keine Angabe
  • Hobbys: In meiner zeitlich sehr begrenzten Freizeit kümmere ich mich um meine Pflanzen auf dem Balkon, genieße gute Bücher und bin gerne auf Reisen. Im Sommer findet man mich öfter in einem der vielen schönen Biergärten in der Region.

Zum Bundestagswahl-Spezial und allen weiteren Kandidaten:

> auf chiemgau24.de

> auf BGLand24.de

> auf ovb-online.de

Dr. Bärbel Kofler: Als gebürtige Freilassingerin lebe ich seit über zehn Jahren in Traunstein. Nach dem Abschluss meiner Ausbildung als Bankkauffrau machte ich auf dem zweiten Bildungsweg mein Fachabitur, schloss ein FH-Studium der Informatik ab und promovierte in Salzburg als Sprachwissenschaftlerin. Mehrere Jahre arbeitete ich im Tourismus sowie für den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) an einer Moskauer Universität und danach einer Zivildienstschule in Bayern.

2004 rückte ich dann in den Bundestag nach. Dort war ich im Umweltausschuss, im Finanzausschuss und im Entwicklungsausschuss tätig, in letzterem mehrere Jahre als Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion. Aktuell bin ich Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und seit 2016 die Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe.

Meine politischen Ziele: Wandel in der Arbeitswelt, Globalisierung, Klimaschutz und Digitalisierung. Wir stehen vor Veränderungen in unserer Gesellschaft, die ich sozial gerecht gestaltet sehen will. Gute und faire Arbeitsbedingungen sind mir dabei sehr wichtig. Bei uns in der Region und weltweit. Wer den ganzen Tag arbeitet, muss von seiner Arbeit ohne zusätzliche Unterstützung leben können. Die Rente muss ein Alter in Würde ermöglichen. Ein wichtiger Schritt war deshalb die Einführung der Grundrente. Der gesetzliche Mindestlohn muss auf mindestens zwölf Euro angehoben werden. Ich setze mich ein für soziale Sicherheit und bezahlbaren Wohnraum für alle, sowie ressourcenschonenden Umgang mit unserer Natur.

Deutschland muss die Energiewende als Industrienation gelingen. Der sozial gerechte Umbau Deutschlands zur Klimaneutralität bis spätestens 2045 geht nur mit der SPD.

Der Erhalt und Ausbau unserer Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen ist unerlässlich. Wichtig ist ein solidarisches Gesundheitssystem, eine echte Bürgerversicherung, in die alle einzahlen und von der alle profitieren. Außerdem sollen unsere Bildungseinrichtungen fit für die digitale Zukunft werden.

Soziale Gerechtigkeit weltweit ist mir in meiner Arbeit im Auswärtigen Ausschuss und als Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung sehr wichtig. Ein Beispiel: Ich kämpfe für gesetzliche Regelungen zum Schutz von Beschäftigten in den globalen Lieferketten.

Thema Corona

Unsere Fragen an Dr. Bärbel Kofler

  • Mit welchen Szenarien und Folgen rechnen Sie Ende 2021 und 2022? Wie sieht Ihre Corona-Strategie aus?
  • Wie hat Corona Ihr Denken und Handeln verändert? Warum spaltet Corona die Gesellschaft?

Wir kommen nur zusammen aus der Krise

Die Bewältigung der Corona-Pandemie ist für uns alle eine große Herausforderung. Für viele Bürgerinnen und Bürger, aber auch Unternehmen bedeutet diese Krise harte Einschränkungen. In den nächsten Monaten werden hoffentlich die Beschränkungen des öffentlichen und des privaten Lebens Zug um Zug zurückgenommen werden können. Aber auch dann werden uns die Auswirkungen der Corona-Pandemie noch beschäftigen. Das betrifft die Arbeitswelt, die Wirtschaft, aber auch die Gesellschaft.

Ich möchte der fortschreitenden Spaltung in unserer Gesellschaft eine klare Botschaft entgegensetzen: Wir kommen nur gemeinsam aus der Krise. Wir brauchen ein flächendeckendes und möglichst unkompliziertes Impfangebot, das die Menschen dort abholt, wo sie sind. Und wir dürfen nicht nachlassen, die Bürgerinnen und Bürger über alle Kanäle über die Gefahren von Covid-19 und die Vorteile von Schutzmaßnahmen und Impfungen aufzuklären und zu informieren.

Eine weitere wichtige Lehre aus der Krise ist, dass es auf den Sozialstaat ankommt. Ein handlungsfähiger Sozialstaat und die richtigen Investitionen in der Wirtschaft, im Gesundheitssystem, im Bildungssystem, in der Justiz und anderen Bereichen sind wichtig, um gut durch die Krise und auch dauerhaft gestärkt aus ihr herauszukommen. Solidarität und Respekt für demokratische Institutionen entstehen durch mehr Transparenz und Beteiligung. Dafür setze ich mich ein.

Thema Klimawandel

Unsere Fragen an Dr. Bärbel Kofler

  • Der Klimawandel bedroht Mensch und Natur. Was ist zu tun? In der Welt, in Brüssel, in Berlin und München?
  • Aber auch in der Region, vor der Haustür oder im eigenen Haushalt?

Alle Länder müssen mitziehen

In der Klimapolitik ist das Nationale immer auch eng mit dem Internationalen verbunden und sollte nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens und die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels sind im Interesse aller Menschen weltweit. Den Klimawandel und seine negativen Folgen können wir nur gemeinsam bekämpfen.

International ist es daher wichtig, dass Deutschland sich ambitioniert für mehr Klimaschutz und weltweit für die Reduzierung des Treibhausgasausstoßes einsetzt und gerade die Länder des Globalen Südens, die besonders unter den Folgen des Klimawandeln leiden werden, bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen.

National kommt es darauf an, dass unser Strom zukünftig vollständig aus erneuerbaren Energien, vor allem Wind und Sonne, kommt. Bis spätestens 2045 soll Deutschland klimaneutral sein. Das bedeutet, dass das Leben, Arbeiten und Wirtschaften bei uns keine negativen Auswirkungen mehr auf das Klima haben soll.

Mit einer Verkehrswende bis 2030 in Deutschland soll das modernste und klimafreundlichste Mobilitätssystem Europas geschaffen werden.

Ich setze mich für mehr Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Stromnetze ein, für neue Stromspeicher und eine nachhaltige Wasserstoffproduktion. Das sichert auch neue Arbeitsplätze in Zukunft.

Thema Tourismus

Unsere Fragen an Dr. Bärbel Kofler

  • Corona hat die Tourismusbranche und Gastronomie schwer getroffen. Was muss die Politik tun, damit diese Bereiche weiter im internationalen Wettbewerb bestehen können?

Inlandtourismus hat Zukunft

Ich setze mich auch weiterhin dafür ein, dass die Wirtschaftsbereiche unterstützt werden, die in der Corona-Pandemie zugunsten der Gesundheit aller besondere Einbußen hinnehmen mussten. Das gilt für die Tourismusbranche ebenso wie für das Hotel- und Gaststättenwesen.

Tourismus, inklusive des Gastgewerbes in unserer Region, ist ein wichtiger Wirtschaftszweig, der vor allem durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der kleinen und mittelständischen Unternehmen getragen wird. Tourismus ist ein wichtiges Standbein der Wirtschaft hier im südlichen Oberbayern, er hilft Infrastrukturen zu halten und Arbeitsplätze vor Ort zu bewahren oder zu schaffen. Aber die Branche steht nicht nur durch die Folgen der Corona-Pandemie vor erheblichen Herausforderungen, wie ich aus vielen Gesprächen hier vor Ort weiß. So kämpft sie unter anderem mit dem Fachkräftemangel. Ich halte es für ganz wichtig, dass wir uns ressortübergreifend zusammen mit der Branche weiterhin bei der Begleitung der Umsetzung der nationalen Tourismusstrategie diesen Themen als Zukunftsaufgaben für die Branche annehmen.

Viel stärker als bisher wird sich der Fokus auf den inländischen Tourismus richten, das zeigen die Entwicklungen der letzten anderthalb Jahre. Darin steckt eine Chance, diesen zentralen Wirtschaftszweig nachhaltig, klimabewusst und modern auszurichten.

Thema Demokratie und Stabilität

Unsere Fragen an Dr. Bärbel Kofler

  • Sind die Menschen wirklich demokratiemüde und empfänglich für neuen Extremismus und Populismus?
  • Wie steht es um Stabilität, Toleranz und Konsensfähigkeit im Land?

Demokratieförderung als Daueraufgabe

Die meisten Bürgerinnen und Bürger in unserem Land eint das Bedürfnis nach Respekt, Zusammenhalt und Zuversicht. Aber schwierige Zeiten erhöhen den Wunsch vieler Menschen nach einfachen Antworten. Ich bin überzeugt, dass die Menschen nicht demokratiemüde sind, aber dass Desinformationskampagnen, Fake News und Hassreden Spuren hinterlassen. Dieser Gefahr müssen wir uns mit aller Kraft entgegenstemmen.

Folgende Maßnahmen sind aus meiner Sicht wichtig:

Ich setze mich dafür ein, dass gegen Terror und Gewalt mit aller Konsequenz und Härte vorgegangen wird. Dafür haben wir die gesetzlichen Grundlagen geschaffen. Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus in der gesamten Gesellschaft müssen konsequent bekämpft werden. Es freut mich, dass ich Patin von zwei „Schulen ohne Rassismus – Schule mit Courage“ in Siegsdorf und Traunreut sein darf. Denn auch in Schule und Alltag ist der Einsatz für Demokratie und Menschenrechte wichtig.

Demokratieförderung ist eine Daueraufgabe. Deshalb setze ich mich für ein Demokratiefördergesetz ein, mit dem Vereine, Projekte und Initiativen langfristig gefördert werden. Damit kann man auch perspektivisch demokratische Strukturen unterstützen und Extremismus entgegengenwirken. Ich möchte denen den Rücken stärken, die sich für eine offene, vielfältige Gesellschaft und ein friedliches Miteinander einsetzen. Gesellschaftlicher Zusammenhalt und der Kampf gegen Rechtsextremismus entscheiden sich vor allem vor Ort – da, wo Nachbarn und Dorfgemeinschaften zusammenkommen.

Thema Wohnraum und Mieten

Unsere Frage an Dr. Bärbel Kofler

  • Zur Lebensqualität gehört Wohnen. Speziell im Raum Rosenheim wird Wohnraum immer knapper, das Wohnen immer teurer. Wie kann man diese Entwicklung stoppen?

400.000 neue Wohnungen pro Jahr

Wohnungsnot und zu hohen Mieten muss man aktiv entgegenwirken. Dabei helfen der Bau von bezahlbarem Wohnraum und ein Mietenstopp:

Ich setze mich deshalb zum einen dafür ein, 400.000 Wohnungen pro Jahr – davon 100.000 öffentlich gefördert – neu zu bauen. Sie kommen Mieterinnen und Mietern mit geringerem Einkommen zugute. Denn als attraktive Zuzugsregion brauchen wir bezahlbaren Wohnraum für alle in unserer Region!

Zum anderen sollte dort, wo es nötig ist, als Übergangslösung ein zeitlich befristeter Mietenstopp eingeführt werden. Das heißt: Mieten dürfen nur noch an die Inflationsrate angepasst werden. Es muss dafür gesorgt werden, dass Bund, Länder und Kommunen öffentliches Eigentum an Grundstücken sichern und vermehren. So werden die Spekulationen mit Grund und Boden gestoppt.

Ich setze mich dafür ein, dass der Erwerb von Genossenschaftsanteilen in angespannten Wohnlagen erleichtert wird, Mietkaufmodelle gefördert werden und ein Programm „Jung-Kauft-Alt“ aufgelegt wird. Das verhindert den Leerstand von Häusern und Wohnungen in den Ortskernen. Ich bin dafür, dass der CO2-Preis von den Vermieterinnen und Vermietern getragen wird und entsprechende gesetzliche Regelungen geschaffen werden. Für einen neuen Aufbruch für bezahlbaren Wohnungsbau werden starke Partner gebraucht. Ich unterstütze deshalb die Initiative für ein neues „Bündnis für bezahlbaren Wohnraum“.

Thema Familie

Unsere Fragen an Dr. Bärbel Kofler

  • Die Gesellschaft wird immer älter – auch im Zuzugsraum Rosenheim. Was kann die Politik leisten, damit wieder mehr junge Menschen eine Familie gründen?
  • Wie wollen Sie zum Beispiel eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie erreichen?

Vier Säulen für mehr Familienzeit

Unter anderem meine regelmäßigen Gespräche mit Betriebsrätinnen und Betriebsräten aus der Region zeigen mir, dass die gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf den Menschen bei uns sehr wichtig ist. Dafür brauchen wir gute Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, aber auch mehr Unterstützung, wenn neben der Kindererziehung noch Alltagshilfe oder Pflege für ältere Angehörige zu leisten ist.

Deshalb setze ich mich für die Einführung eines Vier-Säulen-Modells für mehr Familienzeit ein. Was heißt das konkret?

Erstens soll der Vater beziehungsweise der oder die Partner*in zwei Wochen Elternschaftszeit bekommen und damit die Möglichkeit, sich direkt nach der Geburt des Kindes für zwei Wochen ausschließlich um die Familie zu kümmern und dabei sozial abgesichert zu sein. Zweitens eine Familienarbeitszeit, die aus dem derzeitigen Partnerschaftsbonus beim „Elterngeld Plus“ eine flexible, geförderte Elternteilzeit nach dem ersten Lebensjahr eines Kindes macht. Wenn in Paarfamilien beide Elternteile gleichzeitig oder Alleinerziehende ihre Arbeitszeit reduzieren, sollen sie jezehn Monate Elterngeld Plus erhalten – mindestens 200 und höchstens 900 Euro. Drittens die dauerhafte Ausweitung der pandemiebedingt erhöhten Kinderkrankentage auf 20 Tage pro Kind, Jahr und Elternteil. Und viertens eine Familienpflegezeit mit einem Teillohnersatz für bis zu 15 Monate.

Wichtig ist mir, dass Unternehmen auch gezielt Männer ermutigen, diese Modelle zu nutzen.

Thema Rente 

Unsere Fragen an Dr. Bärbel Kofler

  • Die Alterspyramide in Deutschland bedroht die Stabilität und die Höhe der Rente. An welchen Stellschrauben muss die Politik drehen, damit zunehmende Altersarmut und eine Überlastung der Beitragszahler vermieden werden?
  • Wie kann der Staat für Generationengerechtigkeit sorgen?

48 Prozent sind das Minimum

Aktuelle Sozialraumanalysen sagen auch für unsere Region eine wachsende ältere Bevölkerungsgruppe voraus. Daher ist es wichtig, dass die gesetzliche Rente als ein zentrales Versprechen unseres Sozialstaates erhalten bleibt. Für Jung und Alt muss gelten, dass man nach einem Leben voller Arbeit eine ordentliche Rente bekommt.

Der beste Weg, die Renten stabil zu halten, sind steigende Löhne und zukunftsfeste Arbeitsplätze. Dafür werde ich mich mit der SPD-Bundestagsfraktion einsetzen. Und: Eine Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters lassen wir nicht zu. Wir sichern den Lebensstandard und verhindern Altersarmut durch ein stabiles Rentenniveau von mindestens 48 Prozent und die Zusammenlegung der Sondersysteme mit einer Garantie für die erworbenen Ansprüche.

Mit der Grundrente bekommen die langjährig Versicherten mit niedrigen Einkommen ebenfalls eine höhere Rente. Die private und betriebliche Vorsorge kann die gesetzliche Rente nur ergänzen, nicht ersetzen.

Welches Thema liegt Bärbel Kofler besonders am Herzen?

Von Corona über Klimawandel bis zum Schutz der Demokratie: In unserem Kandidatencheck haben wir die zwölf Bewerber für den Bundestag im Wahlkreis Rosenheim mit vielen Fragen konfrontiert. Das letzte Wort haben die Kandidaten selbst – mit einem Thema ihrer Wahl, das ihnen besonders am Herzen liegt.

Lieferkettengesetz schafft Fairness

Das Lieferkettengesetz! Im Bundestag habe ich mich seit langem für verbindliche Regeln im Bereich Menschenrechte und Wirtschaft eingesetzt. Im Juni dieses Jahres war es dann endlich soweit: Der Deutschen Bundestag hat das Lieferkettengesetz verabschiedet. Damit haben wir in Deutschland einen echten Paradigmenwechsel eingeleitet: Weg von den bisherigen rein freiwilligen Maßnahmen hin zu verbindlichen Regeln.

Erstmals werden deutsche Unternehmen verpflichtet, dass es in ihrer gesamten Lieferkette nicht zu Menschenrechtsverletzungen bei der Herstellung ihrer Produkte kommt. Außerdem werden die Opfer von Menschenrechtsverletzungen und die Zivilgesellschaft durch das Gesetz gestärkt. Künftig können sich Betroffene vor deutschen Gerichten von Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften vertreten lassen und sie zur Prozessführung ermächtigen. Es wird auch erstmals eine umfangreiche behördliche Kontrolle etabliert. Die Behörde kann bei Verstößen geeignete Buß- und Zwangsgelder verhängen.

Aus meiner Sicht ist das Lieferkettengesetz ein echter Meilenstein. Ich freue mich, dass dies auch von vielen Kommunen unterstützt wird. Zahlreiche Kommunen in unserer Region setzen sich bereits für faire, menschenwürdige und ökologische Standards im öffentlichen Einkauf ein und zeigen damit, dass und wie verantwortliche Beschaffung möglich ist.

Ich danke allen engagierten Bürgerinnen und Bürgern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Weltläden und weiteren Unterstützerinnen und Unterstützern in unserer Region für ihren langen und unermüdlichen Einsatz für Menschenrechte und fairen Handel.

Kurz-Interview mit Dr. Bärbel Kofler

Ein Motto, ein Satz oder ein Zitat, das sich Ihnen besonders eingeprägt hat?

Dr. Bärbel Kofler: Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren. (Bertolt Brecht)

Sie steigen in eine Zeitmaschine. Welches Ereignis der Geschichte würden Sie gerne miterleben und warum?

Kofler: Am 19. Februar 1919 bei der Rede von Marie Juchacz in der Weimarer Nationalversammlung. Marie Juchacz sprach dort als erste Parlamentarierin nach der Einführung des Frauenwahlrechts.

Ihr Lieblingsplatz in der Region? Warum?

Kofler: Gerade im Sommer bin ich gerne in einem der vielen schönen Biergärten in unserer Region, dort kann ich mich gut entspannen und komme mit vielen Menschen ins Gespräch.

In welchem Film hätten Sie gerne in welcher Rolle mitgespielt?

Kofler: Eine kleine Rolle in meinem Lieblingsfilm Casablanca wäre nett.

Wie bekommen Sie Politik und/oder Beruf/Familie unter einen Hut?

Kofler: Das ist nicht immer leicht, aber viele lange und intensive Gespräche mit Familie und Freundinnen und Freunden können die Zeit, die ich nicht zuhause in Traunstein sein kann, zumindest teilweise kompensieren.

Ihr politisches Vorbild? Warum?

Kofler: Als Parlamentarierin sind für mich die Frauen, die sich für das Frauenwahlrecht eingesetzt haben und auch heute noch einsetzen, Vorbilder. Ein Beispiel für eine solche Frau ist die Gründerin der Arbeiterwohlfahrt Marie Juchacz.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten drei Dinge beschließen – und alle Staaten dieser Welt müssten sich daran halten. Was würden Sie tun?

Kofler: Ein umfassendes Programm zur Armut- und Hungerbekämpfung weltweit, wirksame Klimaschutzmaßnahmen und die Abschaffung der Todesstrafe.

Wen ertragen Sie nur mit Humor?

Kofler: Humorlose Menschen.

Mehr zum Thema

Kommentare