INTERVIEW

Bürgermeisterin Martina Gaukler (CSU) ein jahr im Amt: „Man rettet sich mit Zuversicht“

Bürgermeisterin Martina Gaukler.
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Bürgermeisterin Martina Gaukler.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
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Seit einem Jahr ist die 46-jährige Martina Gaukler (CSU) ehrenamtliche Bürgermeisterin der 1.200-Seelen-Gemeinde Staudach-Egerndach. Wie sie ihr neues Amt im ersten Jahr erlebt hat, welche Herausforderungen zu bewältigen waren und sind, darüber sprach sie mit den OVB-Heimatzeitungen.

Staudach-Egerndach – Die zweifache Mutter ist weiterhin in Teilzeit in ihrem Beruf als Personalberaterin bei der Agentur für Arbeit in Traunstein tätig, bewältigt gleichzeitig die Herausforderungen im Rathaus.

Frau Gaukler, wie haben Sie Ihr erstes Jahr im Amt erlebt, inwiefern stimmen Erwartungen, Vorstellungen und die Realität überein?

Martina Gaukler: “Ich war vorher schon sechs Jahre lang Zweite Bürgermeisterin und war insofern schon vorbereitet. Tatsächlich ist es aber noch einmal etwas anderes, in der ersten Reihe zu stehen und die Verantwortung zu tragen. Wegen Corona bin aktuell mehr Büromeisterin als Bürgermeisterin. Man rettet sich mit Zuversicht durch diese Zeit.“

Wie prägt die Corona-Pandemie aktuell das Leben in Staudach-Egerndach?

Gaukler: „Das Vereinsleben ist praktisch fast zum Erliegen gekommen. Die Staudach-Egerndacher feiern gerne und die Feste fehlen. Allerdings gab es auch sehr kreative Aktionen, zum Beispiel hat die Musikkapelle einen Online-Adventskalender angeboten und die Jugendbewegung einen Sankt-Martins-Spaziergang und einen digitalen Faschingsball. Da passiert schon was und darauf bin ich stolz.“

Was waren die größten Aufgaben in Ihrem ersten Jahr im Amt?

Gaukler: „Mit Amtsantritt fand gleich der Spatenstich für die Sanierung der Ortsstraße statt, wegen Corona gab es Bauverzögerung. Vom Starkregen Anfang August war die Gemeinde Staudach-Egerndach mit am schlimmsten betroffen. Wir sind bei den Wanderwegen immer noch mit dem Aufräumen beschäftigt.

Wir müssen uns beim Hochwasserschutz besser aufstellen, um größtmögliche Sicherheit bieten zu können. Momentan nehmen wir die Situation der Entwässerungsgräben auf.

Das ist etwas, was ich im Amt gelernt habe: geduldiger zu werden. Die Mühlen mahlen langsam, aber sie mahlen. Es passiert schon etwas, aber es dauert alles seine Zeit.

Wir haben vergangenes Jahr auch in den meisten kommunalen Gebäuden und die Ortsbeleuchtung auf LED umgestellt, um Energie zu sparen. Die Gemeinde hat eine Vorbildfunktion. Die Energiewende ist nur zu schaffen, wenn wir Energie einsparen.“

Apropos große Themen: Wie geht es mit dem Gasthaus zur Mauth im Ortszentrum weiter, das seit Jahren geschlossen ist?

Gaukler: „Dazu kann ich noch nichts Neues berichten.“

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Was sind die großen Themen der nächsten Jahre in Staudach-Egerndach?

Gaukler: „Wir möchten unsere kleine Gemeinde zukunftsträchtig machen. Themen sind der Katastrophenschutz, Glasfaseranschluss für die Grundschule, den Ausbau der Kinderbetreuung und großes Augenmerk auf das Wasser- und Abwasser-Versorgungsnetz. Letzteres ist ein großes Feld, das nie aufhört.“

Wie steht es um das Thema Wohnraum?

Gaukler: „Wohnraum ist immer ein großes Thema. Durch unsere Lage zwischen Berg und Moor haben wir in der Fläche kaum Entwicklungsmöglichkeiten. Jeder Quadratmeter Bauland kann nur einmal bebaut werden, er muss gemäß baurechtlicher Vorgaben möglichst optimal genutzt werden. Die aktuellen Bautätigkeiten drehen sich vor allem darum, bestehenden Wohnraum zu erweitern.“

Frauen sind in diesem Amt immer noch in der Unterzahl. Wie fühlen Sie sich akzeptiert in hauptsächlich männlicher Gesellschaft?

Gaukler: „Ich habe selten das Gefühl, dass das noch ein Thema ist. Ich fühle mich akzeptiert. Lustigerweise habe ich zwölf Männer im Gemeinderat. Wir sind zur Kommunalwahl vergangenes Jahr in Staudach-Egerndach mit einer Einheitsliste angetreten, auf der tolle Frauen kandidiert haben. In den Gemeinderat gewählt wurden nur Männer, dabei wäre die Hälfte der Wählerschaft ist weiblich...“

Welche Veränderungen hat das Bürgermeisteramt für Sie persönlich gebracht?

Gaukler: „Mir ist wichtig, dass meine Familie auf keinen Fall unter dem Amt leiden muss. Es ist eine große Herausforderung, immer wieder alles unter einen Hut zu bringen. Die Wochen vergehen auf jeden Fall wie im Flug. Ich bin auf jeden Fall am 1. Mai bei Amtsantritt nicht aufgewacht und schlauer gewesen (lacht).

Ich möchte die Martina bleiben, die ich bin und weiterhin ganz normal mit den Menschen ratschen. Ich möchte für jeden da sein. Andererseits ist es nicht mein Anspruch, jedermanns Freund zu sein, das geht nicht als Bürgermeisterin. Man muss auch Grenzen setzen.“

Was ist fachlich besonders fordernd am Bürgermeister-Amt?

Gaukler: „Die Vielseitigkeit des Amtes. Man hat mit so vielen verschiedenen Themen zu tun, zum Beispiel Feuerwehrauto, Abwasser, 5G, Kindergarten. Man sollte überall zumindest rudimentäres Wissen haben.“

Was empfinden Sie als besonders schön?

Gaukler: „Das sind die kleinen Dinge, mal ein Lob, dass etwas gut gelaufen ist. Kürzlich hat sich die dritte Klasse mit einem Brief bedankt, weil sie eine neue Schaukel bekommen haben. Das hat ich gefreut und so etwas gibt mir wahnsinnig viel Kraft. Mich freut auch sehr die gute Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und anderen Behörden. Offen zu reden und zu kommunizieren hat sich für mich bewährt.“

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