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Schreiben soll nie angekommen sein

Bürger-Frust: Will sich Priens Bürgermeister vor dem Thema Verkehr drücken?

In Prien wird es schon mal eng, wenn Rad- und Autoverkehr aufeinandertreffen. In einem offenen Brief wandten sich Bürger an Bürgermeister Andreas Friedrich.
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In Prien wird es schon mal eng, wenn Rad- und Autoverkehr aufeinandertreffen. In einem offenen Brief wandten sich Bürger an Bürgermeister Andreas Friedrich.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Ein offener Brief zum Thema Verkehr soll nie angekommen sein – zumindest sagt das der Priener Bürgermeister Andreas Friedrich. Wollte er sich vor dem Thema drücken oder ging der Brief in der Verwaltung unter? So die Frage im Marktgemeinderat Prien.

Prien – Es hat schon in der Schule nicht funktioniert: Zu sagen, man habe die Hausaufgaben nicht machen können, weil man das Arbeitsblatt nicht bekommen hat. In Prien fragt man sich seit der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats, ob Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) womöglich eine ähnliche Strategie angewandt hat. Seine Kritiker sagen, dass er auf einen offenen Brief zum Thema Radverkehr nicht reagiert habe.

Aber von vorne: Schon im Wahlkampf hatte Friedrich betont, dass er den Durchgangsverkehr aus dem Priner Zentrum rausbekommen wolle. So schreiben es vier Familien, die sich am 10. November 2021 in einem offenen Brief an den Bürgermeister wendeten. Das Schriftstück liegt den OVB-Heimatzeitungen vor. Darin heißt es unter anderem: „Nach über einem Jahr stellen wir uns als Priener Bürger und Familien mit Kindergarten- und Schulkindern die Frage: Was ist bisher dazu passiert?“

Mehr Verkehr in Corona-Sommern

Speziell in den Corona-Sommern habe sich die Verkehrssituation noch verschärft. „Sowohl auf der Bernauer- wie auch auf der Hochriesstraße herrscht oft über Stunden zäh fließender Verkehr und das Verkehrsaufkommen war so groß, dass selbst nicht wenige erfahrene, überzeugte Fahrradfahrer sicherheitshalber lieber zu Fuß unterwegs waren“, schreiben die Autoren. Sorgen macht ihnen zudem, dass Kinder in der „untragbaren Verkehrslage im Zentrum Priens“ gefährdet seien – auch wenn sie in der vierten Klasse eine Fahrradprüfung haben.

Den Familien, die den Brief aufgesetzt haben, gehe es um nachhaltige Lösungen und die Sicherheit vieler Priener und ihrer Kinder, sagt Mit-Autorin Melanie Rehn auf Rückfrage unserer Zeitung. Sie wiegelt allerdings ab und sagt, sie wolle Friedrich nicht gleich wegen eines leeren Versprechens aus dem Wahlkampf medial anklagen. Ihr gehe es um die Sache. „Herr Friedrich hat sich in seiner bisherigen Amtszeit verschiedenen Themen gewidmet, aber – so wie es in der Außenwahrnehmung wirkt nicht der Aufgabe, für Prien eine ökologisch nachhaltige, verkehrsberuhigte und -sichere Lösung zu entwickeln und umzusetzen“, sagt Rehn.

Keine Reaktion, weiterer Brief

Nun kommt aber der Umstand dazu, dass es keinerlei Reaktion auf den offenen Brief hin gegeben habe. Aus diesem Grund sammelten die Autoren nach eigenen Angaben 58 Unterschriften von weiteren Priener Bürgern, die sich eine Antwort auf die Frage nach dem Status der Priener Verkehrswende wünschen. Dieser Brief liegt unserer Zeitung ebenfalls vor und ist auf den 2. Mai datiert.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung brachte Dr. Simone Hoffmann-Kuhnt (Grüne) das Thema zur Sprache. Sie leitete ein mit den Worten, sie wolle „etwas Kritisches“ ansprechen und fragte Friedrich nach dem Verbleib der Reaktion auf den offenen Brief vom November 2021. Der Bürgermeister reagierte sichtlich verdutzt und tauschte Blicke mit dem Leiter des Ordnungsamts Donat Steindlmüller aus. „Diese Briefe kenne ich nicht“, sagte Friedrich und hatte auch eine Erklärung parat, wie dies der Fall sein könne. Friedrich vermutet, dass der Brief ihn einerseits nicht erreicht haben könnte, weil das Ordnungsamt schon seit längerer Zeit unterbesetzt sei. „Viele Briefe werden an mich adressiert, aber in anderen Abteilungen bearbeitet“, erklärte Friedrich. Das werde vermutlich auch hier, wenn auch irrtümlich, der Fall gewesen sein.

Das wollte Hoffmann-Kuhnt so nicht stehen lassen: „Der Brief ist an Sie persönlich adressiert gewesen, ich habe hier ein Exemplar vor mir liegen.“ Tatsächlich stand zwar Andreas Friedrich als Adressat auf dem Brief, jedoch nicht mit dem Zusatz „persönlich“.

Friedrich will nun antworten

Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen bedauert Friedrich, nichts von dem Brief gewusst zu haben. „Es tut mir leid, dass es bislang keine Antwort gab“, sagt Friedrich. Diese soll aber nun kommen. Denn im Hintergrund passiere sehr wohl etwas. So habe man unter anderem Ende des Jahres 2020 zwei Grundstücke für die innerörtliche Umfahrung sichern können, hier gebe es auch schon eine ganz grobe Trassenplanung. Friedrich wolle aber auch die Erwartungen etwas dämpfen: „Bei der Staatsstraße hat die Kommune keinen Einfluss.“ Zwar stimme man sich mit dem Landratsamt ab, jedoch sei die Behörde streng an Vorgaben gebunden. „Wenn da ein Zentimeter in der Planung den Vorgaben widerspricht, haut es schon nicht hin“, gibt Friedrich zu Bedenken.

Es solle jedoch trotz seiner Anmerkungen kein falscher Eindruck entstehen. Ihm liege der Radverkehr am Herzen, bekräftigt er: „Der Wille ist da!“ Als Bürgermeister habe er sogar das Stadtradeln in Prien eingeführt.