Zwischen den Jahren

Bücher zum Ab- und Eintauchen, empfohlen von Chiemgauer Buchkennern

Lesestoff in der Piener Buchhandlung Mengedoht: Buchhändlerin Barbara Heigl mit ihrem Lesetipp „ Die Würde des Menschen ist unantastbar“ von Prof. Dr. Gertrud Höhler.
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Lesestoff in der Piener Buchhandlung Mengedoht: Buchhändlerin Barbara Heigl mit ihrem Lesetipp „ Die Würde des Menschen ist unantastbar“ von Prof. Dr. Gertrud Höhler.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Welchen Lesestoff Literaturfreunde aus der Region jetzt empfehlen, erfahren Sie hier - ob Familiengeschichte, Romanbiografie oder Jugendkrimi: Die Experten der Bücherei Prien, der Chiemgauer Buchhandlung Mengedoht und der „Buchhaltestelle“ aus Übersee haben Tipps gesammelt.

Prien – Lesen, lesen, lesen: Was sonst könnte man derzeit Besseres und Friedvolleres mit seiner Freizeit anfangen? Die Chiemgau-Zeitung hat sich unter regionalen Buchkennern umgehört und Tipps gesammelt. Alle Buchhändler bieten einen Bestellservice an, der nur über die Feiertage ruht. Die geschlossene Bücherei Prien empfiehlt für digitale Medien die Plattform Biblioload.

Eine Familiensaga und Frida Kahlo

Priens Büchereileiterin Christina Klasna hat Delia Owens „Der Gesang der Flusskrebse“, Hanser Verlag, auf ihrer Leseliste: „Ein packender Roman bis zur letzten Seite.“ Darin muss sich Außenseiterin Kya, die alleine in der unwirtlichen Marschlandschaft lebt, gegen Mordvorwürfe zur Wehr setzen. Der Roman „Herzfaden“ von Thomas Hettche weckt dagegen bei Klasna Kindheitserinnerungen: Es ist die Familiengeschichte der Oehmichens, den Gründern der Augsburger Puppenkiste, verwoben mit fantastischen Erzählstücken. Begeistert hat Klasna auch die Romanbiografie „Frida Kahlo und die Farben des Lebens“ von Caroline Bernard, atb Verlag. Er nimmt die Höhen und Tiefen der mexikanischen Künstlerin sowie ihre turbulente Beziehung mit dem Maler Diego Rivera in den Blick.

Corona, Dystopien und ein Prachtband

Fünf Empfehlungen kommen von der Buchhandlung Mengedoht, die Filialen in Prien, Marquartstein und Reit im Winkl betreibt.

Stefanie Mengedoht schwärmt für das liebevoll gestaltete Bilderbuch „Ein Märchen im Schnee“ von Loek Koopmans, Verlag Freies Geistesleben: Konzipiert für Kinder ab etwa drei Jahren, geht für sie die Geschichte vom verlorenen Holzfäller-Handschuh, der von Wildtieren bewohnt wird, „direkt ins Herz“, und das unabhängig vom Alter. „Ein Buch, das wir gern Großeltern empfehlen“, pflichtet Buchhändlerin Barbara Heigl ihr bei. Sie selbst hat „Die Würde des Menschen ist unantastbar – Die Corona-Bilanz“, von Professorin Dr. Gertrud Höhler, Heyne Verlag, ausgewählt: „Ich halte Höhler für eine der größten Intellektuellen dieser Zeit, sie beleuchtet die Psychologie des Pandemie-Geschehens aus meiner Sicht ohne Schwarz-Weiß-Denke“, begründet Heigl ihre Buchauswahl.

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Die Renaissane als Wiege der Freiheit

Ihre Kollegin Evelyn Meyer setzt auf den preisgekrönten Lyriker und Übersetzer Tobias Roth, der mit „Die Welt der Renaissance“, Berlin Verlag, einen hochwertigen Bildband vorlegt. „Die Renaissance ist der Ausgangspunkt des freiheitlichen Denkens, und Roth ist es gelungen, ein Sittengemälde der damaligen Zeit aufzuzeigen“, so Meyer. Doch der Prachtband sei mehr als das, Roth habe dafür 350 Texte von 68 Renaissance-Autoren ausgewählt, davon viele erstmals übersetzt. Dystopisch wird es dagegen in Martin Schäubles „Cleanland“, Fischer Verlag, das sich Buchexpertin Amina Omerika als Schullektüre vorstellen kann: „Spannend und hochaktuell sind darin die Folgen einer Pandemie weiter gedacht.“ Im Jugendbuch geht es um den Zwiespalt zwischen den „Gesunden“ und den „Saubermachern“, aber auch um Freundschaft. In die Zukunft gedacht, aber auf satirische Art und Weise, ist Marc-Uwe Klings „Qualityland 2.0“, Ullstein Verlag, das Mengedoht-Azubi Andreas Heissler empfiehlt. Es ist der zweite Teil des Bestsellers für erwachsene und jugendliche Leser, in dem es um eine algorithmusgesteuerte Welt geht, in der Maschinenverschrotter Peter die Abgründe dieses Systems entdeckt. „Man sollte den ersten Teil idealerweise kennen“, meint Heissler.

Abenteuer-Roadtrip und die Inselbande

Eines der schönsten Bücher derzeit, findet Sabine Kestler von der „Buchhaltestelle“ aus Übersee, ist „Was der Fluss erzählt“ von Diane Setterfield, Blessing Verlag: „Eine zauberhafte Erzählung aus dem England des späten 19. Jahrhunderts“, die sich um ein ganz besonderes Mädchen dreht. Jugendlichen empfiehlt Kestler „Kurve kriegen“ von Hans-Jürgen Feldhaus, dtv Verlag. Der Roadtrip von fünf Jugendlichen mit einem Wolfshund sei abenteuerlich und witzig erzählt. Der Kinderkrimi „Die Fraueninsel-Bande – Die rätselhafte Entführung der Maria aus dem Weihnachtskripperl“ von Wilma Frech und Stefanie Dirscherl, Chiemgauer Verlagshaus, findet die Buchhändlerin, ist auch unabhängig von Weihnachten ein Lesegenuss.

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