BRK-Kreisverband Traunstein: Weniger Einsätze, höhere Belastung

Zur Stelle, wenn es ernst wird: Die Rotkreuz-Rettungskräfte leisteten im Landkreis Traunstein im Jahr 2020 durchschnittlich 72 Einsätze pro Tag.
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Zur Stelle, wenn es ernst wird: Die Rotkreuz-Rettungskräfte leisteten im Landkreis Traunstein im Jahr 2020 durchschnittlich 72 Einsätze pro Tag.

Das Jahr 2020 war auch für den Rettungsdienst des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) im Landkreis Traunstein ein außergewöhnliches Jahr.

Traunstein – Die Zahl der Gesamteinsätze sei zwar zum ersten Mal seit Jahren deutlich zurückgegangen, dennoch seien die vergangenen zwölf Monate für die 120 haupt- und circa 90 ehrenamtlichen Rotkreuz-Rettungskräfte mit besonderen Anstrengungen und Herausforderungen verbunden gewesen. Das geht aus einer Pressemitteilung hervor.

Einsatz mit Vollschutz ist sehr anstrengend

„Jeder Einsatz seit Beginn der Corona-Krise stellt für unsere Rettungskräfte eine Belastung dar, da man permanent mit unklaren Situationen in Bezug auf das Infektionsgeschehen konfrontiert wird und man zudem häufig in Einrichtungen mit vulnerablen Personengruppen zu tun hat“, erklärt Rettungsdienst-Leiter Jakob Goëss. Hinzu komme, dass der Einsatz im Vollschutzanzug sehr anstrengend sei und die Situation viele Kollegen auch psychisch stark belaste. „Dabei geht es weniger um die Angst vor einer eigenen Erkrankung als vielmehr um die Sorge, Familienangehörige oder Kollegen anzustecken.“ Seit dem 30. Januar 2020 seien rund 1.300 Einsätze in direktem Zusammenhang mit Corona geleistet worden– sowohl Primäreinsätze als auch Verlegungen in andere Krankenhäuser in der Region.

Jeden Tag 72 Einsätze

Insgesamt brachten es die Rotkreuz-Rettungskräfte im Jahr 2020 auf 26 474 Einsätze – das sind 2229 weniger als im Jahr 2019, im Schnitt aber immer noch mehr als 72 Einsätze pro Tag. Der Großteil der Einsätze entfiel 2020 wie in den Vorjahren auf Krankentransporte (13 283). Dahinter folgten Notarzteinsätze (4148) und Notfalleinsätze (2862). Hinzu seien nicht verrechnungsfähige Einsätze (6181) wie beispielsweise Gebietsabsicherungen oder zurückgenommene Alarmierungen gekommen, informiert der BRK-Kreisverband.

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953.027 Einsatzkilometer legten die Rotkreuzler in den zehn Rettungs- und sieben Krankentransportwagen des BRK-Kreisverbandes Traunstein zurück – das entsprich rund 24 Erdumrundungen am Äquator oder 2,5-Mal der Strecke zwischen Erde und Mond.

Rettungsdienst wird manchmal öfter, als nötig angefordert

„Im Frühjahr 2020 wurde der Rettungsdienst zurückhaltend in Anspruch genommen, das hat sich mittlerweile relativiert“, berichtet Goëss. Als Gründe für den Einsatzrückgang zu Beginn der Corona-Krise vermutet er das starke Herunterfahren des gesellschaftlichen Lebens und die anfängliche Angst vor einem Aufenthalt im Krankenhaus. Inzwischen habe sich das jedoch geändert und der Rettungsdienst werde mitunter sogar öfter als nötig angefordert.

„In vielen Fällen wäre es vollkommen ausreichend, den ärztlichen Bereitschaftsdienst über die 116 117 zu kontaktieren, um dann die Bereitschaftspraxis aufzusuchen oder einen Hausbesuch durch den Bereitschaftsarzt zu vereinbaren“, sagt Goëss. Bei ernsten Symptomen wie akuter Atemnot, Brustschmerz oder Bewusstseinsstörungen sei aber natürlich der Notruf 112 zu wählen.

Großaufgebot an Helfern notwendig

Zu Beginn und Ende des Jahres 2020 war das Rote Kreuz bei großen Unfällen in Schnaitsee beziehungsweise in Grassau gefordert, in die jeweils ein Schulbus mit zahlreichen Insassen verwickelt gewesen sei. Beide Male sei ein Großaufgebot an BRK-Helfer nötig gewesen, um den verletzten Personen beizustehen.

Sieben rund um die Uhr besetzte Rettungswachenen im Landkreis Traunstein

„Solche Ereignisse zeigen, dass es sehr wichtig ist, entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Darum unterhält das Rote Kreuz im Landkreis Traunstein sieben, rund um die Uhr besetzte Rettungswachen, fünf Standorte für Notarzteinsatzfahrzeuge und diverse Schnelleinsatzgruppen mit ihren ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern“, betont Goëss.

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