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Auf den Namen „Uschi“ getauft

Mit Bürgermeistersekt bespuckt: So lief die Taufe des neuen Breitbrunner Rettungsboots

Taufe nach afrikanischen Ritual: Ursula Baumgartner (Mitte) mit zwei Gästen.
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Taufe nach afrikanischen Ritual: Ursula Baumgartner (Mitte) mit zwei Gästen.
  • VonKarl Wastl
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Bootstaufe des neuen Breitbrunner Wasserwachtsbootes nach „afrikanischen Ritual“: Taufpatin und weibliche Gäste bespucken „Uschi“ mit Bürgermeistersekt. Die Anwesenden konnten dabei einiges über das Taufen von Schiffen lernen.

Breitbrunn – Bei frischem Wind, aber reichlich Sonnenschein wurde im Strandbad Stadl im Breitbrunner Ortsteil Wolfsberg die Bootstaufe des neuen Bugklappen-Flachwasserbootes der Wasserwacht Breitbrunn auf den Namen „Uschi“ vollzogen. Die Taufpatenschaft übernahm Ursula Baumgartner.

Sämtliche Wasserrettungsorganisationen rund um den Chiemsee, Breitbrunner Ortsvereine sowie zahlreiche Gäste waren der Einladung von Vorsitzendem Harald Frank gefolgt.

Kirchlicher Segen für „Uschi“

Breitbrunns Bürgermeister Anton Baumgartner und der Technische Leiter der Kreiswasserwacht Rosenheim, Andi Kunert, begrüßten die Gäste. Der evangelische Pfarrer Mirco Hoppe und der katholische Diakon Sepp Stürzer gaben dem Wasserfahrzeug den kirchlichen Segen.

Taufpatin Ursula Baumgartner ging in ihrer Ansprache ausführlich auf die Bräuche und Riten der Bootstaufe ein und erläuterte dabei, was alles beachtet werden müsse.

Generell lassen sich demnach Schiffststaufen bis ins vierte Jahrhundert vor Christus zurückverfolgen. Der Begriff „Taufe“ stammt aus dem Griechischen: „Baptizein“ bedeutet „ein- oder untertauchen“. Alle Handlungen müssen dem Aberglauben zufolge auf der Windseite des Schiffes (LUV) geschehen, um entsprechende Wirkung zu erzielen, „stets verbunden mit dem Wunsch, nach einer guten Fahrt, ausreichend Wind und vor allem einer sicheren Heimkehr“, so die Taufpatin.

Nach ihren Worten greifen Reedereien heutzutage traditionell nach einem im jeweiligen Kulturkreis besonders wertvollen Getränk. Denn dieses (zum Beispiel Champagner) soll als stellvertretendes Opfer den Meeresgott günstig stimmen, um dessen Hilfe in Not erwarten zu können. Somit gelte das Zerbersten einer Champagnerflasche am Rumpf als eine Opfergabe. In früher Zeit galten Göttinnen und Figuren aus der Mythologie als Namensgeberinnen für Schiffe, da sie ein Sinnbild für Jugend, Schönheit und Schnelligkeit sind.

Somit vollziehen in der Regel Frauen die Taufe und auch die Namen der Schiffe sind somit weiblich.

Bringen Männer als Taufpaten Unglück?

Zu den ältesten Überlieferungen gehöre es, „dass Frauen an Bord eigentlich Unglück bringen“, sagte Baumgartner. „Da es aber so ganz ohne weiblichen Beistand eben doch nicht gehe, bediente man sich eben der weiblichen Taufpatin.“ Andererseits würden der Legende nach Männer als Taufpaten eher Unglück bringen, sei Chroniken zu entnehmen.

Der Klabautermann spiele im Zusammenhang mit der Seefahrt eine elementare Rolle, habe er doch rote Haare und grüne Augen. Ihre Recherchen hätten ergeben, dass weder Taufpatin noch Gäste der Taufe etwas „Grünes“ tragen sollten. Ebenso wäre eine rote Haarfarbe der Taufpatin der Sache nicht zuträglich.

Daher war die Anschaffung eines neuen „blauen“ Kleides samt Tasche zwingend notwendig, begründet die Akteurin den Kauf lächelnd.

Deshalb fiel die Entscheidung, ein „Taufritual nach afrikanischem Brauch durchzuführen“. Auf dem Kontinent werde nämlich keine Flasche gegen das Schiff geworfen, „stattdessen nimmt die Patin einen großen Schluck und tauft das Schiff durch fünf Spritzer direkt aus dem Mund“.

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Begeistert von dem Brauch erhielten alle anwesenden weiblichen Gäste einen kleinen Becher, befüllt mit vom Rathauschef spendierten Bürgermeistersekt. Analog des beschriebenen afrikanischen Brauchs durften sie damit den Rumpf des Rettungsbootes bespucken, was für eine Riesengaudi sorgte.

Erste offizielle Ausfahrt auf den See

Bei der anschließenden Corsofahrt mit dem Bugklappen-Flachwasserboot „Uschi“ nahmen die Ehrengäste an der ersten offiziellen Ausfahrt teil; begleitet von weiteren Rettungsbooten.

Bis spät in den Abend hinein stand die Bootsmannschaft für Fahrten mit „Uschi“ zur Verfügung, wobei der ein oder andere Fahrgast „etwas nass wurde“, resümierte Harald Frank. Nach Verköstigung mit Kaffee und Kuchen sowie die Köstlichkeiten vom Grill sei der Barbetrieb später am Abend bei Temperaturen „unter zehn Grad dann etwas ruhiger gewesen“.

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