Breitbrunner ist der Mann der scharfen Klingen – Aus Altmetall werden besondere Messer

Benjamin Asbeck beim Schmieden einer neuen Klinge in seiner Werkstatt in Breitbrunn. Mit kritischem Blick prüft er ihre Form, Stärke und Schärfe. Effner
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Benjamin Asbeck beim Schmieden einer neuen Klinge in seiner Werkstatt in Breitbrunn. Mit kritischem Blick prüft er ihre Form, Stärke und Schärfe. Effner

Der Messerschmied Benjamin Asbeck fertigt in seiner Werkstatt in Breitbrunn Spezialmesser mit Pfiff: Dabei erweckt er Altmetalle zu neuem Leben. Verwendung finden seine einzigartigen Klingen bei Jägern, Köchen, Fischern und Outdoorfreunden. Mehrere Hundert Euro ist ihnen ein Unikat aus Breitbrunn wert.

Von Axel Effner

Breitbrunn – Es hat etwas Magisches, als Benjamin Asbeck die rot glühende Klinge aus dem 900 Grad heißen Kohlenfeuer zieht. Mit schweren Hammerschlägen auf dem Amboss formt er einen alten Feilenschaft zu einer Klinge um. Wumm, wumm, wumm tönt es von den Wänden der kleinen Schmiede in Breitbrunn wider, die von der flackernden Flamme erhellt werden. Konzentrierte Spannung mischt sich hier mit dem Geruch von Metall, Kohlenstaub und Öl.

Metall wird wiederverwertet

Der 32-jährige gelernte Schlosser versteht sich auf eine Kunst, die seinesgleichen sucht: Aus alten Feilen, Radketten, Autofedern, Sägeblättern oder anderen Stahlabfällen, die sonst im Altmetall-Container gelandet wären, zaubert er hochwertige Messer für Individualisten. Jäger, Fischer, Köche, Outdoor- oder Trachtenliebhaber lassen sich bei ihm ein Schneidewerkzeug aus regionalem Hartholz mit Heimatgefühl und Geschichte anfertigen.

„Auch früher war es so, dass Schmiede wertvollen Stahl nicht weggeworfen, sondern wiederverwendet haben“, erklärt Asbeck. Aufgewachsen auf einem Vierseithof in der Nähe von Neumarkt-Sankt Veit, entdeckte er bereits früh die Faszination der Schmiedekunst. „Mein Vater war Schlosser, der Onkel Schmied und meine Mutter öffnete mir als Malerin die Augen für den kreativen Umgang mit dem Material“, erzählt er. Bereits als Junge habe er in der Schmiede und der Schlosserwerkstatt viel ausprobiert. Den Sinn für kunstvolle Schneidewerkzeuge weckte der Opa, der Trachtenmesser gesammelt hat.

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Vom Outdoor-Trainer zum Messerschmied

Gute Voraussetzungen für einen ungewöhnlichen Berufsweg. Asbeck sammelte bei verschiedenen Schmieden Erfahrung, bevor er eine Lehre und die Meisterprüfung als Schlosser abschloss und sich im Industrieschweißen weiterbildete. Bereits mit 18 Jahren schlug der umtriebige Metallkünstler die Brücke in den Chiemgau zu einem freigeistigen Freundeskreis von Gleichgesinnten. So mag es nicht verwundern, dass er eine Zeitlang auf der Liftleralm bei Siegsdorf lebte, als Outdoor-Trainer in Übersee, als Ski- und Snowboardlehrer am Dachstein oder bei BSH in Traunreut am Computer arbeitete. „Mir war immer wichtig, beim passenden Job Spaß und genügend freie Zeit für meine Messerkunst zu haben“.

Stahl trifft auf Holz

Ein lang gehegter Traum erfüllte sich für ihn, als er sich vor ein paar Jahren in einer Kunstschmiede in Bergen seine Werkstatt aufschlagen konnte. Inzwischen hat sich der wanderlustige Messerschmied in Breitbrunn in der alten Schmiede eines Landschaftsgärtners eingerichtet. Jeden Donnerstag gibt es dort einen Schmiede-Stammtisch.

Den für die individuell gefertigten Messer benötigten Altstahl bekommt Asbeck von Freunden und Verwandten, bei Werkstatt-Auflösungen oder Ebay-Auktionen.

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„Ich unterhalte mich lange mit dem Kunden, um herauszubekommen, was er mit dem Messer genau machen will“, erklärt der Wahl-Chiemgauer. Entsprechend individuell bearbeitet er Stärke und Form des Messerschafts, kombiniert unterschiedlich harte Stähle miteinander und stimmt die Eigenschaften des Griffs aus geöltem Hartholz passend darauf ab. Der ist etwa aus Birne, Ahorn, gestockter Buche, Apfel oder Mooreiche gefertigt. In ihn wird der Klingenkörper eingebrannt, wie Asbeck erklärt, „auf altnordische Art“. Für die Lederfutterale arbeite er mit Sattlern aus der Region zusammen.

20 Sunden Arbeit für ein Messer

Gut 20 Stunden ist der Feuerzauberer beschäftigt, bis ein neues, bis zu 600 Euro teures Einzelstück mit geölter Meisterklinge die Schmiede verlassen darf. Wer damit arbeitet, muss so ein Messer im Unterschied zu chromveredelten Klingen wesentlich seltener nachschleifen.

Hauptsächlich durch Mundpropaganda verbreitet sich der Ruf von den „Messer-Unikaten mit Heimatgefühl und Geschichte“, wie Asbeck es ausdrückt. „Es geht eben nichts über ein Werkzeug, das handgemacht ist.“

Vorsicht, scharf: Das fertige Exemplar, jedes ein Unikat.

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