Breitbrunn sperrt Chiemsee-Uferweg bei Urfahrn endgültig für Fahrradfahrer

Die Halbinsel Urfahrn wird für Radler gesperrt. Bisher waren sie auf dem orange gekennzeichneten Teil des Uferwegs geduldet. Sie müssen künftig die blau gekennzeichnete Route nehmen. Klinger

Der Gemeinderat von Breitbrunn hat mit großer Mehrheit beschlossen, den Teilabschnitt des Chiemsee-Uferwegs um die Halbinsel Urfahrn für Radfahrer zu sperren. Weil Drahtesel und Spasziergänger immer mehr geworden sind, gab es immer öfter Konflikte und gefährliche Situationen.

Breitbrunn – Der Chiemsee-Uferweg wird in Urfahrn für Radfahrer gesperrt. Das hat der Gemeinderat von Breitbrunn mit großer Mehrheit beschlossen. Der Verkehr auf dem Uferweg hat in jüngerer Vergangenheit immer mehr zugenommen. Deshalb kamen sich auch immer öfter Fußgänger und Radfahrer in die Quere. Die Halbinsel Urfahrn gehört zu den beliebtesten Abschnitten rund ums Bayerische Meer, weil man an ihrer Spitze der Herreninsel am nächsten kommt.

Mit der Erfindung der Elektroräder (E-Bikes) hat der Ansturm auf den Chiemsee-Uferweg noch einmal einen großen Schub bekommen. Der Jahrzehnte alte Weg wurde vielerorts zu schmal für die vielen Menschen, die zu Fuß oder im Sattel am Bayerischen Meer unterwegs waren.

Radweg zweigt am Strandbad Stadl ab

Breitbrunn und die Nachbargemeinde Gstadt waren die ersten der neun Anliegerkommunen, die reagierten. Sie schufen abschnittsweise Alternativrouten für Radler. Breitbrunn konnte schon 2005 Grundstücke erwerben und auf eigene Kosten eine Alternativstrecke zur Urfahrn-Runde bauen. Vom Kiosk am Strandbad Stadl an der Kailbacher Bucht zweigt der Radweg ab und mündet einen guten Kilometer weiter in der Nähe des Seglerhafens wieder auf den alten Uferweg.

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Erst Jahre später startete unter der Regie des Abwasser- und Umweltverbands (AUV) Chiemsee und mit Millionen aus Fördertöpfen der Regierung von Oberbayern ein Ausbauprogramm für neue, alternative Radwege. Aber manche Einzelmaßnahme, die im Katalog stand, scheiterte daran, dass die jeweilige Gemeinde den nötigen Grund nicht kaufen konnte. Auch dieser Aspekt spielte eine Rolle, dass die Chiemsee-Gemeinden nach Jahren ihre Bemühungen einstellten, den Uferweg als Premium-Radweg vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) zertifizieren zu lassen. Die Anforderungen waren schlichtweg nicht mit vertretbarem Aufwand zu erfüllen.

Klare Mehrheit im Gemeinderat für Sperre des Uferwegs

Den Jahrzehnte alten Uferweg zu verbreitern, wie es manche Kommunen gern getan hätten, scheitert in der Regel am Veto der Naturschutzbehörden.

Auch wenn er kein Premiumweg geworden ist, erfreut sich der Chiemsee-Rundweg seit vielen Jahren stetig steigender Beliebtheit. Der Gemeinderat von Breitbrunn hatte sich vor Monaten schon einmal mit der Problematik befasst und machte nun Nägel mit Köpfen. Mit 9:2 Stimmen beschloss das Gremium, den Abschnitt um die Halbinsel Urfahrn zu sperren. Wenn die neuen Schilder geliefert werden, werden Bauhofmitarbeiter vollendete Tatsachen schaffen.

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Seit dem Bau der Alternativstrecke vor etwa 15 Jahren gibt es eine Gebots-Regelung. Radler werden durch die Beschilderung vom Uferweg weg auf die Ausweichstrecke geleitet, aber die Passage bis zur Landspitze von Urfahrn ist noch nicht gesperrt gewesen.

Wo eins König Ludwig von der Kutsche ins Boot wechselte

Diesen Sommer scheint das Gedränge besonders extrem zu sein. An sonnigen Tagen tummeln sich tausende Spaziergänger und Radler auf dem Uferweg. Dabei sind nicht wenige Radfahrer, die es sportlich nehmen und versuchen, die gut 60 Kilometer lange Umrundung des Bayerischen Meeres in einer Zeit um die zwei Stunden zu schaffen. Wenn auf ihrem Weg viele Spaziergänger unterwegs sind, darunter auch zahlreiche Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern, blieben gefährliche und Konfliktsituationen nicht aus.

Um in ihrem Hoheitsgebiet Dampf aus dem Kessel zu nehmen, hat der rat von Breitbrunn nun die Sperrung der Urfahrn-Umrundung beschlossen. An die Stelle, wo einst König Ludwig II. von der Kutsche ins Boot umgestiegen war, um sich zu seiner Schloss-Baustelle auf der Herreninsel übersetzen zu lassen, kommen Radlerin Sattel auf legalem Weg bald nicht mehr hin.

Um die gesamte Verkehrssituation auf dem Uferweg rund um den Chiemsee zu verbessern, müssen die zehn Mitgliedsgemeinden des AUV gemeinsam weitere Lösungen finden, so der Tenor in der Sitzung.

„Eintrittskarten“ für Fahrradfahrer?

Ein Gedanke wäre zum Beispiel, den originären Uferweg an Sonn- und Feiertagen in der Zeit von Pfingsten bis Ende August für Radfahrer zu sperren. Zudem wurde in der Diskussion vor der Abstimmung der Gedanke geäußert, über die Tourismusbüros „Eintrittskarten“ für Fahrradfahrer auszugeben, um so den Fahrradverkehr zu reglementieren.

Das Gremium war sich einig, nicht nur die Interessen der Freizeitradler zu berücksichtigen. Es gelte auch, den Personenkreis, der auf dem Uferweg mit dem Rad zur Arbeitsstelle oder in die Schule fährt, mit ins Kalkül zu ziehen.

Wie Bürgermeister Anton Baumgartner auf Nachfrage erklärte, sei man sich mit dem AUV einig, auch die beiden Tourismusverbände Chiemsee Alpenland (Landkreis Rosenheim) und Chiemgau (Landkreis Traunstein in die weiteren grundsätzlichen Überlegungen mit einzubeziehen, wie das Gedränge am Uferweg entzerrt werden könnte.

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