Breitbrunn: Nachruf auf Altbürgermeister Franz Leiker

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Im Alter von 88 Jahren wurde Altbürgermeister Franz Leiker zu seiner letzten irdischen Ruhestätte am Breitbrunner Friedhof getragen. In einer Trauerfeier ging der Geistliche der Christengemeinschaft, Thomas Fetscher, auf das bewegte Leben des ehemaligen Breitbrunner Bürgermeisters ein.

Von Karl Wastl

Breitbrunn – Franz Leiker erblickte 1932 als Erstgeborener der Eheleute Elisabeth und Franz Leiker in Jägerndorf (heute Krnov), im östlichen, tschechischen Teil Schlesiens, dem Sudetenland, das Licht der Welt. Er wuchs mit seiner Schwester Brigitta auf. Nach dem Besuch der Volksschule, wechselte er ab der 5. Klasse ins Gymnasium. Als 10-jähriger hätte der begabte Schüler die Option erhalten, in die „Kaderschmiede“ der Ordensburg, einer Ausbildungsstätte für zukünftiges Führungspersonal der damaligen Partei, zu wechseln.

Drei in Sport als Rettung

Da ihm aber eine Lehrkraft wohlwollend die Note Drei im Fach Sport gab, wurde er nicht genommen.

Im Zusammenhang mit dem „Münchner Abkommen“ wurde die Familie 1938 auf die Insel Rügen evakuiert, konnten allerdings nach geraumer Zeit wieder zurückkehren. 1944 flüchtete die Familie teilweise zu Fuß zu einer Tante nach Graslitz, einer Grenzstadt zu Sachsen. Nach einer Familienzusammenführung 1945 wurden sie endgültig vertrieben und kamen über ein Auffanglager bei Hof, nach Rosenheim und 1946 in den Breitbrunner Ortsteil Urfahrn.

Trotz Stipendiums kein Studium

Während einer Lehre zum Gärtner auf Herrenchiemsee hatte Leiker seine ersten Kontakte zur „Christengemeinschaft“. In einer Zeit starker Zerrissenheit fand der junge Mann dort viele Antworten, so Fetscher.

Als Landessieger in einem Berufswettbewerb 1952 wurde Leiker ein Stipendium für ein weiterführendes Studium zugesichert, was dennoch aus monetären Gründen nicht klappte. Nach seiner Mitarbeit in der von den Eltern gepachteten Gärtnerei, konnten die Leikers 1958 ein Grundstück am Breitbrunner Ortsrand erwerben.

Von Herrenchiemsee in die Selbstständigkeit

Mit dem Bau eines Betriebsgebäudes wagte der Junggeselle den Weg in die Selbstständigkeit.

1970 begann Leikers politisches Engagement und er wurde als „Nachrücker“ im Gemeinderat vereidigt. Ab 1978 war er zwölf Jahre lang Dritter und weitere zwei Wahlperioden Erster Bürgermeister.

Als Nachfolger auf die „Ära Ganterer“ und wegen geringer finanzieller Spielräume nach dem Jahrhundert-Projekt des Chiemsee-Ring-Kanals war die Aufgabe für ihn eine Herausforderung. Mit Akribie und Hartnäckigkeit wirkte er unter anderem bei der Erweiterung des Sportplatzes und des gemeindlichen Friedhofs, des örtlichen Geh- und Radwegenetzes, aber auch dem gemeindeübergreifenden Neubau des Kindergartens in Gstadt mit.

Vielfältiges Engagement

Sein soziales Engagement galt unter anderem der „Sudetendeutschen Landsmannschaft Prien“, dessen Obmann er war und bei deren Chronikerstellung er als Zeitzeuge mitwirken konnte. Aber auch der „Middeler Kulturstiftung“ stand er ebenfalls viele Jahre vor.

Seine Freizeit widmete Leiker der Literatur und Klassik. Mit seiner sonoren Bassstimme unterstützte er viele Jahre den Männergesangverein.

Verabschiedung mit vielen Dankesworten

Die musikalische Umrahmung bei der Verabschiedung im kleinen Kreis übernahm das Grassauer Bläser-Ensemble und der Männergesangverein. Ehemalige Bürgermeisterkollegen, wie Florian Hofmann und Hans Thalhauser, begleiteten seinen letzten Erdenweg. Bürgermeister Anton Baumgartner bedankte sich im Namen der Kommune und Klaus Pfaffelhuber für die Ortsvereine.

Matthias Heider von der „Sudetendeutsche Landsmannschaft, erinnerte an Leikers Leitspruch: „Geschichte verstehen – Zukunft gestalten“, der ihn nicht „verklärt“ zurückschauen, sondern die Herausforderungen des alltäglichen Lebens aktiv in die Hand nehmen ließ. „Der Blick in die Vergangenheit war dem Verstorbenen insofern wichtig“, so Heider weiter, „wie sich Schlüsse für die Zukunft ableiten ließen“. Als Zeichen der Dankbarkeit stand eine Abordnung der Freiwilligen Feuerwehr zur Ehrenwache am Sarg des Verstorbenen.

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