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„Das Fensterln blieb nicht ohne Folgen“

Breitbrunn: Josefine und Konrad Bergmann feiern Gnadenhochzeit

Ein von Arbeit geprägtes Leben gepaart mit Fleiß und Zuversicht verleiht ihnen Vitalität auch im hohen Alter.
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Ein von Arbeit geprägtes Leben gepaart mit Fleiß und Zuversicht verleiht ihnen Vitalität auch im hohen Alter.
  • vonKarl Wastl
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Josefine und Konrad Bergmann feiern nach 70 Ehejahren in Breitbrunn ihre Gnadenhochzeit. Auch Ministerpräsident Söder und Kardinal Marx gratulierten.

Breitbrunn – Ein seltenes Ehejubiläum haben Josefine und Konrad Bergmann jetzt bei bester Gesundheit gefeiert: ihre Gnadenhochzeit. Nach christlichem Glauben wird ihnen sozusagen die Gnade Gottes geschenkt, ein 70-jähriges gemeinsames Eheglück zu erfahren (so spricht der Volksmund).

Gefeiert wurde das Jubiläum unter anderem mit einer kleinen Andacht in der Breitbrunner Pfarrkirche St. Johannes. Viele Glückwünsche bekam das rüstige Paar, auch von Bürgermeister Anton Baumgartner, Landrat Otto Lederer, Ministerpräsident Dr. Markus Söder und Erzbischof Reinhard Kardinal Marx.

Kennengelernt bei Trachtlerproben

Josefine Bergmann hatte 1932 im „Radler-Sachl“ von Anna und Josef Wölkhammer in Gstadt das Licht der Welt erblickt. Sie wuchs mit vier Geschwistern auf und musste schon sehr früh am Hof mitarbeiten. Konrad Bergmann wurde als Sechstes von sieben Kindern 1931 in das „Weingartnerhäusl“ von Anna und Johann Bergmann hinein geboren. Nach dem Schulbesuch absolvierte er eine Lehre zum Schreiner.

Vor 70 Jahren gaben sie sich das Ja-Wort: Josefine und Konrad Bergmann. Privat

Die „Radler Sephi“, wie sie allseits genannt wurde, habe er bereits durch regelmäßige Trachtlerproben gekannt, erinnert sich der Jubilar im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Auf einem Tanzkurs im Hausgang vom „Huababauern“ in Gstadt hätten sich ihre Wege erneut gekreuzt. „Eigentlich wollte ich mit ihrer Freundin tanzen, aber die hatte, Gott sei gedankt, schon einem anderen zugesagt“, so der Jubilar, der unserer Zeitung sichtlich vergnügt die Lebensgeschichte des Ehepaars zusammenfasst.

Nur der Notsitz war frei

Während einer Busfahrt zur Hochzeit von der „Schmied Liesl“ mit dem Heitauer sei auf dem Rückweg nur noch der Notsitz freigewesen „und so musste Sephi die Heimfahrt auf meinem Schoß verbringen.“ Sehr lang habe er sich als „verliabter Gockl“ an seine Sephi „hi´knerspitzn“ müssen (bayerisch für zwischenmenschliche Annäherung), um ihr die Möglichkeit mit dem Fensterln schmackhaft machen, so Bergmann.

„Der Einstieg war filmreif: Seitlich unter dem Balkon vor Sephis Fenster hing ein Kummet (Pferdegeschirr) an der Wand, wie geschaffen für den Aufstieg. Zwei Bügel dienten als Steighilfe – und schon war ich droben.“

Gutachten über Heiratsfähigkeit nötig

Das Fensterln sei nicht „ohne Folgen“ geblieben und das Paar beschloss, zu heiraten. Hierfür war Mitte der 1950er Jahre ein Gutachten über die Heiratsfähigkeit Minderjähriger unter 21 Jahren vom örtlichen Pfarrer notwendig, „wobei der die Sephi eigentlich für geeigneter hielt als mich“, schmunzelt der Jubilar. Letztlich musste das Ansinnen vom Landratsamt noch genehmigt werden.

„Da wir arm wie die Kirchenmäuse waren, war guter Rat teuer. Vor 70 Jahren war eine ausgeklügelte Hochzeitsfinanzierung der Brauch. Die Priener „Uhl’n-Buam“ verlangten pro Stunde Musizieren „sieben Mark“, die zum Beispiel über Ehrentänze oder das Tellergeld fürs „Spielen übers Mahl“ eingenommen wurden, erinnert sich das Jubelpaar. Fürs Hochzeitsmahl hatte der Schwiegervater ein Kalb geschlachtet und dem Wirt für die Zubereitung überlassen. „Sauber aufg’maschelt“ schlossen sie im April 1951 den Bund einer turbulenten, bisher 70 Jahre dauernden Ehe.

Viele Jahre den Koni-Wirt betrieben

Das Paar bekam zwei Söhne, Herbert und Gerhard. 1961 entstand das erste Eigenheim. Um Geld zu sparen, arbeiteten Beide nach Feierabend auf der Baustelle. „Vor lauter Ehrgeiz landete ich einmaL sogar kopfüber in der Mörteltruhe“, amüsiert sich der Erzähler.

Später betrieb das Paar viele Jahrzehnte den Gasthof „Koniwirt“ in Breitbrunn. Bekannt als singender Wirt lockte Konrad Bergmann Gäste aus allen Ecken Bayerns an.

Bereits im Rentenalter, beschloss das Paar, nochmals die „Ärmel hochzukrempeln“ und einen Wiederbeginn im eigenen Lokal zu starten. Erst vor einigen Jahren legte Sephi die Kochschürze und Konrad das Instrument zur Seite, um sich endlich in den wohlverdienten Ruhestand zu verabschieden.

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