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Verwaltung warnt vor Gang ins Wasser

Breitbrunn: Badegäste in Kailbacher Bucht von Vogel-Parasit Zerkarie befallen

Die Gemeinde hat an der Kailbacher Bucht vorsichtshalber Warnungen angebracht, die auf Zerkarien hinweisen.

Nach dem Bad in der Kailbacher Bucht mit Reizungen an der Haut zum Arzt: Das ist einem Paar in der bei Breitbrunn am Chiemsee passiert. Die Gemeinde hat einen Warnhinweis auf Zerkarien angebracht. Die Wasservogel-Parasiten sind für den Menschen ungefährlich, können aber einen mehrtägigen, unangenehmen Hautausschlag auslösen.

Breitbrunn - Kommt der Sommer, kommen auch die Zerkarien. In deutschen Seen schwärmen sie jetzt wieder aus, kann man in diversen Fachliteraturen lesen.

Zerkarien verursachen stark juckende rote Pusteln

Betty und Heinz Raabe gehen in den Sommermonaten täglich zum Baden in die Kailbacher Bucht, so auch letzten Freitag. Wie gewohnt steigen die Rentner gegen 6.15 Uhr in das kühle Nass, um ihr Schwimm- und Gymnastikpensum zu erledigen. Nach "getaner Arbeit" verlassen sie, wie sonst auch, das Wasser, erzählt der rüstige Rentner.

Aber diesesmal ist es irgendwie anders. Bereits nach zwanzig Minuten klagt die 64-jährige über einen Juckreiz am Hals und auch der 71-jährige Heinz bekommt im Brustbereich stark juckende rote Pusteln. Im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung hegt er zuerst die Vermutung, es könnten ihn mehrere Steckmücken erwischt haben.

"Wir haben uns gekratzt"

Auch Betty vermutet irgendwelche Bisse von "Läusen oder Flöhen", bezieht sogar die Betten neu und gibt die frisch aus dem Schrank geholte Kleidung in die Wäsche. Doch es wird immer schlimmer, und so sitzen die Beiden bereits um 8.15 Uhr im Sprechzimmer des örtlichen Hausarztes.

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"Wir müssen ein tolles Bild abgegeben haben", sagt der Breitbrunner schmunzelnd. "Wir haben uns gekratzt, wie man es bei den Affen beobachten kann". Nach längerer Recherche steht die Diagnose mit ziemlicher Sicherheit fest: Zerkarien-Dermatitis.

Der Mensch ist kein geeigneter Wirt für Zerkarien

Quaddeln, die extrem jucken, sind nur eine der Folgen. Die Hauterkrankung wird in Mitteleuropa durch die Larven (Zerkarien) von Saugwürmern (Schistosomen) hervorgerufen, die im Wasser nach ihren Wirten suchen. Endwirte sind eigentlich Wasservögel, vor allem Enten. Der Mensch ist ein sogenannter Fehlwirt, auf dem die Larven nicht dauerhaft überleben können.

Enten bringen die Schistosomen-Eier mit ihrem Kot ins Wasser, wo dann die ersten Larven schlüpfen. Bei optimalen Wassertemperaturen dauert dieser ganze Entwicklungszyklus etwa 90 bis 100 Tage. Die infektiösen Larven bohren sich anstatt in die Haut von Enten manchmal auch in die von Menschen, sterben hier aber rasch ab.

Zehn Minuten nach Kontakt mit Zerkarien setzt die Hautreaktion ein

Bereits zehn Minuten nach dem Kontakt setzt ein Prickeln oder ein leichtes Jucken ein. Es zeigen sich jetzt etwa zwei Millimeter große gerötete Flecken. Die aktuellen hohen Temperaturen und hohe Population an Enten und Gänsen begünstigen diese Entwicklung.

Breitbrunns Bürgermeister Anton Baumgartner hat sofort reagiert und einen Warnhinweis am Alten Strandbad anbringen lassen, der die Badewilligen auf die Problematik hinweist und ein Betreten des Wassers untersagt beziehungsweise nur auf eigene Gefahr möglich ist. Auch das Landratsamt ist mittlerweile involviert.

Medikamente helfen gegen Zerkarien-Sympthome

Neben der Familie Raabe sind inzwischen weitere Fälle mit ähnlichen Symptomen aufgetreten. Auch ein kleines Mädchen war mit dabei, aber diesesmal am Neuen Strandbad in Stadl.

Das Rentner-Ehepaar hat das ganze relativ gut überstanden. Sie müssen bis auf weiteres täglich verschiedene Mittelchen für entzündungshemmende, antiallergische Wirkung und zur Linderung der Beschwerden bei Juckreiz einnehmen. Was aber viel schlimmer wiegt ist die Tatsache, dass "mia nimma jedn Dog bad´n derfan", sagt die gebürtige Amerikanerin Betty Raabe in ihrem "amerikanisch-bayrischen Slang".

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