Bootsverleiher am Chiemsee verzweifelt: Kein Boot im Wasser, aber zahlen sollen sie

Sepp Mangstl vom Bootsverleih Schwarz an den Schären ist der Sprecher der Bootsverleiher am Chiemsee.
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Sepp Mangstl vom Bootsverleih Schwarz an den Schären ist der Sprecher der Bootsverleiher am Chiemsee.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Zwei Dutzend Verleihbetriebe vermieten rund um den Chiemsee 400 Tret-, Elektro- und Segelboote. Corona trifft die Branche hart. Und Versuche, durch Zahlungsaufschub finanzielle Atempausen zu bekommen, sind gescheitert. Die zuständige Behörde reagierte nicht.

  • Die Bootsverleiher am Chiemsee sind hart vom Lockdown getroffen.
  • Trotzdem sollen sie die Gebühren für die Liegeplätze in voller Höhe zahlen.
  • Auf die Schreiben der Bootsverleiher reagierte die zuständige Schlösser- und Seenverwaltung bislang nicht.

Prien – Ab Ostern bevölkern eigentlich Elektro- und Tretboote den Chiemsee. Heuer fielen die Feiertage auf Mitte April und das Wetter war sehr gut. Aber es war Lockdown-Zeit und die Boote blieben in den Schuppen liegen. Für die zwei Dutzend Verleiher rund ums Bayerische Meer waren das schmerzhafte Einnahmeausfälle. Ihre Versuche, sich die Gebühren für Boote und Verleihplätze stunden zu lassen, um erstmal etwas zu verdienen, bevor die Rechnungen gezahlt werden, stießen auf taube Ohren.

Zahlreiche Briefe verschickt an die Seenverwaltung geschickt

Der Priener Sepp Mangstl ist der Sprecher der zwei Dutzend Verleiher am Chiemsee. Unzählige Briefe an Behörden und Ministerien hat er in den vergangenen Monaten für sich und seine Kollegen verschickt, in denen er auf die schwierige Situation hingewiesen und um Zahlungsaufschub gebeten hat, erzählt er im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Gebracht hat es nichts.

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Erster Ansprechpartner für die Bootsverleiher, die in der Schiffervereinigung Chiemsee organisiert sind, ist die staatliche Schlösser- und Seenverwaltung. Hier steht eine Stellungnahme gegenüber den OVB-Heimatzeitungen noch aus. Denn die Seefläche ist freistaatliches Hoheitsgebiet, das Ufer ist es in der Regel auch. Für jedes Boot und ihren Flächen an Land müssen die Verleiher Gebühren und eine Art Pacht zahlen, laut Mangstl oft „im mittleren vierstelligen Bereich“ pro Jahr. Vor wenigen Tagen flatterten die Gebührenbescheide ins Haus, in gleicher Höhe wie sonst auch. Die meisten haben schon mehr oder weniger stark zähneknirschend bezahlt.

Der Lockdown trifft die Bootsverleiher vom Chiemsee doppelt hart

„Wir sind es ja gewohnt ohne Einnahmen über den Winter zu kommen, aber wir rechnen halt dann damit, dass das Geschäft anläuft", erklärt Manfred Eckerl, Geschäftsführer am Badeplatz Schraml in Prien. Zahlen nennt auch er nicht, aber Eckerl betreibt einen Badeplatz, eine Gastronomie, verleiht etwa 40 Boote und das Wikingerschiff Freya, das Corona-bedingt seit Monaten im Hafen vor Anker liegt. Da lässt sich ahnen, dass es für den ein oder anderen Bootsverleiher wirklich um viel Geld geht.

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Nicht wenige vermieten auch Zimmer an Urlauber, denn nur vom Bootsverleih kann keiner leben. Deswegen trifft sich der Lockdown doppelt hart, denn die Zimmervermietung ist erst seit Ende Mai wieder unter Einschränkungen erlaubt. Peter Pletzenauer, Verleiher in Gstadt mit zwölf Booten, betont stellvertretend für alle, dass die Bootsverleiher durchaus wissen, dass Corona jeden getroffen hat, aber sie fühlten sich angesichts der unbeantworteten Schreiben vergessen und im Stich gelassen.

Auch der Sommer kann die Verleiher nicht retten

Einzig der TÜV war einsichtig. Als Mangstl anfragte, ob der vereinbarte Termin vom Mai in den Herbst verlegt werden könne, damit diese Gebühren erst später im Jahr anfallen, war das gleich ausgemacht, erzählt der Priener. Alle 400 Verleihboote am Bayerischen Meer müssen turnusmäßig alle fünf Jahre vom TÜV geprüft werden.

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Bei ihren Bemühungen um Zahlungsaufschub sitzen die Verleiher vom Chiemsee mit ihren Kollegen von anderen oberbayerischen Seen in einem Boot. Auch die Versuche der Kollegen am Starnberger oder Ammersee gingen ins Leere, weiß Mangstl. „Uns fehlt die Unterstützung“ klagt Eckerl und deutet an, dass er noch nicht weiß, wie er die Weiterbezahlung seines Personals im Schramlbad im nächsten Winter stemmen soll. „Wir kämpfen um jeden Euro“; sagt er.

„Wenn der August schlecht wird, dann haben wir die absolute Minus-Saison“; bringt Pletzenauer die Abhängigkeit der Branche vom Wetter auf den Punkt. Und selbst wenn der August sonnig und trocken wird, Mehreinnahmen wird er nicht bringen: „Wir haben ja deshalb nicht mehr Boote zur Verfügung“ so Mangstl.

Bootsverleiher: Zur Bank, um über Winter zu kommen

Der ein oder andere habe inzwischen die Preise leicht angehoben, hat der Sprecher von Kollegen gehört, obwohl die Bootsmiete am Chiemsee mit durchschnittlich 20 bis 25 Euro pro Stunde für ein Elektroboot im Vergleich zu anderen bayerischen Gewässern vergleichsweise „moderat“ ist, wie Eckerl findet.

„Ich werde halt im Herbst auf die Bank gehen, um über den Winter zu kommen“, sieht er für diese Saison finanziell ziemlich schwarz.

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