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Immer mehr Menschen übernehmen Blühpatenschaften

Für die Artenvielfalt: Blühende Landschaften boomen im Landkreis Traunstein

Machten sich auf einem Feld in Wolkersdorf gemeinsam für neue Blühflächenpatenschaften im Landkreis stark (v.l.): Kreisfachberater Markus Breier, Regionalmanagerin Isabella Aman, BN-Kreisvorsitzende Beate Rutkowski mit Dr. Birgit Seeholzer von der Wirtschaftsförderung, BBV-Geschäftsführer Matthäus Michlbauer, Raphael Röckenwagner, Geschäftsführer des Maschinen- und Betriebshilferings Traunstein, sowie Landwirt Franz Gruber mit Tochter Magdalena.
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Machten sich auf einem Feld in Wolkersdorf gemeinsam für neue Blühflächenpatenschaften im Landkreis stark (v.l.): Kreisfachberater Markus Breier, Regionalmanagerin Isabella Aman, BN-Kreisvorsitzende Beate Rutkowski mit Dr. Birgit Seeholzer von der Wirtschaftsförderung, BBV-Geschäftsführer Matthäus Michlbauer, Raphael Röckenwagner, Geschäftsführer des Maschinen- und Betriebshilferings Traunstein, sowie Landwirt Franz Gruber mit Tochter Magdalena.
  • Axel Effner
    VonAxel Effner
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Einen stillen Tod sterben viele Insektenarten. Dem will ein Traunsteiner Projekt Abhilfe schaffen. Die „Blühpatenschaften“ sind hervorragend angelaufen. Unterstützung kommt dabei vor allem von einer Gruppe von Beteiligten, die sonst viel gescholten werden.

Traunstein – Es summt und brummt, Bienen, Hummeln und jede Menge Schmetterlinge sammeln in den purpurfarbenen und gelben Blüten Nektar. Auch eine Vielzahl anderer Insekten tummelt sich auf der rund 2.500 Quadratmeter großen Blühwiese. Die bunt gesprenkelte Fläche liegt unweit des Umspannwerks im Traunsteiner Ortsteil Wolkersdorf. Direkt im Anschluss an ein Maisfeld hat hier der Landwirt Franz Gruber einen sechs Meter breiten Blühstreifen angelegt. Knapp die Hälfte der Fläche wurde mit finanzieller Hilfe von Blühpaten angelegt, um so den Erhalt der Artenvielfalt zu unterstützen. Ihr Name steht auf Schildern, die aus dem Blütenmeer herausragen.

63 Paten mit 12.000 Quadratmetern

„Wir freuen uns über einen blühenden Landkreis und eine wachsende Zahl von Blühflächenpatenschaften“, erklärt Regionalmanagerin Isabella Aman von der Wirtschaftsförderung des Landkreises. Bereits 2019 wurde das Biodiversitätsprojekt als Alternative zum Blumenkauf am Valentinstag gestartet. Heuer haben bereits 63 Paten – Privatleute und Firmen – in engem Zusammenspiel mit sechs Landwirten eine Fläche von 12.000 Quadratmetern zum Blühen gebracht. Das entspricht etwa 122.000 Blumenkästen.

Fünf Jahre Einsatz

Mehr als ein Viertel davon sind als mehrjährige Blühfläche angelegt, bei dem sich die Paten für fünf Jahre verpflichtet haben. Der Vorteil: Die vielfältigere Blumenmischung blüht im ersten Jahr und bleibt teilweise über den Winter stehen. Dies bietet vor allem seltenen Wildinsekten gute Möglichkeiten zum Überwintern.

Zur Förderung weiterer Blühflächenpatenschaften haben sich viele Akteure in der Region zusammengeschlossen: Die Landwirte als Grundeigentümer und Landschaftspfleger, der Maschinen- und Betriebshilfering Traunstein als Koordinator für die Paten, das Regionalmanagement für die Unterstützung der Marketingaktvitäten sowie als fachliche Berater der Bund Naturschutz (BN) und Markus Breier vom Fachbereich Gartenkultur und Landespflege im Landratsamt. Ebenso unterstützt wird die Aktion von der Kreisgruppe des Bayerischen Bauernverbands (BBV).

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„Es geht um mehr als nur bunte und optisch gefällige Blütenmeere, sondern auch um Wertschöpfung in der Landwirtschaft und ein nachhaltiges Regionalmanagement für ökologisch hochwertige Flächen“, kommentierte Dr. Birgit Seeholzer, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung bei einem Vorort-Termin. Sie verwies auch auf die Erfolge mit der Durchwachsenen Silphie für Biogas als Ersatz von Mais, die inzwischen auf 100 Hektar angebaut wird.

Anfragen aus der Schweiz

Auf die vielfältigen Ansatzpunkte der 2017 gestarteten Aktion „Blühender Landkreis“ ging Kreisfachberater Markus Breier ein. Anfragen dazu kämen inzwischen bis aus der Schweiz. Gerade für Hummeln sei es wichtig, bis in den Herbst hinein Nahrung zu finden. Gute Erfolge verzeichne inzwischen auch die enge Zusammenarbeit mit den Kommunen bei der Anlage neuer Blühflächen. Auf rund 80 Kilometer Länge gäbe es inzwischen freiwillig angelegte Blühstreifen, die drei Meter breit sind.

Geschäftsführer Raphael Röckenwagner vom Maschinenring verwies darauf, dass die Blühflächen auch die Bodenzusammensetzung verbessern und ein Baustein gegen Bodenerosion seien. Allein durch blühende Misch- und Zwischenfrüchte, Untersaaten und Eiweißpflanzen kämen ergänzend 13.000 Hektar ökologisch wertvoller Flächen dazu.

„Wertschöpfung und Wertschätzung“

Maschinenringvorstand Franz Gruber sah in der positiven Gemeinschaftsaktion eine gute Möglichkeit für Landwirte, um mit der Bevölkerung über ihre Anliegen auch beim Landschaftsschutz ins Gespräch zu kommen. Er selbst bewirtschafte die Hälfte der Blühfläche in Wolkersdorf, die dafür aus der Produktion herausgenommen werde, aus Überzeugung auf eigene Kosten. Es gehe um „Wertschöpfung und Wertschätzung“.

Beate Rutkowski, Vorsitzende der Bund Naturschutz-Kreisgruppe Traunstein, hob die ökologische Wertigkeit gerade der mehrjährigen Blühflächen für den Artenschutz hervor und sah in den Blühflächen auch einen Image-Baustein für nachhaltigen Tourismus. Sie hoffe, dass die „positive Aktion auch Privatgartenbesitzer dazu animiert, auf ihren Flächen mehr für den Artenschutz zu tun“. BBV-Geschäftsführer Matthäus Michlbauer hob die hohe Bereitschaft der Landwirte zur Unterstützung der Gemeinschaftsaktion hervor. Aktuell suche man allerdings im Achental noch nach geeigneten Flächen.

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