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Inflation und niedrige Einkommen

„Das ist in Krisenzeiten fatal“: So bewältigt die Chiemseer Tafel in Prien den neuen Kundenansturm

Mehr denn je gut beschäftigt: die Mitarbeiter der Chiemseer Tafel in Prien.
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Mehr denn je gut beschäftigt: die Mitarbeiter der Chiemseer Tafel in Prien.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Schon die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine haben die Tafeln vor große Herausforderungen gestellt. Nun kommt die hohe Inflation, darunter der Anstieg bei den Energiepreisen hinzu, der gerade bei Geringverdienern ins Kontor schlägt. Wie geht die Chiemseer Tafel in Prien mit dieser Situation um?

Prien – Die Nachfrage bei der Chiemseer Tafel in Prien steigt. So viel kann deren Leiterin, Susanne Blöchinger vom Priener Tafel-Träger Caritas, sagen. Die Zahl neuer Anfragen nach einer Möglichkeit, Lebensmittel von dort zu beziehen, steige, berichtet Blöchinger.

Susanne Blöchinger.

Die Entwicklung schien absehbar, zumal die hohen Preise für Energie gerade bei Hartz-IV-Empfängern das ohnehin schmale Budget weiter verinngern.. Der Spielraum fehlt, um die steigenden Kosten für Strom und Wärme aufzufangen, zumal auch die Preise in den Supermärkten in diesem Jahr angezogen haben.

Belastung für ehrenamtliche Helfer

Schon mit Beginn des Ukrainekrieges und dem beginnenden Zustrom von Flüchtlingen aus dem Land hätten sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Chiemseer Tafel einem bislang nicht gekannten Ansturm gegenüber. Im Schnitt bediene man um die 23 Kunden. Aber schon zur Ausgabe am Vormittag hätten Personen für rund 200 vor der Ausgabestelle gestanden. Bisweilen eine Verdopplung. Und dies über Wochen.

Eine Belastung, welche gerade für die ehrenamtlichen Helfer vor Ort in dieser Form nicht mehr tragbar gewesen sei. „Frau Blöchinger, das kann nicht so weitergehen“, hätten sie seinerzeit gemahnt. Zudem seien die Mitarbeiter an einem Punkt angelangt gewesen, an dem klar geworden sei: Bei diesem Ansturm kann nicht jeder mit Nahrungsmitteln versorgt werden. Ein Umstand, der an den Helfern nicht spurlos vorübergehe, wie Blöchinger betont: „Jeder, der ehrenamtlich bei uns arbeitet, will auch, dass die Menschen etwas zu essen bekommen.“

Inzwischen habe sich die Lage wieder etwas entspannt, was aber auch daran liege, dass sich die Priener Einrichtung inzwischen neu organisiert habe. Die Tafel-Kunden aus der Ukraine bediene man inzwischen vornehmlich am Nachmittag. Zusätzlich zum festen Kundenstamm, für welchen die Helfer Kisten mit Lebensmitteln bestücken.

Bereitschaft für Spenden gestiegen

Die Abgabemengen der Supermärkte habe inzwischen abgenommen, jedoch sei die Lage inzwischen auch hier ein wenig besser geworden, berichtet Blöchinger. Vor allem jedoch die Spendenbereitschaft für die Priener Tafel habe zugenommen.

Vornehmlich haltbare Lebensmittel gingen dort ein, um die abnehmenden Mengen aus den Lebensmittelmärkten aufzufangen. Dafür fehle es aber an frischen Lebensmitteln, an Obst und Gemüse. „Ich würde mir wünschen, dass die Rolle der Tafel wieder die ursprüngliche ist“, sagt sie. Ein Zusatzangebot, um bedürftige Menschen zu unterstützen und um zudem genießbare Lebensmittel zu retten, bevor sie entsorgt werden.

Mehrwertsteuer auf null Prozent senken?

Dem stimmt die CSU-Bundestagsabgeordnete für den Landkreis Rosenheim, Daniela Ludwig, zu: Es sei nicht die alleinige Aufgabe der Tafeln, dafür Sorge zu tragen, dass Menschen in Deutschland Zugang zu Nahrungsmitteln und anderen Gütern hätten. Dafür sei die Bundesregierung zuständig, mit der die Oppositionspolitikerin durchaus hart ins Gericht geht: „Die behäbige Gießkannen-Pauschal-Politik der Ampel muss endlich ein Ende haben, wir brauchen jetzt schnelle Maßnahmen, die auch sofort wirksam sind. Die Ampel kündigt an, setzt aber nicht um. Das ist in Krisenzeiten fatal“, moniert Ludwig.

Ein Instrument könne in ihren Augen sofortige Abhilfe für die Situation schaffen: „Die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel sollte befristet auf null Prozent gesenkt werden. Das wäre eine wirkungsvolle Maßnahme, die bei den Menschen unmittelbar und spürbar ankäme.“ Aber noch mehr: Insgesamt müssten die Steuern für Energie, Strom und Sprit gesenkt werden, damit die Menschen von der steigenden Inflation tatsächlich entlastet würden. „Diese politischen Entscheidungen brauchen wir jetzt!“, fordert die Christsoziale.

Die Ampel-Koalition kündige vollmundig an, lasse die Menschen aber im Regen stehen, wenn es brenzlig werde. „Die Ampel hat ein sogenanntes Entlastungspaket auf den Weg gebracht, das trotz milliardenschweren Umfangs aber ganz und gar nicht denen zugutekommt, die es dringend benötigen.“

Ludwig: Unsozial und unsolidarisch

Dies sei unsozial und unsolidarisch. „Gerade die Rentner und Studenten sowie pflegende Angehörige und Bürger, die Kranken- oder Elterngeld bekommen, gehen hierbei leer aus.“ Diese treffe die Inflation besonders hart. „Hier muss die Bundesregierung dringend nachbessern und insbesondere denen Unterstützung zukommen lassen, die sie benötigen, um nicht in Armut abzurutschen.“

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Bärbel Kofler, welche für die Sozialdemokraten den Wahlkreis Rosenheim betreut, war auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen nicht erreichbar. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Entwicklungsministerium vertritt dieses gerade bei den Vereinten Nationen in New York, wie aus ihrem Büro zu erfahren war. Ihr Parteikollege Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat jedoch am Freitag signalisiert, die Sätze für Hartz-IV-Empfänger an die neue Situation anpassen zu wollen.

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