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Verkehrssicherheit

Schikane oder Pädagogik? Das sagt die Polizei in Siegsdorf zum Blitzmarathon

Zwischen 9 und 11 Uhr kontrollierte die Polizei Autofahrer, die aus Richtung Traunstein kamen, an der B 306 im Ortsteil Wernleiten. Geyer
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Zwischen 9 und 11 Uhr kontrollierte die Polizei Autofahrer, die aus Richtung Traunstein kamen, an der B306 im Ortsteil Wernleiten.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Auf solche Aufnahmen verzichten Autofahrer gern: Geblitzt werden ist kein schönes Erlebnis. Am Mittwoch (21. April) startete der Blitzmarathon - auch in Siegsdorf. Warum die Polizei es nicht schlimm findet, wenn es kaum einen Fahrer erwischt.

Siegsdorf– Geblitzt wurde am Mittwoch (21. April) nicht, aber gelasert. An der Blauen-Wand-Straße kontrollierte die Polizei Fahrer im Rahmen des Bayerischen Blitzmarathons, der Teil eines europäischen Aktionstages zur Verkehrssicherheit ist.

Ein Lkw nach dem anderen passiert dröhnend die Kontrollstelle im Siegsdorfer Ortsteil Wernleiten. Die B 306 ist eine der Hauptverkehrsadern im Landkreis Traunstein. Und leider auch ein Unfallschwerpunkt, erklärt Polizeihauptkommissar Peter Zitzelsperger (50). „Die Messstellen sind kategorisiert von eins bis vier. In der Kategorie eins sind das besonders gefährliche Stellen.“

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Eine Rechenformel, in der die Zahl der Schwerverletzten und der Unfallhäufung aus den vergangenen drei Jahren berücksichtigt werden, steckt hinter der Bewertung. In der Kategorie vier gehe es in erster Linie um Emissionen wie Lärm und Abgase, die dort Probleme verursachen. „Lukrativer ist die Kategorie vier, allerdings geht es uns darum, die Verkehrssicherheit zu verbessern“, sagt Zitzelsperger.

Geld verdienen durch Blitzer?

Vielen Autofahrern sei gar nicht nicht bewusst, dass es nicht darum gehe, durch Bußgelder Einnahmen für den bayerischen Landeshaushalt zu verdienen. Die gut ausgebaute Bundesstraße zählt zur Kategorie eins und birgt Gefahr durch die Kreuzung, an der an der Anschlussstelle Traunstein-Siegsdorf auf die Autobahn München-Salzburg aufgefahren werden kann. „

Ich hab hier selbst schon einen Unfall erlebt, als ich im Einsatz war“, erzählt der Polizist sichtlich erschüttert. Damals sei ein Kleinkind ums Leben gekommen.

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Tatsächlich halten sich die Autofahrer ans Tempolimit von 70 Stundenkilometern. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Polizisten Warnwesten in grellen Farben tragen. „Würden wir nur Geld verdienen wollen, stünden wir hier in Tarnanzügen“, erklärt Zitzelsperger.

Von 9 bis 11 Uhr messen die Polizisten mit der Laserpistole, erst kurz nach 10 Uhr fährt ein Lkw mit zu hoher Geschwindigkeit und wird von Polizeihauptmeister Christoph Obermair gestoppt. „Tempo 60 ist für Lkw über 7,5 Tonnen zulässig“, sagt der Polizist.

10 Stundenkilometer zu schnell

Unterwegs war der Fahrer allerdings mit Tempo 70. Obermair hat ihn durch das Lasergerät fokussiert und abgedrückt. Dabei muss er auslösen, wenn das Gerät auf eine Reflektionsfläche wie einen Scheinwerfer oder das Nummernschild trifft. Der Laserstrahl wird reflektiert und misst so die Geschwindigkeit. 200 Meter Entfernung sind es circa, die zwischen dem Fahrzeug und dem Standort der Polizei liegen. Der Computer in der Laserpistole rechnet dann die Geschwindigkeit aus und entsprechend piept das auf das geltende Tempolimit eingestellte Gerät. Eine gesetzlich vorgeschriebene Toleranz rechnen die Beamten anhand einer Tabelle ein.

Barzahlung gleich vor Ort möglich

Ein Foto als „Andenken“ gibt es für die Raser an der B 306 heute nicht. Anders als beim stationären oder mobilen Blitzer müssen die Fahrer gleich gestoppt werden, erläutert Zitzelsperger. Wer möchte, kann sein Bußgeld gleich selbst bar bezahlen. Allerdings nur im Verwarnungsbereich bis 50 Euro. „Darüber bekommt der Fahrer eine Ordnungswidrigkeitsanzeige“, sagt der Polizist.

Peter Zitzelsperger hat einen Bußgeldkatalog dabei.

Der zu schnelle Lkw-Fahrer zahlt gleich seine Strafe von 20 Euro vor Ort. Mit der Chiemgau-Zeitung sprechen will er aber nicht. Es scheint ihm peinlich zu sein. Genau auf diesen Effekt zielt auch die Polizei ab. „Eine pädagogische Maßnahme ist das“, sagt Zitzelsperger.

Es sei halt doch etwas anderes, einem Fahrer in die Augen zu schauen und ihn darauf hinzuweisen, dass zu hohe Geschwindigkeit die Hauptursache bei schweren und tödlichen Unfällen ist. Anders beim stationären Blitzer: „Da kommt dann irgendwann mal ein Brief mit einem hohen Betrag, über den man sich ärgert.“

2020: 14 Verkehrstote im Landkreis Traunstein

Allein im Landkreis Traunstein sind laut der Verkehrsunfallbilanz des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd 14 Menschen im vergangenen Jahr bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen.

Obwohl im ersten Lockdown deutlich weniger Verkehr war, ist die Zahl im Vergleich zu 2019 gleich geblieben und nicht gesunken. Trotz des ernsten Themas erlebt Max Zitzelsperger auch kuriose Dinge in seinem Beruf. Die Bandbreite von Reaktionen auf ein Bußgeld habe er selbst schon erlebt. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm allerdings ein Moment: „Ein Fahrer hat sich so geärgert, dass er erst mal wie wild gegen seinen Kotflügel getreten hat.“ Am Donnerstag (22. April) um 6 Uhr morgens endet der Blitzmarathon.

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