Blinden Menschen durch Alltag helfen

Die Blinden- und Sehbehindertenberaterin Ingrid Lischke zeigte den Schülern, wie man einem blinden Menschen helfen kann. Der blinde Mensch kann am besten geführt werden, wenn sich dieser am abgewinkelten Oberarm festhalten kann.  Foto Eder
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Die Blinden- und Sehbehindertenberaterin Ingrid Lischke zeigte den Schülern, wie man einem blinden Menschen helfen kann. Der blinde Mensch kann am besten geführt werden, wenn sich dieser am abgewinkelten Oberarm festhalten kann. Foto Eder

Welche Bedeutung es hat, nichts sehen zu können, war eingangs für die Grassauer Schüler der inklusiv geführten 3c, Partnerklasse der St.Valentinsschule Ruhpolding, kaum vorstellbar. Ingrid Lischke, Blinden- und Sehbehindertenberaterin, stellte sich den Fragen der Kinder.

Grassau - Siegi Götze, ehemaliger Leiter der Bürgerhilfsstelle erklärte, wie blinden Menschen im Alltag geholfen werden kann. In einer Gesellschaft, die auf sehende Menschen ausgerichtet ist, ist es für Blinde oft nicht leicht, sich zurechtzufinden. Doch es gibt viele Möglichkeiten, das fehlende Augenlicht im Alltag zu ersetzen. Das beginnt bereits früh am Morgen. Hier hilft ein sprechender Wecker. Bei der Wahl der Kleidung, damit diese auch farblich zusammenpasst, nützt ein kleines Gerät und vor dem Einkaufen, wird das nötige Geld bereits vorsortiert. Die Münzen zu unterscheiden, ist an Hand der Riffelung möglich und für Geldscheine gibt es eine kleine Plastikmappe, die den Wert des Scheins messen kann.

Gefragt von den Kindern, erklärte Lischke, dass sie die Blindenschrift beherrsche und auch am Computer mit Spezialtastatur schreiben könne. Die Braille-Schrift sei logisch aufgebaut, wobei sich junge Menschen leichter tun würden, die Schrift zu lernen. Lischke: "Nichtblinde allerdings werden große Probleme haben, denn es gehört ein enormer Tastsinn dazu." Im Test bewies sie, dass sie genauso schnell lesen kann wie Sehende. Auch zeigte sie, wie ihr der Blindenstock hilft. Aber nicht immer nütze der Stock und fremde Hilfe sei notwendig.

Auch wie ein Blinder geführt wird, konnten die Schüler lernen. Auf die Frage nach einem Blindenhund erklärte Lischke, dass diese Hilfe zum einen viel Geld koste, rund 20000 Euro und der Hund auch nicht überall gehalten werden könne.

Aber auch einige Probleme wurden angesprochen. So wollten die Schüler wissen, wie sie eine Straße überquere. Eine akustische Ampel helfe da. Schwierigkeiten beim Einkaufen gebe es, denn der Blinde könne ohne fremde Hilfe die Produkte nicht erkennen. Dafür seien mittlerweile alle Medikamentenverpackungen bereits mit der Braille-Schrift versehen. Auch ganz persönliche Fragen stellten die Schüler und auf alle erhielten sie Antwort.

Siegi Götze wies auf einen weitverbreiteten Irrtum hin, denn die gelbe Binde mit den Punkten sei nicht den blinden Menschen vorbehalten, sondern für Menschen mit Behinderung. Sie sei, so Ingrid Lischke, vor allem an ihrem weißen Blindenstock zu erkennen. tb

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