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Blickbeziehungen nicht aus den Augen verlieren

Übersee. – Rund 350 Teilnehmer hat der Arbeitskreis (AK) Gemeindeentwicklung in Übersee mit seiner fünfteiligen Vortragsreihe über zeitgemäße Ortsplanung erreicht (wir berichteten).

Das Interesse war nicht nur bei den Bürgern groß, sondern lockte auch Bürgermeister und Gemeinderäte von Nachbargemeinden, Architekten und Planer an.

„Es gibt viel zu verlieren. Wir alle sind gefordert, an der Gestaltung unserer Orte mit Wünschen, Empfehlungen, Kritik, aber auch mit Lösungen teilzunehmen“, sagte Wolf Steinert, Sprecher des AK. Die ständige Weiterentwicklung an den Ortsrändern sei in seinen Augen der falsche Weg und vernichte zudem wichtige landwirtschaftliche Produktionsflächen, die man brauche. In diesem Zusammenhang ermutigte er Bürgermeister Marc Nitschke, auf dem begonnenen Weg der Flächennutzungsplanung mutig weiterzugehen und noch viel mehr als bisher die Bürger einzubeziehen.

Die letzte Veranstaltung der Vortragsreihe befasste sich mit dem Thema neuer Wohnformen, besonders unter dem Aspekt der Nachverdichtung. „Nachverdichtung heißt nicht, Gärten und Obstanger zuzubauen, sondern an den richtigen, dafür geeigneten Stellen Gebäudeergänzungen durchzuführen“, betonte die Münchener Architektin Nadja Häupl. Nach ihren Worten müsse es dafür eine Reihe von Ausschlusskriterien geben, wie Blickbeziehungen im Ort oder von außen, das Freihalten von Bachrändern sowie ortsbildprägende Obstanger und Gärten.

Einfamilienhäuser als „Auslaufmodell“

An unterschiedlichen Szenarien der Siedlungserweiterung zeigte die Architektin, dass eine kompakte Struktur auch bei Neubebauungen in Übersee möglich und äußerst flächensparend ist. Die konventionelle Erweiterung mit Einfamilienhäusern bewertete die Architektin in diesem Zusammenhang als „Auslaufmodell“. Zu großer Flächenverbrauch, unbezahlbar und in vielen Lebensabschnitten nicht mehr anspruchsgerecht, lauteten ihre Argumente.

Derzeit entstehen laut Häupl mehrere Projekte verdichteter Wohnformen in der Gemeinde Kirchanschöring und das von der Regierung geförderte Projekt „Anders Wohnen im ländlichen Raum“ in der ILE Waginger See. Teile dieser Projekte sind die Ideen und Konzepte von Bürgern, die damit von der Rolle als „Statisten“ befreit wurden. Abschließend betonte die Architektin, dass die Anstöße und die Moderation solcher Projekte – ähnlich wie die Flächennutzungs- und Bebauungspläne – vom Bürgermeister und dem Gemeinderat kommen müssten.

Ein anderes Projekt stellte Hans Thullner aus der Nachbargemeinde Unterwössen vor. Dort entsteht derzeit das Inklusionsprojekt „Gemeinsames Wohnen und Beschäftigung“ der Lebenshilfe Traunstein und der Maro Genossenschaft für selbstbestimmtes und nachbarschaftliches Wohnen mit drei Gebäuden für ältere Menschen sowie mit einer Kochwerkstatt und einem Café (wir berichteten). Besonders hob Thullner die Lage in der Ortsmitte und nicht „irgendwo am Ortsrand“ hervor.

Noch nicht richtig für das Wohnen entdeckt sind bisher frühere landwirtschaftliche Betriebe, meinte der Architekt Volker Schultze-Naumburg. Ihre besondere Gebäudesituation biete in seinen Augen oft viel größere Chancen als jedes Einfamilienhaus und erhalte zudem das auch in Übersee typische Ortsbild.

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