Blick in die Sterne: Rimstinger rückt Chiemgau ins rechte Licht

So leuchtet die Welt im Dunkeln:Der Rimstinger Physiker und Astronom Manuel Philipp bei seinem kritischen Vortrag über die Folgen der ständigen Beleuchtung in Bernau . Bovers

Die „Sternenregion Chiemsee“ ist dem Rimstinger Astrophysiker Manuel Philipp wichtig. Zu wichtig. Der Gründer der Aktion „Paten der Nacht“ plädiert eindringlich dafür, gegen die zunehmende Lichtverschmutzung vorzugehen. Er hat gute Argumente und schafft den Übertrag ins private Alltagsleben - jeder kann etwas tun, ist sein Credo.

Bernau/Rimsting– Manuel Philipp ist Physiker Astronom und Welterklärer aus dem Chiemgau. Die Sterne der Region haben es ihm besonders angetan. So hält er Führungen ab und erklärt Konstellationen am Firmament. Unter dem Motto „Sternenregion Chiemsee“ hat Manuel Philipp, Gründer der Aktion „Paten der Nacht“ in den vergangenen Wochen viel Aufmerksamkeit bekommen. Auch weil sein eindringliches Plädoyer gegen die zunehmende Lichtverschmutzung ganz ohne den bei Umweltthemen üblichen Alarmismus auskommt und er lieber mit Argumenten überzeugt.

Beispiele kommen direkt aus dem Alltagsleben

Die Beispiele dazu stammen meist aus unserem Alltag und so hatte er an diesem Abend ein hoch konzentriertes Publikum, auch wenn die präsentierten Zahlen und Fakten teilweise erschreckend waren. Die Satellitenbilder vom Erdball und seinen hell leuchtenden Regionen zur Nachtzeit kennen viele.

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Lichtglocke um 30 Prozent heller geworden

Dann projektiert Philipp ein Nachtbild des südlichen Chiemseeufers samt Bergkulisse auf die Leinwand, aufgenommen von der Ratzinger Höhe aus. Als Demonstration, dass auch vor der eigenen Haustür mit dem Licht „inflationär“ umgegangen wird, wie er das nennt.

„Die Lichtglocke am Chiemsee ist in den letzten vier Jahren“, so zitiert er eine Messung, „im Schnitt um 30 Prozent heller geworden!“ Gebannte Zuhörer, als er über das Massensterben der Insekten durch falsche Straßenbeleuchtung, den Orientierungsverlust bei Zugvögeln, unseren gestörten Schlaf bei defektem Tag-Nach-Rhythmus und nicht zuletzt über den verschwundenen Sternenhimmel spricht. Und das ganz frei und ohne Manuskript! Jetzt versteht man, warum er immer mehr Gemeinden, Firmen und Privatleuten überzeugen kann, als „Paten der Nacht“ ihren Umgang mit Licht konkret zu verändern.

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LED-Technik zu billig?

Glaubwürdig ist Philipp deshalb, weil er eine Fülle von praktischen Tipps aus der Beleuchtungs-Technik dabei hat, nach denen jeder Einzelne gegen Lichtverschmutzung wirken kann. Und dabei Energiekosten spart, auch wenn die LED-Technik Licht viel zu billig gemacht hat. Beim Emissionsschutz-Gesetz von 2019 fehlen ihm die klaren Definitionen und die Konsequenz bei der Umsetzung in den Kommunen. Ihnen und den Touristikern gibt er die Vision mit, durch konsequente Arbeit gegen zu viel Licht, den Chiemgau als „Sternenpark“ noch attraktiver zu machen.

Philipps Weg zur Astronomie war wie eine lange Satelliten-Reise mit Schwung holen bei diversen Zwischenstationen.

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Und die sahen so aus: Gelernter Elektro-Mechaniker, Aufbau von Sondermaschinen bei allen wichtigen Autokonzernen; Mitte der 90er-Jahre bereits einen Internet-Shop erstellt (Turniertanz-Bedarf); Fachabitur nachgeholt; Physik-Studium an der FH, Schwerpunkt technischer Umweltschutz; Diplom im Jahre 2000; Beratung und Vorträge zur Umwelttechnologie (Windkraft, Wasserstoffantrieb et cetera).

Studium hat Astronomie ausgeklammert

Das Physikstudium klammerte Astronomie ganz aus, was ihn heute noch wundert und auch ein bissl aufregt. „Schließlich kommt alles, was uns umgibt und uns selber ausmacht, dazu praktisch alle Wissenschaft, von der Biologie über die Mathematik bis zur Chemie, all das kommt aus den Sternen und dem All!“ Und dann liebt er Momente wie diese: „Wenn ich in einer Grundschule vor zwei Klassen von der Sonne erzähle und dabei die Augen von 70 gebannt zuhörenden Kindern leuchten – das hat schon etwas Herzerwärmendes!“

Es sind nebenbei überwiegend Kinder und Jugendliche, die ihre Eltern zu seinen Sternen-Exkursionen „mitschleppen“. Und immer wieder ist er verblüfft, was bei den Erwachsenen an Grundkenntnissen fehlt, und sein es nur die Entstehung der Mondphasen.

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