Brauchtum

Er war „Elite-Plattler“ aus dem Chiemgau - Franz Praßberger erinnert sich - auch an TV-Auftritte

Auftritt beim Komödienstadel in München 1961 beim Stück „Die drei Eisbären“ 3. Franz Praßberger als Einzelplattler sowie beim Gruppenplatteln für den GTEV „D´Staffestoana“ Bernau.
+
Auftritt beim Komödienstadel in München 1961 beim Stück „Die drei Eisbären“ 3. Franz Praßberger als Einzelplattler sowie beim Gruppenplatteln für den GTEV „D´Staffestoana“ Bernau.
  • Anton Hötzelsperger
    vonAnton Hötzelsperger
    schließen

Franz Praßberger aus Bernau gehörte zur Elite der Chiemgauer Schuhplattler und war lange Teil der Gaugruppe. Fernsehauftritte und Preisplattln gehörten zu den Höhepunkten seiner Karriere. Er erinnert sich an zwei Jahrzehnte, die zu den schönsten seines Lebens gehören.

Bernau – Das Schuhplatteln hat im Chiemgau einen hohen Stellenwert, dies gilt nicht nur für den 23 Trachtenvereine umfassenden Chiemgau-Alpenverband für Tracht und Sitte. Auch weit über die regionalen Grenzen hinaus ist das Plattln bekannt.

Einer, der dazu beigetragen hat, ist Franz Praßberger vom Trachtenverein „D´Staffestoana“ aus Bernau. 20 Jahre gehörte er der Gaugruppe des Verbandes an. Sie ist die Elite-Truppe der besten Plattler, die aus den Reihen der Trachtenvereine zwischen Amerang und Reit im Winkl ermittelt werden und die den Chiemgau nach außen vertreten.

Ein Schlechinger war sein Vorbild

Der Entscheid darüber fällt beim alljährlichen Gaupreisplatteln. „Das erste fand im Jahr 1927 statt, ein Jahr nach der Verbandsgründung“, weiß Praßberger. Beim Grupppenplatteln siegte damals Schleching vor Hohenaschau und Grassau. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die ersten Veranstaltungen dieser Art 1946, 1947 und 1948 in Übersee, Reit im Winkl und Schleching.

Franz Praßberger mit dem Ehrenteller des Chiemgau-Alpenverbandes.

Das Gaupreisplatteln 1958 in Übersee hat Praßberger besonders in Erinnerung: „Mein Vorbild war Hans Hächer aus Schleching, er stand wie ein Baum auf der Bühne und er gewann auch in diesem Jahr in seiner Klasse das Platteln“. Die Entstehung einer Gaugruppe geht auf das Jahr 1961 zurück. Damals vermittelte Volkstanzwart Georg von Kaufmann eine Anfrage des „Münchner Fernsehens“ (heute Bayerischer Rundfunk) an Gauvorstand Sepp Perl.

Lesen Sie auch:

Rosenheim: Zum Gedenken an Thomas Bacher, den letzten Haberermeister vor dem Treibverbot

Gaugruppe als Aushängeschild

„Die drei Eisbären“ war der Titel einer Aufführung des Komödienstadels, in der eine Schuhplattler-Einlage gewünscht war. „Das war auch die Geburtsstunde der Gaugruppe“, erinnert Franz Praßberger, der selbst dabei war und sich gut an den Fernseh-Auftritt erinnert: „Wir lernten unter anderem die Schauspieler Maxl Graf und Erni Singerl kennen.

Ein weiterer Auftritt trug den Titel „Birkenstoana Glöckerl“ mit Schorsch Perl und Peter Huber als Plattler mit ihren Staudacher Dirndl Rosi Klausner und Christl Holzner, bei den Buam kamen noch Toni Bauer und Michi Berneder aus Hittenkirchen, Hubert Haasl und Max Schaitl aus Hohenaschau, Sigi Bichler aus Unterwössen, Wast Schuster aus Rottau, Sepp Pfeiffer aus Schleching und Konrad Guggenbichler dazu.“ Zwei Tage waren die Chiemgauer mit Gauvorstand Sepp Perl in München unterwegs. Die „Komödienstadl-Gruppe“ wurde vom Hohenaschauer Hubert Haas geleitet, dieser wurde dann im Herbst 1961 zum ersten gewählten Gauvorplattler auserkoren.

Aushängeschild des Gauverbandes

Von 1966 bis 1980 war Praßberger Mitglied der Gaugruppe und bis 1986 war er gewählter Stellvertreter von Ersten Gauvorplattler Martin Auracher aus Reit im Winkl. Damit war er weiterhin Mitglied der Gaugruppe, die als „Aushängeschild“ des Gauverbandes galt und immer noch gilt. „Eine schöne Zeit waren diese zwei Jahrzehnte, sie waren geprägt von Kameradschaft und Auftrittserlebnissen, die Freundschaften halten bis in die Gegenwart an“, erzählt Praßberger, der nach seiner aktiven Zeit den Chiemgau-Alpenverband als Preisrichter und Beisitzer unterstützt.

Die Geschichte des Schuhplattlers

„Der Schuhplattler gehört zweifellos zu den markantesten bayerischen Ausdrucksformen“, so der Trachtenverband Bayern. Er erklärt auch, woher das Wort kommt: Der Tänzer schlägt dabei mit den Händen auf die Schuhsohlen. Die „Erfinder“ des Plattelns waren einst Bauern, Jäger, Holzknechte. Wann genau die Tanzart erfunden wurde, bleibt unklar: Ein Mönch aus dem Tegernseer Kloster erwähnt im Jahr 1050 einen dörflichen Tanz, bei dem Sprung- und Handgebärden die Hauptrolle spielten.

Als 1838 die Kaiserin von Russland in Wildbad Kreuth zur Kur weilte, wurde ihr eine Art Schuhplattler vorgeführt, während sich dabei ein Dirndl im Takt drehte. Etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts setzte sich die Vereinheitlichung der Schuhplattler-Tanzbewegungen durch, informiert der Trachtenverband. 1866 nannte sich in Miesbach ein Verein „Schuhplattler-Gesellschaft“. Ab 1883 entwickelte sich das vereinsmäßige Platteln in den Trachtenvereinen. Man unterscheidet etwa 150 unterschiedliche Schuhplattlertänze.

Kommentare